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SAVE THE PLANET

„Recycling allein reicht nicht aus“

Foto: Sonett

WIE MEHRWEG- UND RÜCKNAHMESYSTEME VERPACKUNGSKREISLÄUFE VERÄNDERN KÖNNEN

Verpackungsmüll ist trotz steigender Recyclingquoten nach wie vor ein großes Umweltproblem. Im Interview mit Rebecca Kramer (Geschäftsführerin Sonett) sprechen wir über die Grenzen des Recyclings, die Chancen von Mehrwegsystemen und die Bedeutung geschlossener Materialkreisläufe für den Ressourcen- und Klimaschutz.


Rebecca Kramer

Geschäftsführung Sonett GmbH

Warum gilt Verpackungsmüll weiterhin als eines der großen Probleme im Bereich Konsum und Haushalt?

Sowohl die enormen Mengen als auch die Qualität der am Markt verfügbaren Rezyklate sind ein großes Problem. Deshalb setzen einige Hersteller zunehmend auf eigene Mehrweg- und Recyclingsysteme, um Materialien länger im Kreislauf zu halten und den Verbrauch neuer Rohstoffe zu verringern.

Warum ist Recycling allein aus Sicht vieler Expert*innen nicht ausreichend, um Ressourcen langfristig zu schonen?

Auch Recycling ist endlich. Kunststoffe können nicht unbegrenzt ohne Qualitätsverluste recycelt werden. Um Ressourcen langfristig zu schonen, sollten Wiederverwendung und Wiederbefüllung von Verpackungen Priorität haben. Ebenso wichtig sind sortenreine Materialien, da sie eine hochwertige Wiederverwertung überhaupt erst ermöglichen.

Welche Vorteile bieten Mehrweg- und Wiederverwendungssysteme im Vergleich zu klassischen Einwegverpackungen?

Eine Verpackung, die viele Male genutzt wird, ersetzt zahlreiche Einwegverpackungen und spart dadurch große Mengen Kunststoff ein. In der Folge sinken auch Energieverbrauch und CO2-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mehrwegsysteme sind deshalb ein wichtiger Baustein, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Verpackungskreisläufe nachhaltiger zu gestalten.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Rückführung und Wiederverwertung von Kunststoffverpackungen?

Rücknahmesysteme kommen bei Endkund*innen zwar in der Regel sehr gut an, und auch viele Naturkostfachgeschäfte sowie Bio-Großhändler beteiligen sich bereits aktiv an entsprechenden Systemen. Größere Bio- und Handelsketten halten sich jedoch zum Teil noch zurück. Herausfordernd ist zudem die gesamte Logistik, also das Sammeln, Transportieren und Sortieren der Verpackungen. Hinzu kommen die technischen Anforderungen, die erfüllt werden müssen, um eine markenspezifische und hochwertige Wiederverwertung des Kunststoffs überhaupt zu ermöglichen.

Warum ist die Qualität des recycelten Materials entscheidend für funktionierende Kreislaufsysteme?

Um einen werterhaltenden Kreislauf zu kreieren, benötigt es hochwertige Kunststoffe wie z. B. HDPE. Hier ist die Wahrscheinlichkeit von Downcycling wesentlich geringer. In Rezyklaten aus dem Gelben Sack können sich Rückstände von künstlichen Duftstoffen oder anderen Störstoffen finden, die die Qualität des Materials erheblich verschlechtern. Außerdem besteht die Problematik der Kontamination, das bedeutet, dass in Rezyklaten Reststoffe des Ursprungsinhaltes verbleiben könnten und damit in neue Produkte übergehen könnten.

Welche Bedeutung haben geschlossene Materialkreisläufe für den Klima- und Ressourcenschutz?

Geschlossene Materialkreisläufe erlauben eine ressourcenschonendere Rückführung gleicher Materialien. So können bei bestimmten Materialien Recyclingquoten von über 90 % erreicht werden. Im Gegensatz zu linearen Systemen, bei denen die Verpackungen in der Verbrennung landen, schafft ein Recyclingsystem Strukturen, in denen Materialien wiederverwendet oder als Rezyklat weiterverarbeitet werden können. Neben der Einsparung von Kunststoffen und damit CO2 erfordert die Wiederaufbereitung in geschlossenen Materialkreisläufen bis zu 75 % weniger Energie.

Warum tun sich viele Unternehmen bislang schwer damit, eigene Rücknahme- oder Mehrwegsysteme aufzubauen?

Die Recyclingwirtschaft ist auf Großmengen und standardisierte Prozesse eingestellt. Kleinteiligere Lösungen erfordern dagegen einen höheren technischen und logistischen Aufwand, sind enorm kostenaufwändig und bedürfen hoher Nachhaltigkeitsideale.

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