Mais, Weizen und Reis – darauf beruht Ernährung weltweit. Exportstarke Anbauländer und wenige Agrarkonzerne dominieren die Märkte, von den landwirtschaftlichen Betriebsmitteln Saatgut, Pestizide, Düngemittel bis zum Einzelhandel. Sie diktieren die Preise, für die Bäuer*innen bleibt nicht genug übrig.

Lena Luig
Referentin Internationale Agrarpolitik
der Heinrich-Böll-Stiftung
Als im Februar 2022 die russische Vollinvasion der Ukraine begann, schossen nicht nur die Öl- und Gaspreise in die Höhe. Auch die Weizenpreise stiegen – in den ersten zwei Wochen nach der Invasion um fast 50 Prozent. Vermögensverwaltungen trieben Investoren an, in Agrarrohstofffonds anzulegen. Die fünf größten Agrarhandelskonzerne konnten ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt verdreifachen. Gleichzeitig stieg die Zahl der hungernden Menschen um 65 Millionen. Diese Ernährungsunsicherheit war das Ergebnis einer Preiskrise – und nicht einer tatsächlichen globalen Knappheit.

Von der monatelangen Blockade der Straße von Hormus profitieren vor allem Düngemittelkonzerne: In den ersten beiden Monaten nach Ausbruch des Kriegs haben Insider des größten Ammoniakherstellers CF Industries Aktien im Wert von mehr als 50 Millionen US-Dollar verkauft, während das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen bereits im März davor warnte, dass durch den Konflikt rund 45 Millionen Menschen zusätzlich in akute Ernährungsunsicherheit geraten könnten.
Auch in Deutschland waren und sind die Auswirkungen dieser Preiskrise deutlich zu spüren: Zwischen 2020 und Oktober 2025 stiegen die Lebensmittelpreise um 36,1 Prozent. Die Monopolkommission, ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung, hat herausgefunden, dass die verarbeitende Industrie und der Lebensmitteleinzelhandel ihre Preisaufschläge in den vergangenen Jahren erhöhen konnten. Bei Landwirt*innen kommt davon allerdings oft wenig an. Immer mehr Bauernhöfe müssen aufgeben.
Auch in Deutschland waren und sind die Auswirkungen dieser Preiskrise deutlich zu spüren: Zwischen 2020 und Oktober 2025 stiegen die Lebensmittelpreise um 36,1 Prozent.
Während die Profite also bei einer kleinen Gruppe von Konzernen und deren Anteilseigner*innen landen, müssen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen die Kosten der Krisen tragen. Soziale Ungleichheit wird verschärft. Warum ist unser Ernährungssystem so anfällig für Krisen und Preisschocks? Wie sähen nachhaltige, soziale und gesunde Auswege aus? Das hat der Konzernatlas 2026 untersucht, eine Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung, des Bundes für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) und des Dachverbandes Kritische Aktionärinnen und Aktionäre.
Damit die großen Agrarkonzerne an ihrem Geschäftsmodell nichts ändern müssen, haben sie eine erhebliche Lobbymacht aufgebaut. Auf diese Weise nehmen Agrar- und Ernährungskonzerne direkten Einfluss auf die Politik und verhindern oft Gesetze zum Schutz der Umwelt oder der menschlichen Gesundheit. So spielen global tätige Fleischkonzerne mit gekauften Studien gezielt den Beitrag der Tierhaltung zur Klimakrise herunter. Und Pestizidkonzerne versuchen immer wieder, auf die Zulassung ihrer Produkte Einfluss zu nehmen.

In Deutschland teilen sich vier Supermarktketten rund 88 Prozent des Marktes auf. Die konzentrierte Marktmacht ermöglicht es den Konzernen, Preise zu diktieren. Agrarbetriebe sind sogenannte Preisnehmer. Denn während etwa ein Supermarkt zwischen vielen landwirtschaftlichen Betrieben wählen und von den günstigsten kaufen kann, haben Landwirt*innen weit weniger Möglichkeiten, ihre Produkte zu vermarkten.
Die Lobby- und Preissetzungsmacht großer Agrar- und Ernährungskonzerne zementiert ein Produktionsmodell, das nicht nachhaltig ist: Es beutet Umwelt und Beschäftigte aus, befeuert die Klimakrise und bringt oft gesundheitsschädliche, pestizidbelastete Produkte hervor. Doch dass wenige Konzerne unseren Speiseplan diktieren, muss nicht so sein.

Mit dem Konzernatlas 2026 wollen wir auch aufzeigen, welche politischen Weichen gestellt werden müssen, um die Konzernmacht im Ernährungssystem zu beschränken. Dabei gibt es neben den großen politischen Stellschrauben auch auf kommunaler Ebene zahlreiche Möglichkeiten, wie sich Bürger*innen und Verwaltung für eine gemeinwohlorientierte Ernährungspolitik stark machen können – denn was auf unseren Tellern landet, sollten wir selbst bestimmen.
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Weitere Informationen finden Sie in unserem Konzernatlas!