Allein in Nord- und Ostsee wird ein Abfalleintrag von jeweils circa 20.000 Tonnen pro Jahr geschätzt. Sichtbar wird dieses Phänomen durch angeschwemmtes Strandgut. Dieses stellt jedoch mit einem Anteil von rund 15 Prozent nur die sichtbare Spitze des Eisberges dar.

Weitere 15 Prozent der Plastikabfälle treiben auf der Meeresoberfläche, der größte Teil sinkt auf den Meeresgrund. Globale Meeresströmungen führen zu weiträumigen Verfrachtungen der Abfälle. Schädigungen mariner Organismen und Ökosysteme sowie der Eintrag angereicherter Schadstoffe in die Nahrungskette sind die Folgen.

Ein Problem, viele Ursachen

Seeseitig tragen Fischerei, kommerzielle Schifffahrt und die Offshore-Industrie zur Verschmutzung der Meere bei. Landseitig führen Abwässer und illegale Müllentsorgung in Flussbereichen, Windverwehungen von Deponien sowie Littering im Tourismus- und Freizeitsektor zu Belastungen. Auch der Einsatz mikroskaliger Kunststoffkügelchen in Körperpflegeprodukten ist problematisch.

Die Partikel durchwandern moderne Kläranlagen und gelangen in Vorfluter und Meere. Ähnliches gilt für moderne Funktionsbekleidungen. Mikroskopisch kleine RC-Kunststofffasern lösen sich während des Waschvorgangs aus Fleeceprodukten und gelangen über die Kläranlagen in Gewässer. Das Problem ist damit nicht allein auf zu geringe abfallwirtschaftliche Standards in einigen Anrainerstaaten zurückzuführen. Es betrifft vielmehr auch Industrienationen wie Deutschland.

Mit der 2008 verabschiedeten EG-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie wurde ein länderüber-greifender verbindlicher Ordnungsrahmen geschaffen, der den Umweltzustand der europäischen Meere durch einen ganzheitlichen, sektorübergreifenden Ansatz nachhaltig verbessern soll.

Neben anderen Deskriptoren wird der Abfalleintrag in die europäischen Meere zur Beurteilung des Umweltzustandes aufgeführt. Sie bietet bei konsequenter Umsetzung und Festlegung ambitionierter Ziele und Maßnahmen große Chancen für die Behebung der beschriebenen Probleme.

Der Standpunkt der DGAW

Die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e. V. spricht sich vor diesem Hintergrund für eine nachhaltige Reduzierung des Abfalleintrages sowie eine Rückholung bereits in Gewässer gelangter Abfälle aus. Neben Maßnahmen wie der Abfallsammlung an Stränden und der Erfassung von Meeresabfällen auf See (Fishing for Litter) sind vor allem vorsorgende Maßnahmen erforderlich.

Seeseitig zählt dazu eine Verbesserung des Müllmanagements auf Schiffen und die Schaffung effizienter Übergabe- und Entsorgungsmöglichkeiten in Häfen. Landseitig sind Strukturen und Technologien zur Erfassung und Entsorgung von Abfällen und Abwässern zu optimieren und Anti-Littering-Maßnahmen zu ergreifen.