Deutschland steht wirtschaftspolitisch an einem Wendepunkt. Die Modernisierung hin zu Klimaneutralität, Elektrifizierung und neuen industriellen Wertschöpfungsketten ist in vollem Gange – global, technologisch und ökonomisch. Gleichzeitig haben die strukturellen Krisen der letzten Jahre dem Standort zugesetzt: das Wachstum geht zurück, Energiepreisschocks verteuern die Herstellung, die Folgen der Klimakrise werden sichtbarer.

Prof. Dr. Katharina Reuter
Geschäftsführerin des Bundesverbandes Nachhaltige
Wirtschaft e. V.
Jetzt abzuwarten, ist keine Lösung. Laut Weltwirtschaftsforum sind die Top-Drei-Risiken der Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren Extremwetter, Biodiversitätsverluste und der Kollaps von Ökosystemen sowie der kritische Wandel der Erdsysteme. Klimaschocks könnten das globale BIP zwischen 2070 und 2090 um bis zu 50% einbrechen lassen. Damit ist klar: Sicherheit und Wachstum gewinnen wir nur, wenn die Wirtschaft sich bewegt.
Und die Wirtschaft ist in Bewegung! Das zeigt das repräsentative Sustainable Economy Barometer 2026. Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der Sustainable Economy gGmbH durchgeführt. Befragt wurden privatwirtschaftliche Entscheider*innen in Unternehmen mit über 50 Mitarbeitenden (Stichprobe 2.500). Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen (65,1 %) sehen in Nachhaltigkeit die treibende Kraft für den Unternehmenserfolg. Dass die nachhaltige und klimaneutrale Wirtschaft eine hohe Bedeutung bei der Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland zukommt, bestätigen 56,4 Prozent der Befragten. Weitere 53,7 Prozent prognostizieren, dass Unternehmen ohne Nachhaltigkeitsstrategie nicht langfristig wettbewerbsfähig sind.
Mehrheit der Wirtschaft wünscht Führungsrolle der Politik beim Klimaschutz
Gerade in Zeiten hoher Unsicherheit wird die Führungsrolle der Politik wichtiger, auch für die Wirtschaft. 65,8 Prozent der Befragten bewerten die Rolle der Politik für das Erreichen einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft als wichtig. Diese Zwei-Drittel-Mehrheit ist ein klares Mandat für die politischen Entscheidungsträger*innen, Klimaschutz und Modernisierung im Unternehmenskontext durch marktbasierte Instrumente und Ordnungsrecht voranzutreiben.
Jedes dritte Unternehmen hat bereits in erneuerbare Energien investiert.
Tatsächlich ist der Business-Case-Nachhaltigkeit bereits bei vielen Unternehmen angekommen. Mehr als die Hälfte der Befragten bestätigen, bereits Effizienzmaßnahmen, zum Beispiel zur Energieeinsparung, ergriffen zu haben. Mehr als jedes dritte Unternehmen (38,6 Prozent) hat bereits in erneuerbare Energien investiert oder Maßnahmen zur Ressourceneffizienz getroffen (37,3 Prozent). Nachhaltige Mobilitätslösungen setzen bereits 35,6 Prozent der Unternehmen durch.
Der Aufbruch ist geschafft
Das erste Drittel hat sich auf den Weg gemacht. Die kritische Schwelle zu mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft ist überschritten. Um langfristig zu gewinnen und zu wachsen, geht es jetzt darum, die übrigen Unternehmen zu bewegen. Lösungen müssen skaliert und Best-Practice-Modelle in die erste Reihe gestellt werden. Gleichzeitig sollte die Politik einen Ordnungsrahmen stecken, der Unternehmen vom Business-Case-Nachhaltigkeit überzeugt, ihn anreizt und entlohnt. Gezielte Investitionen in den Umwelt- und Klimaschutz bieten Chancen für mehr Wachstum, mehr Unabhängigkeit, mehr Resilienz, mehr Arbeitsplätze.
Über den BNW
Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e. V. (BNW) bringt die Stimme der progressiven Unternehmen direkt ins politische Berlin. Seit der Gründung 1992 setzt sich der BNW e. V. als unabhängiger Unternehmensverband für Umwelt-, Klimaschutz und soziale Nachhaltigkeitsaspekte ein. Mit seinen 700 Mitgliedsunternehmen steht der Verband für mehr als 200.000 Arbeitsplätze; Großunternehmen sowie Mittelstand sind in dem branchenübergreifenden Netzwerk genauso vertreten wie Cleantech-Startups und Social-Entrepreneurs.
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