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Unser Engagement ist wichtig und macht Sinn!

Fotos: Diana Mühlberger

ITCHY ist eine erfolgreiche dreiköpfige Punk-Band aus Eislingen, welche bereits seit 2000 gemeinsam Musik macht. Mit ihren Texten sprechen sie gesellschaftliche Missstände offen an und setzen sich gemeinsam mit Organisationen aktiv für den Umweltschutz ein. Im Interview sprechen wir über ihr Engagement und wie jeder etwas beitragen kann.

Was bedeutet soziale Verantwortung für euch?

Panzer: Es ist ja so, dass wir uns diesen – eigentlich wirklich wunderschönen – Planeten mit vielen vielen anderen Menschen teilen und daraus ergibt sich logischerweise, dass jede einzelne Person auch eine Verantwortung gegenüber der Erde, unseren Mitmenschen und vor allem auch unseren Nachkommen hat. Jede*r hat die Aufgabe, die Welt in einem Zustand zu hinterlassen, mit dem man auch später noch was Ordentliches anfangen kann. 

Und hier wird es dann auch schon schwierig. Einfaches Beispiel: Wenn man bei sich zuhause auf die Toilette geht, benutzt man anschließend ganz automatisch die Klobürste. In öffentlichen Toiletten sieht das aber bei vielen leider schon ganz anders aus, weil dir ja eventuell gar keiner nachweisen kann, dass du das warst. Ich glaube das Problem ist, dass sich ganz viele Leute auch beim Thema „soziale Verantwortung“ hinter der Masse verstecken und davon ausgehen, dass die persönlichen Verfehlungen alle nicht so schlimm sind und man dafür eh nicht zur Verantwortung gezogen wird. Aber das „Was kann ich allein schon bewirken?“-Argument ist einfach komplett dämlich und ich lasse das nicht gelten. Jede Aktion hat Auswirkungen und jedes Engagement für die gute Sache ist wichtig. Egal in welcher Richtung.  

Denkt ihr, dass Personen des öffentlichen Lebens eine besondere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft tragen? 

Sibbi: Sowas muss ja immer jede oder jeder für sich selbst entscheiden. Ich finde man sollte auch niemandem, der eine Öffentlichkeit erreicht, vorschreiben, was er zu sagen hat. Bei uns persönlich ist es aber einfach so, dass wir bei gewissen Dingen ein wirkliches inneres Bedürfnis haben, unsere Meinung kundzutun. Wir versuchen alle drei mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und da sieht man leider viel zu viele Dinge, die einen unglücklich, traurig, fassungslos oder wütend machen. Deshalb behandeln wir diese Themen dann auch in unseren Texten und wenn unser Publikum dadurch zum Nachdenken angeregt wird, haben wir schon viel erreicht. Allerdings gibt es auch Bands, die nur über Partys und Saufen singen, bei denen ich als Hörer gar nicht möchte, dass die plötzlich die Missstände auf dieser Welt anprangern. (lacht) 


Als Punk-Band setzt ihr mit eurer Musik und euren Texten ein klares Zeichen und setzt euch stark für soziale und nachhaltige Themen ein. Was war der Auslöser für euer Engagement? 

Panzer: Als Jugendlicher fand ich es einfach total spannend, dass es sich bei Punkrock um mehr handelt als nur um ein Musikgenre. Punkrock ist eine Haltung, die zwar jede*r für sich anders definiert, aber der allumfassende Konsens ist schon sich gegen unterschiedlichste Missstände aufzulehnen, die Stimme für die Schwächeren zu erheben und sich für positive Dinge einzusetzen. Mich haben damals die Texte von verschiedenen Bands dazu gebracht, über diverse kleine und große Themen überhaupt erstmals nachzudenken und für mich zu klären, wie ich persönlich dazu stehe. Wir schreiben natürlich auch viele Songs, die rein gar nichts mit Politik oder Gesellschaftskritik zu tun haben, aber wenn wir heute Fan-Nachrichten bekommen, in denen steht, dass wir es mit Songs und Musikvideos wie beispielsweise „Why still bother“ oder „The sea“ geschafft haben, dass sich Fans jetzt auch aktiv für den Meeresschutz engagieren, ist das für uns das größte Kompliment überhaupt.

Gibt es bestimmte Projekte oder Problematiken, die euch besonders am Herzen liegen und für die ihr euch besonders einsetzt? Wo bedarf es eurer Meinung nach mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit? 

Sibbi: Oh Gott, da gibt es leider mehr Themen als man zählen kann. Wir haben uns in den letzten zehn Jahren hauptsächlich mit dem Thema Meeresschutz beschäftigt, hier gibt es so viele wichtige Bereiche, die alle mehr Aufmerksamkeit verdienen. Bei uns war es konkret die Problematik des Unterwasserlärms, hier haben wir die ziemlich große “Sonar Sucks” Kampagne zusammen mit der WDC ins Leben gerufen. Danach ging es mit Sea Shepherd hauptsächlich um den Schutz der Meeresbewohner. In der jüngsten Vergangenheit hatten wir dann mit OceanCare und Greenpeace tolle Unterstützer*innen im Bereich der Plastik-Verschmutzung der Weltmeere gefunden. In allen Bereichen konnten wir tatsächlich auch Dinge bewirken, teilweise ziemlich große und weitreichende, was uns zeigt, dass unser Engagement echt Sinn macht und wichtig ist.

Panzer: Wir versuchen z.B. auch auf unseren Konzerten coolen Organisationen und NGOs eine Plattform zu geben. Auf unseren Tourneen sind immer auch engagierte Leute aus unterschiedlichen Bereichen dabei, die mit einem Stand vor Ort sind, Gespräche mit dem Publikum führen, Spenden sammeln und Infomaterial verteilen. Von „Kein Bock auf Nazis“ über „Sea Punks“ zu „OceanCare“ u.v.m. 

Als Band habt ihr eine klare Haltung, aber hat sich auch euer persönlicher Alltag verändert? Was tut ihr im täglichen Leben dafür, um nachhaltig zu leben? Engagiert ihr euch auch in eurer Freizeit für Projekte oder ehrenamtlich? 

Panzer: Ich gehe natürlich auch privat auf Demos. Präsenz auf der Straße finde ich einfach wichtig. Wenn ich sehe, dass irgendwelche Nazis wirre Geschichten über Hass und Rassismus in meiner schönen Stadt erzählen wollen, raffe ich mich auf und freue mich dann, wenn die Gegendemo zigmal größer und imposanter ist, als die traurig aussehende Planwagen-Kundgebung der Faschisten. Auch sonst passe ich meinen persönlichen Lebensstil meinen Idealen an und versuche dem so gut es geht gerecht zu werden. Das klappt natürlich mal mehr und mal weniger gut. Was mir wichtig ist zu sagen: Wir drei sind auch keine Heiligen und ganz sicher machen wir auch dutzende Dinge, die beispielsweise nicht komplett nachhaltig sind. Wenn wir die Möglichkeit haben ein großes Festival in der Ukraine zu spielen, reisen wir mit dem Flugzeug dorthin – auch wenn ich weiß, dass das schlecht fürs Klima ist. Im Gegenzug ernähre ich mich seit 13 Jahren komplett vegetarisch und seit einiger Zeit weitestgehend vegan. In meiner Heimatstadt bewege ich mich zu 99% zu Fuß oder mit der Bahn und beim Einkaufen ist mein Kopf so auf Plastikverzicht und Regionalität getrimmt, dass es eigentlich schon gar keinen Spaß mehr macht, weil ich immer ein irre schlechtes Gewissen bekomme, wenn doch mal wieder eine Plastikverpackung im Korb landet. Ich glaube wirklich nicht, dass es darum geht absolut perfekt zu sein. Es geht vielmehr darum, das persönliche Verhalten zu hinterfragen und den Willen es konstant zu verbessern und sich weiterzuentwickeln. Außerdem ist es mir auch privat wichtig, NGOs, deren Arbeit ich großartig finde, finanziell und bei diversen Aktionen zu unterstützen und ihnen zu helfen den Druck auf Politik und Wirtschaft weiter hochzuhalten. 

Immer mehr junge Menschen beschäftigen sich mit der Thematik des Klimawandels oder gehen auf die Straßen, um sich gegen soziale Missstände einzusetzen. Wie seht ihr diese Bewegung und wie denkt ihr, können wir sie unterstützen? 

Sibbi: Alles was hier in den letzten Jahren passiert, ist beeindruckend. Vor allem wenn man sieht, wie jung die Menschen sind, die sich hier so großartig engagieren. Da werd ich manchmal richtig beschämt, wenn ich sehe, dass da Teenager wirklich hart dafür arbeiten und ihre Freizeit opfern, damit die Welt ein besserer Ort wird, und dann zurückdenke, was ich mit 15 oder 16 hauptsächlich im Kopf hatte. Das ist schon toll, was da in den letzten Jahren für ein Ruck durch die Welt ging. Unterstützen können wir das alle, indem wir die Dinge die beanstandet werden einfach ernst nehmen und versuchen, sie im Kollektiv besser zu machen.


Was sind eure Top-5-Tipps für mehr Engagement im Alltag, die wirklich jeder problemlos umsetzen kann?

Panzer: 1) Intelligentes Contra geben, wenn ihr rassistische, sexistische oder homophobe Kommentare mitbekommt. Macht manchmal Spaß. Meistens nicht. Ist aber trotzdem notwendig.

Sibbi: 2) Ressourcen sparen. Kann man in so vielen Bereichen. Wasser und Strom nicht unnötig verschwenden, nicht überall hin mit dem Auto fahren, nicht für jeden Kurztrip das Flugzeug nehmen, Essen aufessen, anstatt es wegzuwerfen, auf Einwegartikel verzichten, usw. So viele kleine Dinge, die ganz easy besser zu machen sind.

Panzer: 3) Support your local Straßenzeitung! Bei uns im Süden beispielsweise das „Trott-war“- Magazin. Super Sache.

Sibbi: 4) Mehr ITCHY hören. Sorry, ich musste die Stimmung hier kurz etwas auflockern.

Panzer: 5) … und während man dann z.B. beim Einkaufen mehr ITCHY hört und grade einen Apfel kaufen möchte, auf welchem ein Sticker mit „Herkunftsland Neuseeland“ klebt: Den dann eben nicht kaufen. Das ist dumm. Also das mit dem Apfel. Das mit ITCHY ist ziemlich schlau.

Sie möchten mehr über ITCHY erfahren?

Verfolgen Sie ihren Weg auf Instagram @itchyofficial.

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„Influencer sind wir alle!“

Ich habe jetzt auch mal diese vegane Wurst gekauft und du hast Recht, die schmeckt fast wie die Leberwurst, die ich schon immer esse. Hat nur weniger Fett und ist gesünder.“, entgegnete mir mein Opa neulich am Esstisch.

Mein Opa isst nun also auch mal die vegane Wurst, weil sie ihm genauso schmeckt und für ihn ein gesundheitliches Plus hat. Thema war die besagte vegane Wurst einige Monate zuvor und wurde damals noch vehement abgelehnt. Veganismus ist oftmals noch ein schwieriges Thema. Vegane Ernährung wird mit Mangelerscheinungen, geschmacklosen Tofu-Klumpen und Körnern gleichgesetzt. Aber die Zeiten sind definitiv vorbei – spätestens seit mein Opa sich genüsslich die vegane Leberwurst auf seine Stulle schmiert. Und damit ist er nicht alleine. Letztes Jahr lag der Absatz veganer Produkte weit höher als in den Jahren davor. Im Jahr 2019 wurden 1,22 Milliarden Euro Umsatz mit veganen und vegetarischen Lebensmitteln erzielt. Zum Vergleich waren es 2017 noch rund 736 Millionen Euro. Auch die Zahl der Veganer:innen steigt stetig. Laut aktuellen Studien leben in Deutschland zwischen 1,13 und 2,6 Millionen Menschen vegan. Zum Vergleich: Noch 2008 gaben bei der Nationalen Verzehrsstudie II weniger als 80.000 Menschen an, sich vegan zu ernähren.

Veganismus hat angesichts des Klimawandelns, steigender Bevölkerungszahlen und anderen Faktoren eine unbedingte Daseinsberechtigung. Denn häufig können pflanzliche Lebensmittel ressourcenschonender produziert werden, sparen CO2 und Wasser ein. Es ist übrigens ein moderner Mythos, dass für den Tofu Burger Regenwälder abgeholzt werden. Denn tatsächlich landet das meiste weltweit angebaute Soja in den Futtertrögen. 70 bis 75 Prozent der weltweiten Sojaernte sind für die industriellen Fleischproduktion bestimmt. Tatsächlich stammen die Sojabohnen für den menschlichen Verzehr überwiegend aus Europa und Kanada und für das Tofuwürstchen wird somit kein Regenwald abgeholzt.

„Aber wenn du jetzt nur noch diese Wurst isst, musst du aufpassen, dass du keine Mangelerscheinungen bekommst“, feixt meine Oma lachend Richtung Opa. Ein Thema, mit dem Veganer:innen sich immer wieder konfrontiert sehen und das man durchaus (unabhängig der eigenen Diät) immer Ernst nehmen sollte. Tatsächlich ist es so, dass über die vegane Ernährung oftmals nicht genug Vitamin B12 aufgenommen wird. Dieses kann man aber sehr leicht supplementieren. Das ist dann aber häufig das Totschlagargument gegen den Veganismus – Stichwort: unnatürlich! Eigentlich könnten wir B12 über Obst und Gemüse aufnehmen, denn die Böden waren mal voll mit den Bakterien, die B12 produzieren. Durch ausgelaugte Böden und einer sterileren Umwelt können wir B12 aber nicht mehr über diesen natürlichen Weg bekommen. Das gilt übrigens für Tiere genauso, denn das B12, das man über Fleisch zu sich nimmt, wird häufig auch einfach supplementiert.

„Übrigens, die Schwarzwälder Kirschtorte eben war auch vegan!“, überrascht meine Mutter den halben Tisch. „Das glaube ich nicht!“, entgegnet mein Opa schon fast entsetzt. „Hättest du das vorher gesagt, hätte ich wohl nicht probiert. Die war aber echt lecker. Machst du die nochmal?“ Essgewohnheiten sind letztlich auch nur Gewohnheiten. Häufig spielen unsere Gedanken und Emotionen dabei eine wichtige Rolle. Im Bezug auf pflanzliche Kost muss man sich vielleicht manchmal überraschen lassen, auch mal etwas Neues ausprobieren und andere Wege einschlagen. Denn das Schöne dabei ist, vegane Ernährung tut wirklich niemandem weh – weder Tier, noch Mensch. 

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