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SOZIALE VERANTWORTUNG

Und, wie geht es Ihren Sklav*innen?

Sie haben richtig gelesen: Sie, wir alle leben auch auf Kosten von Sklaven. Sklaverei ist, gleichwohl kein Staat dieser Welt sie mehr erlaubt, noch immer Alltag für mehr als 40 Millionen Menschen weltweit. Selbst hier in Deutschland leben derzeit fast 167.000 Menschen unter uns als Sklaven oder in sklavenähnlichen Verhältnissen. 

Die sogenannte moderne Sklaverei ist ein Thema, über das wir dringend sprechen müssen – gerade jetzt im Advent und zu Weihnachten. Ist dies doch die Zeit, in der wir Deutschen Nächstenliebe wie sonst nie leben.

Was ist moderne Sklaverei?

Der Begriff moderne Sklaverei steht für verschiedene Formen von Sklaverei, die nach wie vor praktiziert werden. Ihnen allen gemein sind drei Kriterien: Sklav*innen

• werden mit Gewalt kontrolliert.
• verlieren ihren freien Willen infolge von Gewalt oder Manipulation. 
• werden wirtschaftlich ausgebeutet.

Laut dem Global Slavery Index (GSI) sind Menschenhandel, Sklaverei und der Sklaverei ähnliche Praxen (Schuldknechtschaft, Zwangsheirat, Verkauf oder Ausbeutung von Kindern) sowie Zwangsarbeit Formen moderner Sklaverei.

Was macht uns zu Menschen, die auf Kosten von Sklaverei leben?

Ihr Leben als Sklavin oder Sklave ist heute nicht minder entwürdigend als das der Sklav*innen in den vergangenen Jahrhunderten. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) nennt konkrete Beispiele für heutige Sklaverei rund um den Globus: Traditionelle Sklaverei gebe es demnach in Mauretanien oder im Sudan, massive illegale Ausbeutung fände in Brasilien oder China statt. Hinzu kämen der weltweite illegale Menschenhandel, die sogenannte Sexsklaverei, Kindersklaverei und neue Formen der Kontraktsklaverei vor allem in den Golfstaaten. Sogar neue Formen der Opfersklaverei (Organhandel und Schlimmeres) und der sexuellen Ausbeutung über das Internet seien gegenwärtig. 

Was hat die moderne Sklaverei mit Ihnen, mit uns allen hier in Deutschland zu tun? Ein Großteil der Sklav*innen weltweit, Erwachsene wie Kinder, erarbeiten unter Zwang, also in Unfreiheit, was wir in unserer freien Wohlstandsgesellschaft im Überschuss konsumieren. Unser unersättlicher Konsum macht einen großen Teil moderner Sklaverei erst möglich. 

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Ein Beispiel von vielen: Die köstliche Weihnachtsschokolade, die wir dieser Tage essen, wird auch aus Kakaobohnen gemacht, die Kinder ernten. So sollen Kakaofarmer in Ghana und der Elfenbeinküste, zwei Länder, die 70 Prozent des weltweiten Kakaos produzieren, trotz offiziellem Verbot Kinder für sich arbeiten lassen, allein in Ghana aktuell etwa eine Million – darunter Fünfjährige2.

Was können wir gegen moderne Sklaverei tun?

Der erste Schritt zur Abschaffung der modernen Sklaverei wäre, dass wir uns unserer Mitverantwortung bewusst werden und als Konsumenten mit Herz und Verstand handeln. Indem wir einerseits unseren Konsum konsequent einschränken (das käme auch dem Weltklima zugute!) und andererseits informiert auf die von Sklavenarbeit freie Herkunft der dann nur noch nötigen Konsumgüter achten und bereit sind, diese auch zu einem höheren Preis zu kaufen, verringern wir die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, die aus Sklaverei stammen, enorm.

Zudem können wir alle gezielt etwas gegen die Armut in der Welt unternehmen. Das ist nötig, weil Sklaverei vor allem arme Menschen trifft, die sowieso kaum Zugang zu den gesellschaftlichen Ressourcen haben. Es mangelt ihnen zudem am Rechtsschutz, wie er für uns in Deutschland selbstverständlich ist. Deshalb sind diese Menschen Gewalt und Ausbeutung besonders ausgeliefert. Mit Ihrer Spende an eine der vielen Organisationen, die sich gegen Armut, Sklaverei und Kindersklaverei wenden, können Sie den Status eines Menschen von versklavt auf frei wechseln. Dazu müssen Sie wissen, dass für jeden von uns etwa 60 Sklav*innen weltweit arbeiten.  


1) Global Slavery Network – https://www.globalslaveryindex.org/2018/data/maps/#prevalence
2) Tagesschau – https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/keine-schokolade-ohne-kinderarbeit-101.html
3) IAO – https://www.ilo.org/berlin/arbeitsfelder/kinderarbeit/WCMS_546555/lang–de/index.htm
4) International Justice Mission Deutschland e.V. – https://paragonn-cdn3.ams3.digitaloceanspaces.com/ijm-deutschland.de/documents/Wirkungsberichte/IJM-Wirkungsbericht-2020-21.pdf

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Chancen für alle

Einfach da sein, wo man gebraucht wird

Eine Gemeinschaft funktioniert nur, wenn Menschen sich engagieren. Das erlebt man nicht nur in Kirchengemeinden, das gilt für jede Gemeinschaft.

Michael Babel

Pfarrer

Stell dir vor, du hast einen Unfall auf der Landstraße und musst aus deinem Auto gerettet werden. Die ersten Helferinnen und Helfer sind oft die freiwilligen Feuerwehren und Sanitäter, die ihre Arbeit ehrenamtlich machen.

Nachhilfe für Kinder, die fliehen mussten und jetzt Deutsch lernen, Trainerinnen und Trainer in den Sportvereinen oder Besuchsdienste im Altenheim. All diese Menschenstellen ihre Freizeit der Gemeinschaft zur Verfügung. Ob dieses Amt ihnen Ehre einbringt, ist den helfenden Händen und Herzen oft egal. Sie wollen helfen, zuhören, etwas zurückgeben. Einfach da sein, wo man gebraucht wird. Sichtbar und unsichtbar.

In meiner Gemeinde gibt es viele dieser Ehrenamtlichen. Im Kindergottesdienst, Kirchenchor oder einfach nur Tische für das Gemeindefest aufstellen. Ohne deren Unterstützung geht nichts, da kann ich als Pfarrer noch so gute Ideen haben. Eine Gemeinde, jede Gemeinschaft, geht nicht ohne diese modernen Engel.

Zum Glück gibt es sie noch, die mit Mut und Hoffnung ihr Ehrenamt ausführen. Diejenigen, die sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen.

Leider scheinen sich aber immer weniger für das Ehrenamt zu begeistern. Es fehlen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich zur Gemeinderatswahl aufstellen lassen und auch mancher Fußballverein hat nicht mehr für jede Mannschaft einen Jugendtrainer.

Auch wenn es oft viel Zeit, Energie und Aufwand kostet, sich für einen Dienst an der Gemeinschaft aufzuraffen, es kommt viel zurück. Wer sich jetzt denkt „Na los, ich wollte da schon immer helfen“, nur Mut!

Die Welt braucht dich, genau dich.

Du hast Fähigkeiten, mit denen du die Welt besser machen kannst. Wenn jede und jeder nur ein bisschen sich einbringt, ist das schon so viel.

Eine Gemeinde, jede Gemeinschaft, geht nicht ohne diese modernen Engel.

Und wenn du das nächste Mal jemanden bei seiner ehrenamtlichen Arbeit siehst, einfach einmal Danke sagen. Danke für die Zeit, die du schenkst, danke für deinen Idealismus, deine gegebene Liebe und dein Ehrenamt. Du machst das toll.

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