Katzen und Hunde sind die beliebtesten Haustiere der Menschen in Deutschland und sind in Millionen Haushalten zu finden. Ihre Halterinnen und Halter fühlen sich mit ihren Samtpfoten und Fellnasen oft sehr tief verbunden. Sie sind ein Familienmitglied, für das ihre Menschen natürlich nur das Beste wollen. Obwohl sie nicht mit Menschen sprechen können, senden sie uns jeden Tag kleine Botschaften. Auch wenn manche Signale harmlos sind und für uns Menschen lustig oder seltsam wirken können, kann dahinter auch ein versteckter Hilferuf stecken.

Sylvie Kremerskothen Gleason
Landesdirektorin bei Humane World for Animals Deutschland
Viele Tierhalterinnen und Tierhalter stellen sich Fragen wie: Welche Anzeichen deuten darauf hin, dass mein Haustier krank sein könnte? Wie kann ich mein Tier bei extremem Wetter schützen? Und welche Vorsorgemaßnahmen helfen, ein langes und gesundes Leben zu gewährleisten?
Kostenloser Erste-Hilfe-Leitfaden für Haustiere
Humane World for Animals (ehemals Humane Society International) ist eine der größten Tierschutzorganisationen der Welt. Seit über 70 Jahren kämpft die Organisation global gegen die Ursachen von Tierquälerei und Tierleid, um einen nachhaltigen Wandel zu erzielen.
Sie ist in über 50 Ländern aktiv und arbeitet gemeinsam mit Millionen Unterstützerinnen und Unterstützern an nachhaltigen Lösungen für die größten Probleme, denen Tiere weltweit gegenüberstehen. Dazu gehört natürlich auch das Wohl der geliebten tierischen Begleiter, im Alltag ebenso wie in Notsituationen.
Deswegen hat die Organisation einen Erste-Hilfe-Leitfaden für Haustiere erstellt, der kostenlos online erhältlich ist. Der Leitfaden enthält praktische Tipps, wie Sie:
• Verhaltenssignale erkennen, die auf gesundheitliche Probleme hinweisen,
• Ihr Tier vor extremer Hitze und Kälte schützen,
• und für alle Eventualitäten einen kleinen Notfallplan erstellen.
Was viele Menschen nicht wissen
In Deutschland gibt es nicht nur Millionen Hauskatzen, sondern auch rund zwei Millionen Straßenkatzen. Im Gegensatz zu den umsorgten Hauskatzen haben diese Tiere aber oft kein schönes Leben. Sie leben abgeschieden und versteckt, zum Beispiel in Schrebergärten, Industriegebieten oder Bauernhöfen. Außerdem sind sie oft krank, verletzt, hungrig beziehungsweise unter- und mangelernährt und werden nur selten tierärztlich versorgt.

Viele müssen unter extremen Wetterbedingungen ums Überleben kämpfen. Zudem sind die meisten sehr menschenscheu. Obwohl diese Situation eine der größten Herausforderungen für den deutschen Tierschutz darstellt, ist das Problem hierzulande kaum bekannt. Deswegen wird es auch als Deutschlands verstecktes Tierschutzproblem bezeichnet.
Deutschlands verstecktes Tierschutzproblem
Verantwortungsbewusste Haustierhaltung und Tierschutz haben viele Facetten. Dazu gehören:
• Informieren & Wissen aneignen
• Artgerechte Haltung (ausreichend Platz)
• Gesunde Ernährung
• Regelmäßige tierärztliche Versorgung
• Ausreichend Bewegung und soziale Kontakte (je nach Tierart)
• Zeit, Aufmerksamkeit, Pflege
• Vorsorge, z. B. Impfungen oder Kastration
Ein Teufelskreis aus Tierleid
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass streunende Katzen in Deutschland „Wildkatzen“ seien. In Wirklichkeit stammen die meisten von Hauskatzen ab. Wenn die geliebten Samtpfoten Freigang haben, ohne zuvor kastriert worden zu sein, können sie sich draußen unkontrolliert mit anderen Katzen fortpflanzen. So werden immer mehr Kätzchen auf der Straße geboren. Auch ausgesetzte oder entlaufene Katzen tragen dazu bei, dass die Zahl der Tiere auf der Straße wächst. Es sind also keine Wildkatzen. Für ein sicheres, gesundes und glückliches Leben sind sie deswegen auf die Menschen angewiesen. Besonders traurig an dieser Situation: Das Leid der Straßenkatzen ist vermeidbar. Die meisten der Tiere sind unkastriert. Sie vermehren sich nicht nur untereinander, sondern auch mit Freigänger-Katzen.

Das birgt nicht nur potenzielle Gefahren für die heimischen Samtpfoten, wenn diese mit kranken und ungeimpften Straßenkatzen in Kontakt kommen. Es sorgt auch für einen immer fortlaufenden Teufelskreis aus Tierleid. Deswegen wird in Tierschutzkreisen schon seit Jahren eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen gefordert.
In mehr als 2.000 Gemeinden und Städten in Deutschland ist das bereits der Fall. Verantwortungsbewusste Tierhaltung kann also auch bedeuten, die eigene Freigänger-Katze zu kastrieren, um so das Leid von Millionen anderer Tiere langfristig zu reduzieren.
Was wird dagegen unternommen?
Dr. Katherine Polak, Senior Vice President, Centers of Expertise, bei Humane World for Animals und Fachtierärztin für Tierschutz, sagt: „Wir arbeiten seit Jahrzehnten weltweit im Bereich des nachhaltigen Populationsmanagements für Straßentiere. Sogenannte „Trap-Neuter-Return“-Programme (also Fangen-Kastrieren-Freilassen) sind mittlerweile als Standard etabliert, um das Wohl der Tiere zu verbessern, ihre Populationen auf humane Weise zu kontrollieren und das Leid von Millionen Straßentieren zu verringern.
Unsere weltweiten Erfahrungen zeigen, dass ein erfolgreiches Populationsmanagment nicht allein auf Kastrationsprogrammen setzen kann, sondern auch ausreichende finanzielle Mittel, Infrastrukturen und Unterstützung für lokale ehrenamtliche Helferinnen und Helfer und Tierschutzorganisationen braucht. Deswegen unterstützen wir seit 2024 auch in Deutschland an der Seite anderer lokaler und nationaler Tierschutzorganisationen Initiativen vor Ort, um einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Tierwelt und zum nachhaltigen Populationsmanagement in Deutschland zu leisten“.

Mit finanzieller Unterstützung sowie Sachspenden in Form von Lebendfallen konnte die Tierschutzorganisation bereits dazu beitragen, tausende Katzen in fünf Bundesländern (Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein) zu kastrieren. In den kommenden Jahren liegt der Fokus auf dem weiteren Ausbau der Infrastruktur von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und Kapazitäten von Tierärztinnen und Tierärzten. Außerdem setzt sich die Organisation auch weiterhin für eine nationale Kastrationspflicht ein, damit in Zukunft weniger Katzen in ein Leben auf der Straße geboren werden.
