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RECYCLING & RESSOURCEN

Im Kreislauf gegen Müll

Seit Anfang des Jahres gilt hierzulande das neue Verpackungsgesetz. Ein Stichwort, das dabei immer wieder fällt, ist die Kreislaufwirtschaft. Was unterscheidet sie von früheren Modellen?

In der Vergangenheit wurde häufig eher in einem linearen Modell des Wirtschaftens gedacht. Es zählte primär der Nutzen des Produkts. Dass Ressourcen für seine Produktion endlich waren, wurde kaum berücksichtigt. Bei der Kreislaufwirtschaft geht es heute darum, den Lebenszyklus eines solchen Produktes zu verlängern. Es geht also auch um den Nutzen der Ressourcen. Ziel ist dabei, bereits eingesetzte Stoffe länger und häufiger zu verwenden und sie wieder in den Kreislauf der Produktion zurückzuführen. Idealerweise muss man dann auf die ursprünglichen, fossilen Rohstoffe nicht mehr zurückgreifen. Auch in Deutschland werden bereits genutzte Stoffe zu wenig wiederverwendet beziehungsweise als Sekundärstoffe zurückgewonnen. Die Deutschen sind zwar Weltmeister darin, Müll zu sammeln und zu trennen. Aber die Recylingquoten, also der Anteil am Abfall, der wirklich wieder verwertet wird im Sinne eines Kreislaufs, ist noch zu niedrig. Und das in einem an Rohstoffen eher armen Land.

Welches sind die Faktoren, die zurzeit den Druck zum Handeln erhöhen?

Das EU-Kreislaufwirtschaftspaket und auch das neue Verpackungsgesetz sind relevante regulative Faktoren. Hinzu kommen Veränderungen im Markt. China hat Anfang 2018 ein Importverbot für bestimmte Abfälle verhängt. Bislang galt das Land als wesentlicher Exportmarkt für deutschen Plastikabfall. Künftig muss Deutschland nun mehr Abfall selbst verwerten oder noch besser weniger Abfall verursachen. Die Relevanz des Themas liegt auf der Hand. Experten gehen davon aus, dass im Jahr 2050 mehr Plastik in den Meeren schwimmt als Fische.

Es gibt Forderungen von der Politik, eine größere Bereitschaft bei den Konsumenten, sich umweltgerechter zu verhalten. Gleichzeitig sind es die Unternehmen, vor allem Hersteller von Konsumgütern sowie der Handel, die die erste Quelle für Verpackungsflut sind. Wie können diese im Sinne einer neuen Kreislaufwirtschaft agieren, ohne gleich ihre gesamte Firma auf den Kopf zu stellen?

Es gibt zwei Ansätze. Zum einen können sie in ihrem Unternehmen, sozusagen in den eigenen vier Wänden, schauen, wo es bereits Stellschrauben für Optimierung gibt. Besser als Einzelmaßnahmen ist natürlich, einen ganzheitlichen Ansatz zur Kreislaufwirtschaft zu verfolgen. Geschäftsführer, die schnell konkret etwas umsetzen wollen, sind oft enttäuscht, wenn ich Ihnen rate, sich im ersten Schritt die Datenlage und Kennziffern anzuschauen. Wichtig ist, die Effekte der eigenen Produktion auf die Umwelt in einer gesamten Wertschöpfungskette zu analysieren. Welche wesentlichen ökologischen, aber auch sozialen Auswirkungen hat das eigene Geschäft und haben mögliche Maßnahmen? Erst danach kann man mit gezielten Maßnahmen und Budgets auch wirklich Wirkung erzielen. Oft muss man sogar Prozesse und das eigene Geschäftsmodell hinterfragen. Hilfreich ist, die ganze Kette der Geschäftspartner und Zulieferer an einen Tisch zu bringen. Das kann anstrengend sein. Aber die Kreislaufwirtschaft führt man nicht allein ein.

Gibt es Beispiele im Markt, wo sie bereits erfolgreich umgesetzt wird?

Drogerieketten schließen sich inzwischen für gemeinsame Projekte zusammen. Führende Lebensmittelhändler sagen dem Verpackungsmüll den Kampf an. Auch der Bausektor hat sich der Ressourcennutzung angenommen und die Chemieindustrie hat Anfang des Jahres eine Allianz gegen Plastikmüll ins Leben gerufen. Es gibt also viele Beispiele dafür, wo und wie Industrie und Handel Kreislaufwirtschaft umsetzen. Es gibt aber auch noch viel zu tun. Denn wir brauchen einen umfassenden Ansatz um Innovationen und Nachhaltigkeit wesentlich voranzutreiben.

Gerade Unternehmer scheuen zusätzliche Kosten und fragen verständlicherweise nach den Vorteilen. Welche sind das?

Wenn sie ihre Produktion für die Zukunft gestalten wollen, sollten sie selbst an nachhaltiger Schonung ihrer Ressourcen interessiert sein. Mittelfristig gehen Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft sogar mit einer Kostenreduktion einher, weil Firmen zum Beispiel weniger Material verwenden, zurücknehmen und recyceln. Ihr Umdenken fördert Innovationen. Und Konsumenten und Aktionäre begrüßen und belohnen umweltschonende Ansätze.

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RECYCLING & RESSOURCEN

Verunreinigtes Rezyklat – Herausforderung im Kunststoffkreislauf

Michael Perl

Group Director
Sorting Recycling 

Aus gebrauchtem Kunststoff gewonnenes Rezyklat ist ein wertvolles Material, das in die Fertigung neuer Produkte einfließt. Vorausgesetzt natürlich, die Qualität stimmt. Denn abweichende Kunststoffarten, falsche Farben oder Fremdkörper können die Güte des Rezyklats erheblich beeinträchtigen. Verunreinigungen in Rezyklaten lassen sich grob in drei Klassen einteilen: Fremdkunststoffe, Fehlfarben und Fremdkörper. Damit die Qualität der Rezyklate stimmt, müssen Recyclingunternehmen Kunststoffabfälle sorgfältig sortieren. Bleiben die Verunreinigungen unentdeckt, hinterlassen sie Spuren in den aus Rezyklat neu hergestellten Produkten. Die Konsequenz sind Reklamationen, was weniger Profit bedeutet. Handelt es sich bei den Verunreinigungen um Fremdkörper aus Metall, kann es sogar zu Schäden an den Fertigungsmaschinen kommen. Dadurch entstehen erhebliche Kosten für die kunststoffverarbeitenden Unternehmen.


Material- und Kunststoffarten mit Nahinfrarot-Sensoren erkennen

Verschiedene Kunststoffarten voneinander zu trennen, ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Recyclingprozess. Denn die gesammelten Plastikreste bestehen vielfach aus einem Verbund unterschiedlicher Materialien. Eine sortenreine Sammlung, die Kunststoffe in ihre verschiedenen Arten unterteilt, gibt es in der Regel nicht. Konsumenten wären mit dieser Aufgabe ohnehin überfordert. Aus diesem Grund sind die Hersteller von Rezyklat auf leistungsfähige Sortieranlagen angewiesen. Sie unterscheiden Materialien zuverlässig. Mithilfe der Nahinfrarot-Sensortechnologie sortieren sie in gleichartige Fraktionen. Auch Störstoffe, wie zum Beispiel PVC, werden von den Nahinfrarot-Sensoren erkannt.

Kamerasensoren zur Erkennung von Farben

In Sortiersystemen sind auch Sensoren zur Farberkennung verbaut. Denn Rezyklate einer bestimmten Sorte sollten nicht nur die gleichen Materialeigenschaften haben, sondern auch die gleiche Farbe. Doch Rezyklat in einer einheitlichen Farbe herzustellen, ist anspruchsvoll. Mit Kamerasensoren ausgerüstete Sortiersysteme können Fehlfarben erkennen und aussortieren.

Mit Magneten und induktiven Sensoren Metall ausschleusen

Fremdkörper bilden die dritte Gruppe der Verunreinigungen. Dabei sind Metallteilchen eine der häufigsten Ursachen für verunreinigtes Rezyklat. Das können Verschlusskappen, Klammern, Federn oder andere winzige Gegenstände sein. Obwohl sie kaum zu erkennen sind, können sie großen Schaden anrichten. Metallische Fremdkörper geraten an allen Stationen der Kreislaufwirtschaft in den Kunststoffabfall – zum Beispiel durch Fehlwürfe und falsches Sortieren. Gegenmittel sind induktive Metalldetektoren und Magnetsysteme, die diese Fremdkörper erkennen und ausschleusen.

Den gesamten Prozess im Blick

Mit aufeinander abgestimmten Sortier-, Herstellungs- und Verarbeitungsprozessen lassen sich besonders gute Ergebnisse erzielen. Schlussendlich kommt es im gesamten Prozess darauf an, ein Rezyklat herzustellen, das zweckgemäß und profitabel eingesetzt werden kann. Michael Perl, Group Director Sorting Recycling bei Sesotec, fasst zusammen: „Der Wille und die Bereitschaft der gesamten Kette – vom Gesetzgeber über Hersteller und Handel bis zum Verbraucher – sind nötig, damit Kreislaufwirtschaft nachhaltig profitabel wird. Denn nur aus besonders hochwertigem Material können zum Beispiel wieder neue Lebensmittelverpackungen entstehen.“

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