Warum eine Geschäftsidee von 1908 heute moderner ist als je zuvor
Kreislaufwirtschaft ist mehr als ein Schlagwort. Sie ist ein wirtschaftliches Konzept, das Rohstoffe schont, Emissionen reduziert und Unternehmen zukunftssicher macht. Doch was vielversprechend klingt, ist in der Praxis oft mit Herausforderungen verbunden.
Für den Textildienstleister Mewa ist dies allerdings gelebte Praxis und Grundlage des Geschäftsmodells. Das Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden gehört zu den Marktführern von textilen Mehrwegservices für Industrie, Handwerk und Gewerbe. Als Weberei gegründet, stattet es heute über 200.000 B2B-Kunden in 26 Ländern mit Textilien für den Job aus. Arbeitskleidung, Putztücher und Matten liefert es in einem geschlossenen Kreislauf: Bereitstellung, Pflege, Kontrolle und Reparatur der Textilien gehören dazu. Anschließend erhalten die Kunden ihre Ausstattung frisch gewaschen zurück. So verbleiben Produkte lange in der Nutzung – oft über viele Jahre hinweg.
Michael Kümpfel, CCO der Unternehmensgruppe, betont: „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern unsere Verantwortung. Wir setzen mit unserem Geschäftsmodell auf gelebte Kreislaufwirtschaft – mit langlebigen Produkten im Rundum-Service, reparaturfähigen Textilien und ressourcenschonenden Prozessen. So erleichtern wir es Unternehmen, nachhaltig zu wirtschaften.“

Der ökologische Ansatz geht weit über das Wiederverwenden hinaus: Die Umwelttechnik sorgt dafür, dass ausgewaschene Öle als Energiequelle für Trockner genutzt werden. Betriebliche Abwärme dient dem Heizen und das Wassermanagement spart 50 % Frischwasser. Auch bei der Produktion denkt man in dem familiengeführten Unternehmen nachhaltig: Recycelte Garne kommen in der firmeneigenen Weberei zum Einsatz, während Baumwollflusen als Dämmmaterial an die Autoindustrie weitergegeben werden.
Ein Mehrwegputztuch kann bis zu 50-mal gewaschen werden. Das reduziert den ökologischen Fußabdruck im Vergleich zu Einwegmaterialien um das Drei- bis Sechsfache und zeigt: Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend – sie ist eine Notwendigkeit und wirtschaftliche Chance zugleich. Soll der Kreislauf lückenlos funktionieren, rückt ein Aspekt in den Fokus: das Recycling. Hochwertige Berufskleidung besteht aus komplexen Mischgeweben und funktionalen Details wie Taschen oder Reflexelementen. Diese Qualität ist im Nutzungskreislauf ein Vorteil, macht das Recycling jedoch technisch anspruchsvoll.
Um tragfähige Lösungen zu entwickeln, engagiert sich der Dienstleister im europäischen Branchenverband European Textile Services Association und arbeitet dort im Rahmen einer Initiative mit dem polnischen Recyclingunternehmen PPHU TUR und weiteren europäischen Textildienstleistern daran, ausgediente Berufskleidung in den Kreislauf zurückzuführen. Die Textilien werden mechanisch recycelt und als Materialien etwa für Dämmstoffe im Bauwesen oder für Anwendungen in der Automobilindustrie weiterverwendet. Das reduziert Abfälle und bereichert gleichzeitig den Beschaffungsmarkt für recycelte Materialien im B2B-Bereich.
Weitere Forschungsprojekte rund um Recycling und ökologische Nachhaltigkeit werden vorangetrieben. Im Rahmen des ehrgeizigen Förderprojekts „The Key“ in Kooperation mit dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, wollen Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft Polyester aus Mischfasern durch chemisches Recycling zurückgewinnen, damit daraus neue Textilien entstehen können. „Ein wirklich geschlossener Kreislauf endet nicht mit der letzten Nutzung“, so Diana Wolf, Projektleiterin und verantwortlich für den Bereich Forschung und Entwicklung für Umwelt- und Verfahrenstechnik bei Mewa. „Er beginnt dort, wo gemeinsam neue Lösungen entstehen.“
Noch steht die Forschung am Anfang, doch das Ziel ist klar: Aus alten Textilien soll neue Kleidung werden. Sollte das gelingen, hätten die Projektpartner von „The Key“ ein Modell mit Zukunft geschaffen – für sich und die gesamte Branche.
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