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UNTERNEHMEN FÜR MENSCH UND UMWELT

Herausforderung Nachhaltigkeit

Für Model, Bloggerin und Autorin Marie Nasemann gehört zur Mode schon lange auch Nachhaltigkeit. Foto: Katrin Lautenbach

Marie Nasemann ist Best-Seller Autorin und hat ihren früheren Blog in eine Informations-Plattform über nachhaltige Mode weiterentwickelt. Bekannt wurde sie 2009 als Teil-nehmerin der Castingshow Germany’s Next Topmodel. Auf ihrem Blog „Fairknallt“ zeigt Marie Nasemann, dass nachhaltige Mode nicht nur ökologisch und fair ist, sondern auch Spaß machen kann. Im Juni 2021 veröffentlichte Marie ihr erstes Buch „Fairknallt – Mein grüner Kompromiss“. Im Buch geht es um ökologische Kompromisse, die ihr und ihrer Familie im Alltag begegnen und wie sie versucht diese zu meistern. Weiterhin ist sie oft zum Thema grüner Lifestyle und faire Mode in passenden Podcasts zu hören. 

Nachhaltigkeit ist ein sehr umfassender Begriff und betrifft viele Bereiche unseres Lebens. Wo setzt du deine Schwerpunkte? 

Mein Schwerpunkt ist definitiv die Mode. Das ist ein Bereich meines Lebens, der mich immer fasziniert und interessiert hat. Die Modebranche ist allerdings eine der unfairsten und dreckigsten Branchen der Welt. Das möchte ich ändern.  

Wie wichtig findest du es, dass Unternehmen vermehrt ihren Fokus auf nachhaltiges Wirtschaften legen?

Ich finde es sehr wichtig, jedoch verstehe ich, dass das bei einem kapitalistischen Wirtschaftssystem, das auf dauerhaftes Wachstum ausgelegt ist, oft schwierig ist, umzusetzen. Ich sehe die Politik mindestens genauso stark in der Verantwortung. Sie muss die richtigen Rahmenbedingungen und entsprechende Gesetze schaffen, damit es Unternehmen leichter fällt oder – besser noch – sie gar keine andere Wahl haben als nachhaltig und fair zu wirtschaften. 

Welche Tipps kannst du anderen Unternehmer: innen an die Hand geben?

Ich glaube daran, dass die Motivation, mit einer Idee schnell viel Geld zu verdienen, niemals die Hauptmotivation sein sollte, etwas zu tun. Einen längeren Atem hat man definitiv, wenn man mit etwas sehr unzufrieden ist und etwas verändern möchte.  

Welche Veränderungen hast du selbst als Unternehmerin in Bezug auf Unternehmensverantwortung und Transparenz wahrgenommen?

Ich war bereits bzgl. Designkooperationen mit Fair-Fashion-Unternehmen im Austausch, bei denen ich auch das Gefühl hatte, sie gucken lieber nicht genauer hin, sondern verlassen sich auf Aussagen oder Zugeständnisse ihrer Lieferant*innen. Auch ich muss im Rahmen meines Blogs Unternehmen vertrauen, dass sie mir die Wahrheit sagen. Sollte ich allerdings selbst irgendwann ein Unternehmen gründen, muss volle Transparenz herrschen, auch wenn das immer für viele Menschen unbequem ist und sich viele vor den Kopf gestoßen fühlen.

Wie integrierst du Nachhaltigkeit in deinen Alltag und in deine Familie? Welche Herausforderungen kommen dabei auf dich zu? 

Ich finde es sehr herausfordernd, mit den Kindern nachhaltig zu leben. Essen wird weggeschmissen, wir steigen öfter mal ins Auto und mit den Stoffwindeln klappt es auch nur so halb. Aber kleine Schritte, wie nur Bio einzukaufen oder Kleidung secondhand zu kaufen, zählen ja zum Glück auch.

Was für eine Welt wünschst du dir für deine Kinder?

Ich hoffe, dass sie die Natur noch so erleben dürfen, wie wir sie kennengelernt haben. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sich Nationen und Religionen aufhören zu bekriegen. Das heißt auch, dass die Erderwärmung nicht weiter ansteigen darf, damit nicht Hunderttausende Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil die Böden zu trocken sind.

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UNTERNEHMEN FÜR MENSCH UND UMWELT

Ich kämpfe für nachhaltige Lieferketten

Entwicklungsminister setzt sich für verantwortungsvollen Lebensstil ein.

Nachhaltig leben in einer globalisierten Welt, ohne Natur und Mensch auszubeuten: Das ist die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Denn unser Wohlstand wird viel zu oft mit der Not anderer erkauft. 

Dr. Gerd Müller

Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Das fängt morgens beim Duschen an: Fast jedes Shampoo enthält Palmöl. Für die riesigen Plantagen werden Regenwälder in Indonesien und Malaysia abgeholzt. Weltweit alle vier Sekunden die Größe eines Fußballfelds. Elf Prozent der CO2-Emissionen gehen auf Waldzerstörung zurück!

Das geht beim Anziehen weiter: 90 Prozent unserer Kleidung stammt aus Südostasien. Häufig bedeutet das 16-Stunden-Schichten in stickigen Fabriken, Kündigung bei Schwangerschaft oder Krankheit und Hungerlöhne.

Unser Wohlstand wird viel zu oft mit der Not anderer erkauft.

Oder beim Frühstück: Auf vielen Kaffee-Plantagen müssen Kinder schuften. Ein Kilo Kaffee kostet in Deutschland zehn bis zwölf Euro. Nur 50 Cent kommen davon bei den Bauern an. Davon können die Familien nicht leben! Deshalb müssen die Kinder mitarbeiten, allein in Westafrika 2,3 Millionen.

Die Aufzählung ließe sich beliebig fortführen: In unseren Handys, E-Bikes und Autos steckt Kobalt. 60 Prozent stammen aus dem Kongo, wo in illegalen Minen Zwangsarbeit und Umweltzerstörungen an der Tagesordnung sind. Zurecht würden wir solche Bedingungen in Europa niemals akzeptieren. Warum anderswo?

Deswegen kämpfe ich für nachhaltige Lieferketten. Wir haben in Europa mit die höchsten Standards und profitieren davon, dass Generationen vor uns für Arbeitsrechte und Umweltschutz gestritten haben. Nun sind wir gefordert, soziale und ökologische Mindeststandards weltweit durchzusetzen, besonders das Verbot von Kinderarbeit. Nachhaltig zu konsumieren, ist dabei ein wichtiger erster Schritt. Beim Kleiderkauf können Sie zum Beispiel auf den Grünen Knopf achten – das staatliche Siegel für sozial und ökologisch hergestellte Textilien.

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