Volatile Gaspreise sind kein vorübergehendes Phänomen – sie sind das neue Normal. Wer heute in eine neue Gasheizung investiert, schreibt sich langfristige Unsicherheit ins Lastenheft. Es gibt einen besseren Weg, erläutert Dror Peled, Deputy Division Manager, Living Environment Systems bei Mitsubishi Electric Europe B.V.

Dror Peled
Deputy Division Manager, Living Environment Systems
bei Mitsubishi Electric Europe B.V.
Der steigende Gaspreis erzeugt bei vielen Verbrauchern ein mulmiges Gefühl. Dabei sind die aktuellen Preise kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Ausdruck struktureller Veränderungen im Energiemarkt.
Drei Kostentreiber, die bleiben
Erstens: Der Preis für CO2-Emissionen steigt seit 2021 kontinuierlich – erst als nationaler Festpreis, ab 2028 dann – davon sind Experten überzeugt – im Rahmen des europäischen Emissionshandelssystems ETS 2. Zweitens: steigende Netzentgelte. Immer mehr Haushalte wechseln ihr Heizsystem, die Kosten für die Gasnetze verteilen sich dadurch auf weniger Nutzer. Drittens: Der globale LNG-Markt bleibt volatil. Deutschland importiert heute überwiegend Flüssiggas aus Norwegen, den USA und Katar. Das verbessert zwar die Versorgungssicherheit, macht die Preise aber anfälliger für internationale Krisen und Nachfrageschwankungen.
Warum Strom als Energiebasis stabiler ist
Strom ist dagegen breiter aufgestellt. Er stammt aus einem Mix aus Wind, Solar, Wasser, Kernkraft und fossilen Quellen. Gleichzeitig wächst der Anteil heimischer Erzeugung. Mit Photovoltaik, Wärmepumpe und Speicher können Verbraucher einen Teil ihrer Energie selbst erzeugen – eine Unabhängigkeit, die Gas strukturell nicht bietet.
Welche Alternativen sind heute wirklich einsatzfähig?
Als Alternativen zu Gas werden meist Wärmepumpe, Fernwärme, Biomasse und Wasserstoff diskutiert. Fernwärme ist attraktiv, wo sie bereits existiert oder ausgebaut wird. Doch nicht jedes Gebäude wird künftig angeschlossen werden können. Biomasse ist etabliert, verliert aber durch steigende Rohstoffpreise und strengere Emissionsvorgaben an Attraktivität.
Mit Photovoltaik, Wärmepumpe und Speicher können Verbraucher einen Teil ihrer Energie selbst erzeugen.
Wasserstoff gilt zwar als technologisch interessant, spielt im Gebäudebereich aber auf absehbare Zeit kaum eine Rolle. Das geplante Wasserstoffkernnetz richtet sich vor allem an die Industrie.
Die Wärmepumpe ist derzeit die einzige Lösung, die breit verfügbar ist. Im Neubau ist sie längst Standard, doch auch viele Bestandsgebäude lassen sich ohne große Umbauten umrüsten. Ihr Funktionsprinzip macht die Wärmepumpe effizient: Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Dadurch liegen die Betriebskosten oft unter denen einer Gasheizung.
Nicht alle Wärmepumpen sind gleich
Wichtig ist die Wahl des richtigen Systems. Am weitesten verbreitet ist die Luft/Wasser-Wärmepumpe. Sie entzieht der Außenluft Wärme und speist sie in das Heizsystem ein. Die Genehmigung ist einfach, die Installation schnell und flexibel. Moderne Luft/Wasser-Systeme funktionieren auch mit klassischen Heizkörpern und können außerdem auch die Trinkwarmwasserbereitung übernehmen. Damit können sie fossile Heizungen vollständig ersetzen.
Die Luft/Luft-Wärmepumpe gibt Wärme direkt an die Raumluft ab. Sie eignet sich besonders für Gewerbegebäude oder Sanierungen, bei denen keine neue Heizungsinfrastruktur installiert werden soll. Gleichzeitig kann sie im Sommer kühlen. Das macht sie zu einer flexibel nachrüstbaren Lösung mit hohem Komfortfaktor.
Erdwärmepumpen arbeiten effizienter, weil die Bodentemperatur konstanter ist als die Außenluft. Sie entziehen dem Erdreich über Sonden oder Kollektoren Wärme und übertragen diese über ein Wassernetz ins Gebäude. Die Erschließungskosten und Genehmigungsverfahren machen sie aufwendiger. Für Neubauten und größere Sanierungsprojekte mit entsprechendem Vorlauf sind sie dennoch attraktiv.
Die Entscheidung wird nicht leichter
Während die Politik noch um die finalen gesetzlichen Regelungen ringt, ist die Lage für Verbraucher klar: Ausgereifte Technologie und stabile Energiekosten machen die Wärmepumpe zur einzigen Alternative, die in der Breite verfügbar, staatlich gefördert und vor allem mit Blick auf Klimaschutz und die Reduktion von Treibhausgasemissionen zukunftsfähig ist.



