Home » SOZIALE VERANTWORTUNG » 3. DEZEMBER: Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung
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Am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, der seit 1993 jedes Jahr am 3. Dezember begangen wird, sollen die Menschen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden, die weltweit mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung leben. Auch die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe nimmt diesen Tag zum Anlass, um die öffentliche Wahrnehmung auf die besonderen Belange und Rechte von Menschen mit Behinderung zu lenken.

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Den Vereinten Nationen (UN) zufolge leben weltweit rund 1,5 Milliarden Menschen mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung. Mit ihrem „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“, das 2008 in Kraft getreten ist, hat die UN offiziell festgeschrieben, dass keiner von ihnen benachteiligt werden darf. Über 90 Prozent der UN-Mitgliedsstaaten – darunter auch Deutschland – haben sich in den darauffolgenden Jahren durch ihre Ratifizierung dieser Resolution dazu verpflichtet, für Menschen mit Behinderung ein selbst­bestimmtes, unab­hängiges Leben zu gewähr­leisten und ihre speziellen Bedürf­nisse im Rahmen einer „inklusiven Entwicklung“ zu berück­sichtigen.

Auch bei den nachhaltigen Entwicklungszielen der Agenda 2030 (Sustainable Development Goals, SDGs), die im Jahr 2015 von den UN verabschiedet wurden, kommt Menschen mit Behinderung eine besondere Bedeutung zu: Dem zentralen Motto „leave no one behind“ („Niemanden zurücklassen“) folgend, fordern sie die volle Partizipation dieser und anderer benachteiligten Gruppen.

Die DAHW finanziert inklusive Schulen und Berufsbildungszentren, wie diese in Shashamene, Äthiopien. Foto: Laura Lewandowski

Mehr als Integration

Doch sogar in Ländern mit hohem Bildungsstand und funktionierenden Sozialsystemen sind die Rechte von Menschen mit Behinderung von der Umsetzung entfernt. Nach wie vor sind Millionen Betroffene von einer gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben ausgeschlossen. Darunter auch vier Millionen Menschen, die infolge einer Lepra-Erkrankung mit einer Behinderung leben.

Sie haben in besonderer Weise mit Diskriminierung und Stigmatisierung zu kämpfen – selbst wenn die eigentliche Erkrankung längst geheilt ist. Sie vollständig in ihre Gemeinschaften zu (re-)integrieren, ihrer Ausgrenzung entgegenzuwirken und ihnen die volle Partizipation zu ermöglichen, ist der DAHW von Gründung an ein wichtiges Anliegen. Die DAHW setzt sich für alle Menschen mit Behinderung ein – unabhängig von der Ursache.

Durch die DAHW erhalten Menschen mit Behinderung Zugang zu Hilfsmitteln, Gesundheits- und Rehabilitationsdiensten. Foto: Mario Schmitt

DIE INKLUSIONSARBEIT DER DAHW

Empowerment von Menschen mit Behinderung auf drei Ebenen

Um die vielfältigen Barrieren abzubauen, die Menschen mit Behinderung an der vollen Partizipation hindern, darf Behinderung nicht als ein Problem des Individuums verstanden werden, sondern vielmehr als Folge von umweltbedingten und sozialpolitischen Umständen, die Bedürfnisse und Belange von Menschen mit Behinderung nicht gleichberechtigt und inklusiv berücksichtigen.

Ein entscheidender Perspektivwechsel, der heute Grundlage aller Programme und Projekte der DAHW ist. Im Fokus steht das Empowerment (die Selbstermächtigung) von Menschen mit Behinderung, damit sie ihre eigenen Interessen in ihren Gemeinschaften und Gesellschaften eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt vertreten können. Dazu setzt die DAHW auf drei Ebenen an (siehe Grafik).

Über die DAHW

Im Jahr 1957 in Würzburg von einem Journalisten als Lepra-Hilfswerk gegründet, unterstützt die DAHW heute rund 80 Programme und Projekte in mehr als 20 Ländern, um armutsbedingte und vernachlässigte Krankheiten in Afrika, Asien und Lateinamerika zu bekämpfen und die Gesundheits- und Lebenssituation der betroffenen Menschen langfristig zu verbessern. Dazu fördert die Organisation Forschungsprojekte sowie die Aus-und Weiterbildung von medizinischem Fachpersonal und Gemeindehelfer*innen. Sie liefert die technische Ausstattung für Krankenhäuser und Labore und ist in der Fallfindung, Diagnose und Behandlung von Betroffenen aktiv. Darüber hinaus wirkt sie mit Aufklärungskampagnen der Ausbreitung von Infektionskrankheiten und dem Stigma von armutsassoziierten Krankheiten entgegen.

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SOZIALE VERANTWORTUNG

„Mein Einsatz im Jemen war herausfordernd und bewegend“, sagt Annette Werner. Die Kinderärztin von Ärzte ohne Grenzen berichtet über eine Flut, den Krieg und Definitionen, die ins Wanken gerieten:

Sieben Monate arbeitete ich im Jemen. Die letzten Wochen waren dabei besonders fordernd und berührend. Es gab starke Regenfälle und Überschwemmungen. Eines Abends wurde die Tür unserer Notaufnahme aufgestoßen: Ein Vater trug seinen achtjährigen Sohn herein.

Ich durfte den Zauber des Lebens wieder wahrnehmen!– Annette Werner

Die Eltern hatten ihn ertrinkend in den Fluten gefunden. Er war bewusstlos und stark unterkühlt. Wir begannen direkt mit der Stabilisierung: Aufwärmen, Krämpfe kontrollieren, Kreislauf stabilisieren, Atemweg sichern. Es war extrem kompliziert, doch es gelang uns. Nach zwei Stunden ging es dem Jungen besser, und wir verlegten ihn ins größere Krankenhaus nach Sanaa. Vier Tage später wurde er entlassen. Lachend und gesund. Einer meiner schönsten Momente.

Kleine medizinische Wunder

Doch der Regen war nur eine von vielen Katastrophen im Jemen: Krieg, Armut, hohe Kindersterblichkeit. 20 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Ärzte ohne Grenzen ist seit Jahren vor Ort. Durch überschwemmte Wege und anhaltende Benzinblockaden brauchten manche Patient*innen zwei Wochen, bis sie uns erreichten – viel zu lange, viel zu spät.

„Hajdan ist ein Bergdorf nahe der Front. Immer wieder hörten wir die Kampfflugzeuge“, sagt Annette Werner.
(Foto: Agnes Varraine-Leca/MSF)

Zahlreiche Kinder kamen mit schweren Infektionen und Mangelernährung in unser Krankenhaus. Sie waren teilweise so schwer erkrankt, dass die medizinische Notversorgung zu einem Drahtseilakt wurde. Wir legten all unsere Energie in diese Kinder, um jede noch so kleine Chance zu nutzen und erlebten mehr als ein Mal kleine medizinische Wunder. In diesen Stunden wurde mir immer wieder bewusst, wie unterschiedlich die Lebensbedingungen in unserer Welt doch sind.

Wenn Neugeborene lächeln

Gesundheit ist ein so wertvolles Gut. Ich bin froh, dass ich mit Ärzte ohne Grenzen, meinen Beitrag dazu leisten konnte, den Menschen an schwer erreichbaren Krisenorten zu helfen. Ich habe im Jemen viel gelernt. Zum Beispiel auch an Wunder in der harten Realität zu glauben, und den Zauber des Lebens wieder wahrnehmen zu dürfen.

JEMEN:  „Die Kindersterblichkeit im Land ist hoch, doch wir können mit einfachen Mitteln helfen“, sagt Annette Werner von Ärzte ohne Grenzen. (Foto: MSF)

Mein jemenitischer Kollege Maged fragte mich einmal, was wir in Deutschland sagen, wenn Neugeborene lächeln. Ich ratterte meine erlernte Definition herunter: „Spontanes Reflexlächeln, nicht emotional verknüpft etc. …“ Daraufhin lächelte Maged und sagte: „Also wir sagen hier, dass die Engel aus dem Himmel herunterkommen und mit den Neugeborenen spielen – und dann lächeln sie.“ So bewegend – wie mein gesamter Einsatz im Jemen.

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