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RECYCLING & RESSOURCEN

„Fast Fashion“: „Wegwerfkleidung“ als wertvolle Ressource

„Eine hoch spezialisierte Textilrecyclingwirtschaft kümmert sich um die sinnvolle und ressourcenschonende Verwendung dieser Alttextilien und bringt sie wieder in den Kreislauf“, erklärt die Referentin des bvse-Fachverbands Textilrecycling, Beate Heinz. Tragbare Kleidung ist eine wertvolle Ressource. Sie gehört nicht in den Restmüll.

Etwa 1,01 Millionen Tonnen Altkleider werden jährlich über Straßen- und Containersammlungen erfasst und in die Textilrecyclingkette gegeben. Mit sehr nachhaltigem Erfolg: Die Verwertung liegt bei einer sagenhaften Quote von 98 Prozent! Circa 66 Prozent der gesammelten Altbekleidung könnten weiter getragen werden.

Auch viele kirchliche und karitative Organisationen greifen bei ihren Sammelaktionen gerne auf die bewährten und verantwortungsvollen Organisationsstrukturen der Textilrecyclingkette zurück. Nur ein geringer Anteil der Kleiderspenden landet in Secondhandläden. Das Sammelaufkommen übersteigt die Nachfrage bei Weitem. Sind die hiesigen Kleiderkammern versorgt, geht der überwiegende Teil in den Export.

„Die Wiederverwendung hat sowohl in den Herkunfts- als auch in den Empfängerländern positive Effekte“, macht die bvse-Expertin deutlich. „Bedürftige und Menschen mit Niedrigeinkommen können sich weltweit zu bezahlbaren Preisen mit hochwertiger Kleidung versorgen.“

Ein größeres Verantwortungsbewusstsein im Hinblick auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit muss aber vor allem noch von der Textilindustrie umgesetzt werden.

Nicht mehr tragbare Kleidung und Alttextilien, die nicht mehr nutzbar sind, werden zum großen Teil zu Putzlappen für die Automobilindustrie verarbeitet.

Große Probleme bereiten der gut funktionierenden Recyclingwirtschaft insbesondere die illegalen Altkleidersammler, die ihre Container unbefugt, meist über Nacht aufstellen und dadurch hochwertiges Material abgreifen. Sie sind für Altkleiderspender auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Erster Hinweis darauf, dass sich ein unseriöser Sammler hinter der Aufstellung eines Containers verbirgt, ist das Fehlen von Kontaktdaten oder die Angabe einer Handynummer, unter der niemand erreichbar ist.

Ein verlässliches Indiz für seriös arbeitende Sammler ist, so die Verbraucherzentralen, zum Beispiel das DZI-Spendensiegel sowie das bvse-Qualitätssiegel Textilrecycling auf dem Altkleidercontainer oder auf der Firmenhomepage des Containerbesitzers. Das Siegel des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V. (bvse) tragen nur zertifizierte Unternehmen, deren Sammlung und Verwertungswege transparent nachvollziehbar sind und die die Umweltschutzbestimmungen einhalten.

Ein größeres Verantwortungsbewusstsein im Hinblick auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit muss aber vor allem noch von der Textilindustrie umgesetzt werden. Der Einsatz von recyceltem Material, beispielsweise aus eigenen Produktionsabfällen, spart wertvolle Wasser- und Energieressourcen. Der Verzicht auf Materialmixe mit minderwertigen Qualitäten und der Austausch von umweltbedenklichen PFC-Imprägnierungen, wie sie überwiegend in Outdoor- und Sportbekleidungen zu finden sind, gegen ökologisch unbedenkliches Material wären wichtige Schritte in Richtung Umwelt- und Ressourcenschonung, auf die auch der Verbraucher bei seinem Einkauf achten sollte.

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Verunreinigtes Rezyklat – Herausforderung im Kunststoffkreislauf

Michael Perl

Group Director
Sorting Recycling 

Aus gebrauchtem Kunststoff gewonnenes Rezyklat ist ein wertvolles Material, das in die Fertigung neuer Produkte einfließt. Vorausgesetzt natürlich, die Qualität stimmt. Denn abweichende Kunststoffarten, falsche Farben oder Fremdkörper können die Güte des Rezyklats erheblich beeinträchtigen. Verunreinigungen in Rezyklaten lassen sich grob in drei Klassen einteilen: Fremdkunststoffe, Fehlfarben und Fremdkörper. Damit die Qualität der Rezyklate stimmt, müssen Recyclingunternehmen Kunststoffabfälle sorgfältig sortieren. Bleiben die Verunreinigungen unentdeckt, hinterlassen sie Spuren in den aus Rezyklat neu hergestellten Produkten. Die Konsequenz sind Reklamationen, was weniger Profit bedeutet. Handelt es sich bei den Verunreinigungen um Fremdkörper aus Metall, kann es sogar zu Schäden an den Fertigungsmaschinen kommen. Dadurch entstehen erhebliche Kosten für die kunststoffverarbeitenden Unternehmen.


Material- und Kunststoffarten mit Nahinfrarot-Sensoren erkennen

Verschiedene Kunststoffarten voneinander zu trennen, ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Recyclingprozess. Denn die gesammelten Plastikreste bestehen vielfach aus einem Verbund unterschiedlicher Materialien. Eine sortenreine Sammlung, die Kunststoffe in ihre verschiedenen Arten unterteilt, gibt es in der Regel nicht. Konsumenten wären mit dieser Aufgabe ohnehin überfordert. Aus diesem Grund sind die Hersteller von Rezyklat auf leistungsfähige Sortieranlagen angewiesen. Sie unterscheiden Materialien zuverlässig. Mithilfe der Nahinfrarot-Sensortechnologie sortieren sie in gleichartige Fraktionen. Auch Störstoffe, wie zum Beispiel PVC, werden von den Nahinfrarot-Sensoren erkannt.

Kamerasensoren zur Erkennung von Farben

In Sortiersystemen sind auch Sensoren zur Farberkennung verbaut. Denn Rezyklate einer bestimmten Sorte sollten nicht nur die gleichen Materialeigenschaften haben, sondern auch die gleiche Farbe. Doch Rezyklat in einer einheitlichen Farbe herzustellen, ist anspruchsvoll. Mit Kamerasensoren ausgerüstete Sortiersysteme können Fehlfarben erkennen und aussortieren.

Mit Magneten und induktiven Sensoren Metall ausschleusen

Fremdkörper bilden die dritte Gruppe der Verunreinigungen. Dabei sind Metallteilchen eine der häufigsten Ursachen für verunreinigtes Rezyklat. Das können Verschlusskappen, Klammern, Federn oder andere winzige Gegenstände sein. Obwohl sie kaum zu erkennen sind, können sie großen Schaden anrichten. Metallische Fremdkörper geraten an allen Stationen der Kreislaufwirtschaft in den Kunststoffabfall – zum Beispiel durch Fehlwürfe und falsches Sortieren. Gegenmittel sind induktive Metalldetektoren und Magnetsysteme, die diese Fremdkörper erkennen und ausschleusen.

Den gesamten Prozess im Blick

Mit aufeinander abgestimmten Sortier-, Herstellungs- und Verarbeitungsprozessen lassen sich besonders gute Ergebnisse erzielen. Schlussendlich kommt es im gesamten Prozess darauf an, ein Rezyklat herzustellen, das zweckgemäß und profitabel eingesetzt werden kann. Michael Perl, Group Director Sorting Recycling bei Sesotec, fasst zusammen: „Der Wille und die Bereitschaft der gesamten Kette – vom Gesetzgeber über Hersteller und Handel bis zum Verbraucher – sind nötig, damit Kreislaufwirtschaft nachhaltig profitabel wird. Denn nur aus besonders hochwertigem Material können zum Beispiel wieder neue Lebensmittelverpackungen entstehen.“

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