Herr Poulsen, wie sieht Ihr Tagesgeschäft konkret aus? Sprechen Sie über Ethik und Zukunft, oder geht es eher um Prozesse und Software?

Tatsächlich kann es um all diese Themen gehen. Es kommt auf die Situation an, genauer gesagt darauf, wo auf seiner Reise zu mehr Nachhaltigkeit sich der Gesprächspartner gerade befindet. Wenn Unternehmen gerade erst anfangen, sich über Nachhaltigkeit Gedanken zu machen, müssen sie natürlich erst einmal verstehen: Warum sollten wir daran arbeiten?

Was ist der „Business Case“ für uns? In diesen Fällen beginnt die Zusammenarbeit strategisch und eher beratungsorientiert, und die technologische, strukturelle und detaillierte Unterstützung erfolgt dann in einem zweiten Schritt. Anders ist das bei Unternehmen wie Unilever oder BASF oder Volkswagen, die schon fast so lange an dem Thema arbeiten wie wir, und sich viel klarer darüber sind, was sie erreichen wollen. Da geht es dann um die Implementierung komplexer Software-Lösungen und deren Integration in bestehende IT-Landschaften, mit dem Ziel, bestmögliche Skalierbarkeit zu erreichen.

Unternehmen mögen das Image der Nachhaltigkeit. Die Umsetzung mögen sie oft weniger. Wird eine wirklich nachhaltige Geschäftspraxis eines Tages ein echter Wettbewerbsfaktor sein?

Ich denke, es passiert schon. Nicht in allen Branchen, aber sicher in bestimmten Bereichen. Sehen Sie in der Automobilbranche, wie Dieselfahrzeuge aus Städten verbannt werden, schauen Sie auf den Erfolg eines Unternehmens wie Tesla, schauen Sie, wie die Unternehmen, die früh begonnen haben, die besten Bewertungen erhalten,  wie Investoren Portfolios aufräumen - das sind knallharte wirtschaftliche Fakten und Faktoren. Es bewegt sich viel Geld, und es ist keine Imagekampagne, die diese Art von Geld bewegt. Also, ich denke wir sind wirklich mittendrin. Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber es gibt viel Bewegung, und ich denke, die kann wirklich nicht aufgehalten werden.

Sie helfen Unternehmen dabei, nachhaltiger zu werden. Wo erleben Ihre Kunden die größten Überraschungen bei der Umsetzung?

Die meisten Gesprächspartner sind nicht überrascht über die Tatsache, dass sich viele Dinge ändern müssen. Aber manchmal ist das Ausmaß und die Komplexität des Problems ein wenig überwältigend. Denn wenn wir es mit Nachhaltigkeit ernst meinen, dürfen wir nicht nur ans eigene Unternehmen denken, sondern auch an die Lieferanten, die Partner, die Verbraucher.

Ein kurzes Beispiel: Angenommen, eine Autofirma fragt sich, ob sie eine Stoßstange aus Stahl oder eine aus Aluminium verwenden soll. Aluminium verbraucht in der Herstellung mehr Energie; aber das Auto wird leichter, so dass dann also später weniger Energie verbraucht wird. Aber: Wie viel Energie später tatsächlich eingespart wird, hängt natürlich davon ab, wie das Auto tatsächlich genutzt wird.

Daher ist es wichtig, den gesamten Lebenszyklus zu betrachten. Hierzu gehört es übrigens auch, unterschiedliche Umwelteinwirkungen zu betrachten – nicht nur den Treibhauseffekt, sondern zum Beispiel auch Wasserverbrauch und Überdüngung – um zu vermeiden, dass wir an einer Stelle optimieren und unseren ökologischen Fußabdruck dafür an anderer Stelle verschlechtern. Sie sehen, es ist ein Geschäft, bei dem man den Überblick behalten muss (lacht). 

Sie haben wahrscheinlich einen realistischeren Überblick als die meisten Menschen. Wo sind wir heute auf dem Weg zu nachhaltigen Konjunkturzyklen?

Wir müssen unser gesamtes Verhalten und unseren Bedarf in Bezug auf ganz zentrale Themen wie Konsum und Reisen überdenken. Unternehmen effizienter zu machen und Produkte nachhaltiger zu gestalten, ist großartig, und da führt gar kein Weg dran vorbei. Aber ich sehe ein noch viel größeres Potenzial in der Intensivierung der Zusammenarbeit über Wertschöpfungsketten hinweg, in der Steigerung von Innovation und in der Umsetzung völlig neuer Geschäftsideen.

Ein Beispiel hierfür wäre unser Kunde Interface, ein international tätiger Hersteller von Teppichfliesen. Interface hat begonnen, benutzte Teppichfliesen zurückzunehmen, zu recyclen und wiederzuverwenden, und Nachhaltigkeit in alle Entscheidungen mit einzubeziehen. Nur, wenn Unternehmen diese Art von drastischen Veränderungen durchsetzen, werden wir den notwendigen Wandel schnell genug sehen.