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RECYCLING & RESSOURCEN

Fahrzeugrecycling: Verwertungsnachweise sind der Schlüssel zum Erfolg

Die amtlichen Statistiken zeigen, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Recyclingquoten eingehalten werden. In Deutschland sind über 1.000 anerkannte Demontagebetriebe offiziell registriert und werden jährlich von neutralen Sachverständigen zertifiziert. Doch kein Zertifikat hilft gegen fehlende Gesetze.  

Fahrzeugrecycling, auch Autoverwertung genannt, beschreibt den Prozess der Entsorgung von Kraftfahrzeugen und daraus erfolgender Rohstoffrückgewinnung. Verunfallte, alte oder defekte Fahrzeuge, deren Reparatur nicht mehr wirtschaftlich ist, und Fahrzeuge, die nicht mehr verkehrssicher sind, werden in der Regel von einem lokalen Autoverwertungsbetrieb angenommen, angekauft und schließlich verschrottet.

Die Altfahrzeugverordnung verpflichtet inzwischen die Autohersteller zur Rücknahme der Fahrzeuge. Dazu werden die angenommenen Fahrzeuge begutachtet und der entsprechende Entsorgungsnachweis ausgestellt. Die Fahrzeuge werden dann trockengelegt und von umweltgefährdenden Betriebsstoffen befreit, danach folgt die Neutralisation der pyrotechnischen Einheiten wie Airbags oder Gurtstraffer.

Nächster Schritt ist dann der Ausbau und die Lagerung verkaufsfähiger Gebrauchtteile. Auch die Innenausstattung, wie Sitze, Ablagen, Türverkleidungen, und Karosserieteile, wie Hauben und Türen, oder die Elektroausstattung werden zum Verkauf ausgebaut und eingelagert. Oftmals werden vom Verwertungsbetrieb jedoch nur die großen Aggregate ausgebaut. Weitere Ausbauten überlässt man dann den teilekaufwilligen Kunden. 

Lücken in der Verwertungskette

Diese recht hochwertige Verwertungskette hält laut der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e. V.  (BDSV) jedoch immer Lücken bereit. Hintergrund dafür ist auch die juristische Definition eines Altfahrzeugs in Abgrenzung zum Gebrauchtwagen. Im Zweifel wird statt der Verwertung eines Altfahrzeugs ein Gebrauchtwagen „gehandelt“.

Für diesen Handel gelten die strengen Umweltauflagen nicht. Nach Expertenschätzung dürfte das Altfahrzeugpotenzial in Deutschland zwischen ein bis anderthalb Millionen Stück liegen. Tatsächlich verwertet wurden in den letzten Jahren jeweils weniger als die Hälfte. Laut BDSV liegt ein entscheidender Grund für den Missstand in einer beharrlichen Weigerung der Straßenverkehrsbehörden, die Verwertungsnachweise sachgerecht zu prüfen.

Der Gesetzgeber hat dieses Instrument ausgewählt, um die Verwertungskette, die detaillierte Überlassungspflichten der Beteiligten (§ 4 AltfahrzeugV) enthält, überwachen zu können. 

Autorecycling auf der IFAT

Mit dem schwierigen Thema Abgrenzung Altfahrzeug gegen Gebrauchtwagen beim Export (Verbringung) befasst sich nun auch die IFAT, die vom 5. bis 9. Mai 2014 auf dem Münchner Messegelände stattfindet. Denn die Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft erweitert ihr Portfolio an Sonderschauen um das Thema „Autorecycling“. Organisiert wird die Veranstaltung vom BDSV. 

Auf der Demonstrationsfläche im Freigelände wird es nach der Konzeption der Organisatoren diverse praktische Vorführungen zur Lagerung, Trockenlegung, Schadstoffentfrachtung, Zerkleinerung und Beförderung von Fahrzeugen geben. Die Anforderungen an die Altfahrzeugverwertung sind in der Altfahrzeugverordnung detailliert beschrieben. Zuschauer sollen die Möglichkeit erhalten, die praktische Umsetzung unmittelbar mitzuerleben. 

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Verunreinigtes Rezyklat – Herausforderung im Kunststoffkreislauf

Michael Perl

Group Director
Sorting Recycling 

Aus gebrauchtem Kunststoff gewonnenes Rezyklat ist ein wertvolles Material, das in die Fertigung neuer Produkte einfließt. Vorausgesetzt natürlich, die Qualität stimmt. Denn abweichende Kunststoffarten, falsche Farben oder Fremdkörper können die Güte des Rezyklats erheblich beeinträchtigen. Verunreinigungen in Rezyklaten lassen sich grob in drei Klassen einteilen: Fremdkunststoffe, Fehlfarben und Fremdkörper. Damit die Qualität der Rezyklate stimmt, müssen Recyclingunternehmen Kunststoffabfälle sorgfältig sortieren. Bleiben die Verunreinigungen unentdeckt, hinterlassen sie Spuren in den aus Rezyklat neu hergestellten Produkten. Die Konsequenz sind Reklamationen, was weniger Profit bedeutet. Handelt es sich bei den Verunreinigungen um Fremdkörper aus Metall, kann es sogar zu Schäden an den Fertigungsmaschinen kommen. Dadurch entstehen erhebliche Kosten für die kunststoffverarbeitenden Unternehmen.


Material- und Kunststoffarten mit Nahinfrarot-Sensoren erkennen

Verschiedene Kunststoffarten voneinander zu trennen, ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Recyclingprozess. Denn die gesammelten Plastikreste bestehen vielfach aus einem Verbund unterschiedlicher Materialien. Eine sortenreine Sammlung, die Kunststoffe in ihre verschiedenen Arten unterteilt, gibt es in der Regel nicht. Konsumenten wären mit dieser Aufgabe ohnehin überfordert. Aus diesem Grund sind die Hersteller von Rezyklat auf leistungsfähige Sortieranlagen angewiesen. Sie unterscheiden Materialien zuverlässig. Mithilfe der Nahinfrarot-Sensortechnologie sortieren sie in gleichartige Fraktionen. Auch Störstoffe, wie zum Beispiel PVC, werden von den Nahinfrarot-Sensoren erkannt.

Kamerasensoren zur Erkennung von Farben

In Sortiersystemen sind auch Sensoren zur Farberkennung verbaut. Denn Rezyklate einer bestimmten Sorte sollten nicht nur die gleichen Materialeigenschaften haben, sondern auch die gleiche Farbe. Doch Rezyklat in einer einheitlichen Farbe herzustellen, ist anspruchsvoll. Mit Kamerasensoren ausgerüstete Sortiersysteme können Fehlfarben erkennen und aussortieren.

Mit Magneten und induktiven Sensoren Metall ausschleusen

Fremdkörper bilden die dritte Gruppe der Verunreinigungen. Dabei sind Metallteilchen eine der häufigsten Ursachen für verunreinigtes Rezyklat. Das können Verschlusskappen, Klammern, Federn oder andere winzige Gegenstände sein. Obwohl sie kaum zu erkennen sind, können sie großen Schaden anrichten. Metallische Fremdkörper geraten an allen Stationen der Kreislaufwirtschaft in den Kunststoffabfall – zum Beispiel durch Fehlwürfe und falsches Sortieren. Gegenmittel sind induktive Metalldetektoren und Magnetsysteme, die diese Fremdkörper erkennen und ausschleusen.

Den gesamten Prozess im Blick

Mit aufeinander abgestimmten Sortier-, Herstellungs- und Verarbeitungsprozessen lassen sich besonders gute Ergebnisse erzielen. Schlussendlich kommt es im gesamten Prozess darauf an, ein Rezyklat herzustellen, das zweckgemäß und profitabel eingesetzt werden kann. Michael Perl, Group Director Sorting Recycling bei Sesotec, fasst zusammen: „Der Wille und die Bereitschaft der gesamten Kette – vom Gesetzgeber über Hersteller und Handel bis zum Verbraucher – sind nötig, damit Kreislaufwirtschaft nachhaltig profitabel wird. Denn nur aus besonders hochwertigem Material können zum Beispiel wieder neue Lebensmittelverpackungen entstehen.“

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