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Wo das Elend zum Alltag gehört, wo das Einkommen oft nicht einmal für eine warme Mahlzeit am Tag reicht, ist ein Arztbesuch unerschwinglicher Luxus. Millionen Menschen in den Armutsregionen der Welt bleibt eine medizinische Grundversorgung verwehrt. Ihnen bieten die ehrenamtlich arbeitenden German Doctors kostenfrei ärztliche Hilfe an. Die Corona-Pandemie hat die Lebenssituation dieser Menschen weiter verschlechtert.

8 Uhr morgens vor der Slumklinik Baraka in Nairobis Mathare Valley, einem der größten Elendsviertel in Kenias Hauptstadt. Viele Menschen stehen schon seit vielen Stunden vor der Klinik und warten, bis die Türen der German Doctors öffnen und sie vorsprechen können. Täglich werden hier 200 bis 250 Patientinnen und Patienten in der allgemeinen Ambulanz, in der Tuberkulose- und HIV/AIDS-Klinik versorgt. Die Klinik der deutschen Hilfsorganisation existiert bereits seit 1997 und genießt einen sehr guten Ruf.

Knochenbrüche, Verbrennungen, Infekte und Entzündungen, aber auch chronische Erkrankungen – die Menschen kommen mit den unterschiedlichsten Gesundheitsproblemen hierher und werden behandelt. Einheimische Clinical Officer, eine kenianische Ärztin, Schwestern, Pflegepersonal, Übersetzerinnen und Übersetzer arbeiten hier Hand in Hand mit den ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzten aus Deutschland zusammen. Patientinnen und Patienten die vollkommen mittellos sind, werden kostenlos behandelt; alle anderen zahlen einen kleinen Obolus.

© German Doctors


Die Corona-Pandemie hat die Situation der Menschen hier dramatisch verschlechtert: Tagelöhner, Hausangestellte und viele Menschen in prekären Beschäftigungen haben ihre Jobs verloren und finden keine neue Arbeit. Schulen, in denen die Kinder zumindest eine warme Mahlzeit am Tag erhielten, waren lange Zeit geschlossen. Es werden seither mehr unterernährte Kinder in die Slumklinik gebracht, die Nachfrage nach Unterstützung ist im Ernährungszentrum seit Ausbruch der Pandemie explosionsartig angestiegen. Während des harten kenianischen Lockdowns 2020 versorgten die Mitarbeitenden hier 800 Menschen mit einer gekochten Mahlzeit pro Tag – vor der Pandemie waren es maximal 300. Zusätzlich wurden seither über 7.500 Lebensmittelpakete verteilt, da der Bedarf nach Unterstützung noch größer war. Dass nun auch Männer ins Zentrum kommen und um Nahrung bitten, sei ein schlechtes Zeichen, sagt Samira Nassir, Mitarbeitende des Ernährungszentrums alarmiert. Denn sie sind es, die in den Familien traditionell als erste versorgt werden.

© German Doctors

Auch die neunjährige Abby* und ihr kleiner Bruder Taypo* hatten großen Hunger. Die Mutter der beiden fand – wie so viele – seit Beginn der Pandemie keine Arbeit mehr. Ihre Großmutter wurde zur einzigen Verdienerin, aber das Geld reichte kaum fürs Allernötigste. „Wir sind so dankbar, dass uns die German Doctors in dieser schlimmen Lage unterstützt haben“, sagt die Mutter. Noch immer versorgt die Hilfsorganisation in Nairobi durchschnittlich 450 Menschen mit einer warmen Mahlzeit am Tag und auch Lebensmittelpakete werden weiterhin ausgegeben. Und diese Hilfe wird erst einmal weitergehen.

*Namen geändert

Über German Doctors e.V.

Die international tätige Nichtregierungsorganisation entsendet Ärztinnen und Ärzte zu ehrenamtlichen Hilfseinsätzen in medizinisch unterversorgte Gebiete, vorwiegend in Ländern des Globalen Südens. Sie versorgen Menschen am Rande der Gesellschaft basismedizinisch, und sie bilden lokale Gesundheitskräfte aus. Seit Gründung des Vereins im Jahr 1983 leisteten circa 3.500 German Doctors rund 7.600 Einsätze in 12 verschiedenen Ländern. Um weiterhin für die Patientinnen und Patienten da sein zu können, ist die Organisation auf Spenden angewiesen. Die Gelder benötigen sie für Medikamente, Verbandsmittel, Mieten für die Ambulanzen und Krankenhäuser, den Betrieb der Ambulanzfahrzeuge, für Mahlzeiten und vieles mehr.

Spendenkonto:
Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE26 5502 0500 4000 8000 20
Stichwort: „Gesundheit schenken“

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SOZIALE VERANTWORTUNG

„Mein Einsatz im Jemen war herausfordernd und bewegend“, sagt Annette Werner. Die Kinderärztin von Ärzte ohne Grenzen berichtet über eine Flut, den Krieg und Definitionen, die ins Wanken gerieten:

Sieben Monate arbeitete ich im Jemen. Die letzten Wochen waren dabei besonders fordernd und berührend. Es gab starke Regenfälle und Überschwemmungen. Eines Abends wurde die Tür unserer Notaufnahme aufgestoßen: Ein Vater trug seinen achtjährigen Sohn herein.

Ich durfte den Zauber des Lebens wieder wahrnehmen!– Annette Werner

Die Eltern hatten ihn ertrinkend in den Fluten gefunden. Er war bewusstlos und stark unterkühlt. Wir begannen direkt mit der Stabilisierung: Aufwärmen, Krämpfe kontrollieren, Kreislauf stabilisieren, Atemweg sichern. Es war extrem kompliziert, doch es gelang uns. Nach zwei Stunden ging es dem Jungen besser, und wir verlegten ihn ins größere Krankenhaus nach Sanaa. Vier Tage später wurde er entlassen. Lachend und gesund. Einer meiner schönsten Momente.

Kleine medizinische Wunder

Doch der Regen war nur eine von vielen Katastrophen im Jemen: Krieg, Armut, hohe Kindersterblichkeit. 20 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Ärzte ohne Grenzen ist seit Jahren vor Ort. Durch überschwemmte Wege und anhaltende Benzinblockaden brauchten manche Patient*innen zwei Wochen, bis sie uns erreichten – viel zu lange, viel zu spät.

„Hajdan ist ein Bergdorf nahe der Front. Immer wieder hörten wir die Kampfflugzeuge“, sagt Annette Werner.
(Foto: Agnes Varraine-Leca/MSF)

Zahlreiche Kinder kamen mit schweren Infektionen und Mangelernährung in unser Krankenhaus. Sie waren teilweise so schwer erkrankt, dass die medizinische Notversorgung zu einem Drahtseilakt wurde. Wir legten all unsere Energie in diese Kinder, um jede noch so kleine Chance zu nutzen und erlebten mehr als ein Mal kleine medizinische Wunder. In diesen Stunden wurde mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich die Lebensbedingungen in unserer Welt doch sind.

Wenn Neugeborene lächeln

Gesundheit ist ein so wertvolles Gut. Ich bin froh, dass ich mit Ärzte ohne Grenzen, meinen Beitrag dazu leisten konnte, den Menschen an schwer erreichbaren Krisenorten zu helfen. Ich habe im Jemen viel gelernt. Zum Beispiel auch an Wunder in der harten Realität zu glauben, und den Zauber des Lebens wieder wahrnehmen zu dürfen.

JEMEN:  „Die Kindersterblichkeit im Land ist hoch, doch wir können mit einfachen Mitteln helfen“, sagt Annette Werner von Ärzte ohne Grenzen. (Foto: MSF)

Mein jemenitischer Kollege Maged fragte mich einmal, was wir in Deutschland sagen, wenn Neugeborene lächeln. Ich ratterte meine erlernte Definition herunter: „Spontanes Reflexlächeln, nicht emotional verknüpft etc. …“ Daraufhin lächelte Maged und sagte: „Also wir sagen hier, dass die Engel aus dem Himmel herunterkommen und mit den Neugeborenen spielen – und dann lächeln sie.“ So bewegend – wie mein gesamter Einsatz im Jemen.

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