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Soziale Verantwortung

Mit Spenden solidarisch sein

Foto: onot via shutterstock

Interview mit Burkhard Wilke.

Burkhard Wilke

Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen

Herr Wilke, das DZI hat fast 130 Jahre Erfahrung in der Spenderberatung. Ist das Spenden auch heute noch zeitgemäß oder eher ein „Auslaufmodell“?

Das Spenden von Geld, Zeit und Sachen ist zwar eine sehr traditionsreiche, aber nichtsdestotrotz auch heute noch sehr zeitgemäße Methode. Da geht es keineswegs „nur“ um Almosen für Bedürftige, sondern um Klimaschutz,

Menschenrechte, Meinungsfreiheit, professionelle Katastrophenhilfe und wirkungsvolle Entwicklungszusammenarbeit. Das Spenden ist gewissermaßen das „Spielbein“ des gesellschaftlichen Engagements der Bürgerinnen und Bürger. Das ist sehr zeitgemäß und interessiert auch einen großen Teil der jungen Generation.

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Wie sollte man seine Spendenentscheidung organisieren?

Überlegen Sie zunächst in Ruhe, welchem Thema Sie sich persönlich besonders nahe fühlen. Denn da fällt Ihnen die Entscheidung auch leichter. Dann sollten Sie schauen, ob es eine entsprechende Organisation in Ihrem direkten Umfeld gibt, die Sie persönlich kennen und der Sie vertrauen, und ob die Organisation das DZI-Spenden-Siegel trägt.

Was sagt denn das Spendensiegel aus?

Das Spenden-Siegel stellt sicher, dass Leitung und Aufsicht wirksam aufgestellt und klar voneinander getrennt sind, die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit klar, eindeutig und überwiegend sachlich gestaltet ist, die Mittel wirksam, wirtschaftlich und sparsam eingesetzt werden, der Jahresabschluss aussagekräftig ist und unabhängig geprüft wird, die Gehälter angemessen sind und umfangreiche Mindestinformationen im Jahresbericht sowie auf der Website veröffentlicht werden.

Ist es ein schlechtes Zeichen, wenn eine Organisation das DZI-Siegel nicht trägt?

Nein, nur muss man dann eben selbst viel genauer hinschauen. Wir haben aber gerade in unserem neuen „Spendenmagazin“ sieben Tipps für einen „Selbstcheck zum Spenden“ veröffentlicht, die die „Do it yourself“-Überprüfung erleichtern.

Und worum geht es bei diesen Tipps?

Erstens: Besonders sicher ist man bei Hilfswerken, die man persönlich kennt oder die das DZI-Siegel tragen.

Zweitens: Beachten Sie die negativen Bewertungen auf www.dzi.de und die Sammlungsverbote der in Deutschland einzigartigen staatlichen Sammlungsaufsicht in Rheinland-Pfalz, nachzulesen auf der Website www.add.rlp.de.

Drittens: Es ist positiv, wenn die Organisation einem Dachverband mit eigenem Verhaltenskodex angehört, wie zum Beispiel dem entwicklungspolitischen Dachverband VENRO, oder die Selbstverpflichtung der Initiative Transparente Zivilgesellschaft unterzeichnet hat.

Viertens: Achten Sie darauf, dass die Organisation als steuerbegünstigt anerkannt ist.

Fünftens: Spenden Sie nicht an Hilfswerke, deren Werbung Sie als unangemessen drängend empfinden.

Sechstens: Auf der Website sollte ein aussage- kräftiger Jahresbericht abrufbar sein.

Siebtens: Seriöse Organisationen haben ein umfangreiches Netzwerk und kompetente Partner und machen diese auf ihrer Website auch publik.

Auch unter den nachweislich guten Organisationen fällt die Auswahl schwer. Wie soll ich mich da entscheiden?

Verzetteln Sie sich nicht. Konzentrieren Sie Ihre Spenden auf wenige Organisationen. Das erleichtert Ihnen die Seriositätsprüfung und reduziert die Verwaltungsaufwendungen und zugleich die Werbepost in Ihrem Briefkasten .

Information

Das Geldspendenvolumen privater Haushalte in Deutschland lag nach Berechnungen des DZI 2018 bei rund 8,3 Mrd. Euro. Für 2019 ermittelt eine Umfrage des Deutschen Spendenrats e.V. in Zusammenarbeit mit GfK ein leichtes Minus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Anzahl der Spendenden geht allerdings weiter zurück. Klassische Geldspenden tätigen nur noch 15,7 Millionen Menschen.
Die durchschnittliche Spende liegt bei 35 Euro.
Die Spendenhäufigkeit erreicht im aufgelaufenen Jahr einen neuen Höchstwert. Knapp sechs Mal pro Jahr wird gespendet.
Den höchsten Anteil am Spendenvolumen insgesamt hat mit 75,3 Prozent weiterhin die humanitäre Hilfe.
Spenden flossen zu 38 Prozent in internationale Projekte. Spenden an Projekte im Inland liegen bei 62 Prozent.
Quelle: GfK und Deutscher Spendenrat e.V.

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