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UNTERNEHMEN FÜR MENSCH UND UMWELT

Wie geht mehr Klimaschutz: differenziert, lokal, digitalisiert und flexibel

Foto: Markus Emmert, Vorstand Bundesverband eMobilität e.V. (BEM)

Markus Emmert

Vorstand Bundesverband eMobilität e.V. (BEM)

Wenn wir jetzt einen Zahn zulegen sollen bei der Senkung der CO2-Emissionen im Verkehrssektor, dann können wir das. Der deutsche Mittelstand hat Lösungen anzubieten. Sie gehen über die Antriebswende zum batterieelektrischen Fahrzeug weit hinaus und reichen bis in den Energiesektor, die Sanierung von Gebäuden bis hin zur Wärmeversorgung. Die Frage ist nur, ob auch die Politik hier helfen kann, denn ohne ihr Teamplay gelangen diese Lösungen nicht in den Markt – womit wir an einer politischen Sollbruchstelle stehen.

Doch starten wir bei den Innovationen: Jedes Verbrenner-Auto gegen ein eAuto zu ersetzen, stellt keine ausreichende Klimaschutzpolitik dar. Die CO2-Einsparungen pro Fahrzeug sind bereits beachtlich und in seiner Struktur auch nachhaltig, gleichwohl müssen wir gründlicher nachdenken und unser Verhalten ändern. Beispielsweise (1) kann so manches Transportfahrzeug in der Stadt durch Leichtfahrzeuge ersetzt werden. Das reduziert den CO2-Wert deutlich und bringt noch dazu Ersparnis im Platz- und Energiebedarf. Aktuell werden diese Fahrzeuge leider nicht staatlich gefördert, was sich schnell ändern ließe. (2) Fahrzeugbatterien könnten heute in Gebäuden eingesetzt werden, entweder als mobile Speicher oder als Second-Life-Lösung für gebrauchte Batterien. Die Ressourcen-Schonung seltener Rohstoffe ist enorm. Derzeit fehlt es an den entsprechenden rechtlichen & steuerlichen Regelungen, wonach Hausbesitzer Energie sowohl produzieren als auch abgeben dürfen, um in den Märkten „mitspielen“ zu dürfen. (3) Sharing-Lösungen müssen geöffnet werden. Nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Ladelösungen müssen sich teilen lassen. In Deutschland ist nicht nur das Eichrecht die Hürde für den geöffneten Gebrauch, energierechtliche Fragen ersticken diese Anwendung. Und (4) in die Verkehrswende müssen alle Verkehrsträger einbezogen werden. Das gilt ausdrücklich auch für Wasserfahrzeuge- und den schienengebundenen Verkehr. Wenn wir lesen, dass die Deutsche Bahn im Jahr 2022, also heute, über 1.000 Busse bestellt und davon über 75% Dieselbusse ordert, dann ist das ein Affront an den Klimaschutz.

Und es ist auch nicht hilfreich, wenn sich Bundesverkehrsminister Volker Wissing gegen den EU-Parlaments-Beschluss zum Verbrenner-Aus ab 2035 stellt oder eine marktwirtschaftliche Lösung bei der Verbesserung der Umweltprämie favorisiert. Das wirkt nicht auf Kurs. Denn selbst wenn der freie Markt großen Vorrang hat, was wir grundsätzlich begrüßen, sind die Branchen Elektromobilität und Erneuerbare Energie sehr jung. Sie haben nicht dieselbe Kapitalisierung wie große Player, die Bus-Aufträge von x 1.000 Stück erhalten und dafür die Zuliefermärkte aufkaufen. Klimaschutzpolitik lässt sich nicht im Gießkannenprinzip mit PS-Monstern machen!. Klimaschutz muss differenziert, lokal angepasst, digitalisiert und flexibel sein. Zur Umsetzung braucht es den Behörden-Austausch mit den neuen Akteuren und Nutzern und die klare Unterstützung für den Wendeprozess.

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Das Leben nach dem Wir-Prinzip

Berlin, 29.11.2019: Großbäckerei Mestemacher verleiht Preis „GEMEINSAM LEBEN“ 2019 an „Gewalt gegen Mädchen und Frauen – SOLWODI Deutschland“ – ( v. l.) Maria von Welser, Laudatorin für SOLWODI, Sr. Lea Ackermann, Gründerin und Vorsitzende SOLWODI, Mestemacher- Chefin, Prof. Dr. Ulrike Detmers.

Ein Gespräch mit Unternehmerin und Initiatorin des Mestemacher Preises „GEMEINSAM LEBEN“, Prof. Dr. Ulrike Detmers, über ökologisch sinnvolle sowie vorbildlich offene Lebensmodelle, die das Wir-Gefühl in der Gesellschaft stärken. 

Ihr Unternehmen verleiht seit 2017 bundesweit und jährlich den Sozialpreis „GEMEINSAM LEBEN“. Was ist der Grund dafür?

Wir glauben, dass es gerade in heutigen für die Demokratie unruhigen politischen Zeiten wichtig ist, ein Statement zu setzen. Egozentrik und Doppelmoral schwächen nachhaltigen Wertzuwachs. Das Leben nach dem Wir-Prinzip bewirkt dagegen das Gegenteil. Mit unserem Wettbewerb verfolgen wir das Ziel, dieses Gemeinschaftsgefühl in der Gesellschaft wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Wir möchten offene Lebensmodelle unterstützen, in denen die Menschen füreinander da sind und demokratisch liberal miteinander umgehen.

Welche Lebensmodelle meinen Sie hier?

Das sind beispielsweise Großfamilien, Mehrgenerationenhäuser, Wohngemeinschaften, religiös-liberale Einrichtungen zur Förderung von religiöser Gleichstellung oder Gentlemen’s Clubs, die Frauen als Mitglieder willkommen heißen.

In diesem Jahr haben Sie wieder neue Gewinner prämiert. Können Sie beschreiben, was diese als vorbildliches Beispiel auszeichnet?

Sieger in der Kategorie „Anderer Lifestyle-Modell-Typ“ wurde Solwodi Deutschland. Gegründet wurde der Verein von Schwester Dr. Dr. h. c. mult. Lea Ackermann 1985 nach der Weltfrauenkonferenz in Kenia. Ihr unvergleichlicher Einsatz gegen die Versklavung und Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist für uns ein großes vorbildliches Tun. Sie steht auch für das Prinzip Taten statt Worte.

„Lieber gemeinsam statt einsam“ lautet die Devise der Hofgemeinschaft Heggelbach im baden-württembergischen Herdwangen-Schönach. Der Hof wird seit 30 Jahren gemeinschaftlich bewirtschaftet, heute von sechs Familien, die gemeinsam die Betriebsleitung ausüben. Die Biolandwirtinnen und Biolandwirte dort nehmen teil am Pilotprojekt, gefördert vom Bundesforschungsministerium „Solare Energiesysteme“. Mit dem selbst produzierten Ökostrom betreiben sie ihre Betriebsmittel und viele weitere ökologische Aktivitäten. Für die seit 30 Jahren funktionierende Gemeinschaft und das Betreiben des avantgardistischen Öko-Agrarbetriebs haben wir sie in der Kategorie „Lebensgemeinschaft“ beziehungsweise „Hofgemeinschaft“ ausgezeichnet. 

Einen Preis für „Institutionalisierte Mehrgenerationenhäuser“ hat die altersübergreifende Gemeinschaft „Lebensräume in Balance e.V.“ im Kölner Osten erhalten. Die Mitglieder der Gemeinschaft sind international orientiert, denn sie kommen aus acht Nationen der Weltgemeinschaft. Als gemeinnütziger Verein engagieren sich die Bewohner auch im Stadtteil, geben ihre Erfahrungen an andere Wohnprojekte weiter und wirken in die Gesellschaft hinein.

Und für die Kategorie „Großfamilie“ zeichneten wir die Edeka Kaufleute Schmitz aus Daleiden aus. Die Kaufmannsfamilie ist vorbildlich für ein intaktes 3 Generationenhaus. Ihr Zusammenhalt im täglichen Familien- und Arbeitsleben ist eine Quelle für Kraft und Zufriedenheit. Ungeachtet der hohen Kosten ist Großfamilie Schmitz auch Vorreiter beim Bau energieautarker, energieeffizienter CO2-freier Verbrauchermärkte.

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