Im Juli diesen Jahres wurde das 250. System in Betrieb genommen. Rund 150 weitere Unterflursysteme sind bereits konkret geplant. Ein Erfolgsmodell, das sich immer mehr durchsetzt. Stephan Kubatzki war bei der Einführung dabei. Wir trafen ihn zum Interview.  

Bei der Stadtreinigung Hamburg (SRH) waren Sie maßgeblich an der Einführung von Unterflursammelbehältersystemen beteiligt. Bitte erzählen Sie uns von diesem Projekt.

Im Jahr 2007 hat die SRH erstmals Unterflursammelsysteme für die Papierkorbleerung auf öffentlichem Grund installiert. Das waren neuralgische Punkte, die mit zahlreichen herkömmlichen Papierkörben versehen waren, die teilweise bis zu sieben Mal am Tage und sieben Tage in der Woche geleert werden mussten.

Welche Bereiche waren das? 

Stark frequentierte Bereiche in der Innenstadt Spitalerstraße sowie an der Helgoländer Allee und in der Fußgängerzone am Altonaer Bahnhof. Dort wurden 2007 dann Unterflursysteme mit bis zu vier Kubikmetern Volumen aufgestellt, um den Abfallmassen Herr zu werden.

Schnell zeigte sich, dass es keine überfüllten beziehungsweise überlaufenden Papierkörbe mehr gab, die das Stadtbild verschandelten, es weniger verschmutze Grünflächen gab und die Abfuhrrhythmen deutlich zurückgingen. Die Leerungsrhythmen verlängerten sich auf alle 14 Tage, in der Helgoländer Allee sogar nur noch alle Vierteljahre. 

Unterflursysteme sparen Platz und gewährleisten ein sauberes Wohnumfeld.

Später startete dann auch der Einbau von Unterflursammelbehältern auf privatem Grund.

Richtig. Zum damaligen Zeitpunkt war ich in der Vertriebsabteilung der SRH tätig und betreute die Wohnungswirtschaft. Die Geschäftsführung der SRH erkannte die Vorteile von Unterflursystemen und übertrug die Einführung an die Vertriebsabteilung, um dieses neuartige Produkt der Wohnungswirtschaft vorzustellen. Im November 2009 wurde das erste Unterflursystem für Restmüll in der privaten Wohnungswirtschaft, auf privatem Grund aufgestellt.

Bis heute sind sie die größte Gruppe: 80 Prozent der Unterflursysteme befinden  sich auf Privatgrund von Großwohnanlagen. Und daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Vor allem bei Neubauvorhaben sind unterirdische Abfallsysteme gefragt. 

Welche Vorteile hat das?

Sie sparen Platz, gewährleisten ein sauberes Wohnumfeld und sind barrierefrei erreichbar. Ein weiterer Vorteil ist die Entlastung der Hausmeister, da sie beispielsweise keine sperrigen Gegenstände mehr aus den Restmülltonnen herausfischen müssen, da die Einwurföffnungen für 60-Liter-Säcke ausgelegt und somit sehr viel kleiner sind als bei den üblichen Tonnen. Sperrmüll und 120-Liter-Säcke passen da einfach nicht rein. 

Und die Mülltrennung?

Auch Mülltrennung ist mittlerweile Standard. Neben Restmüllbehältern werden die Fraktionen Papier sowie Wertstoffe aus Kunststoff und Metall auch im Verbund verbaut.

Und Bioabfall?

Bio ist 2011 in Hamburg als Pflichtgefäß eingeführt worden. Und die SRH sowie auch die Grundeigentümer wollten nun auch Bio im Unterflurbehälter sammeln.

Gab es da nie ein Problem mit der Geruchsbelästigung?

Als das Bio-Thema im Bezug auf das Unterflursystem in Hamburg aufkam, haben wir zusammen mit der TU Harburg Versuche durchgeführt. Manuell wurden Bioabfälle in ein auf dem Grundstück der SRH vorhandenes Unterflursystem eingefüllt und über einen längeren Zeitraum hinsichtlich des Gährungsverhaltens beobachtet.

Dabei stellte man fest, dass der Verrottungsprozess innerhalb eines Unterflursystems, schneller voranschreitet je länger sich der Abfall darin befindet. Zudem kam es innerhalb des Systems zu einer Wärmeentwicklung von bis zu 80 Grad, Kondenzwasser bildete sich und tropfte in den Fundamentbehälter. Bis zu zehn Zentimeter Flüssigkeit hatte sich während des Versuches angesammelt und musste abgepumpt werden.

Die Erkenntnisse aus diesem Versuch haben wir an die Hersteller von Unterflursystemen weitergegeben. Diese Erkenntnisse wurden genutzt, um die Systeme entsprechend zu verbessern und den Anforderungen gerecht zu werden. So gibt es heute komplett geschlossene Behälter oder Behälter mit Zwei-Klappen-Technik sowie besondere Be- und Entlüftungssysteme zur optimaleren Sammlung von Bioabfällen. 

Die Außenwirkung der Unterflurbehälter ist beachtlich.

In jederlei Hinsicht. Wohnanlagen werden optisch aufgewertet, aber auch die Außenwirkung über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus war beachtlich. Vertreter der Städte wie Berlin besuchten die SRH, um nähere Informationen über das Thema zu erhalten, da sie es auch in ihren Städten umsetzen wollen. Aus dem anfänglichen Nischenprodukt zur Abfallentsorgung ist eine Erfolgsgeschichte geworden.

Pro Jahr werden rund 100 neue Behälter eingebaut – Tendenz steigend. Mittlerweile beschäftigen sich immer mehr Städte und Gemeinden in der Bundesrepublik mit der Abfallentsorgung über Unterflursammelsysteme. Gründe hierfür sind der demografische Wandel innerhalb der Bevölkerung, aber auch die steigenden Betriebskosten auf dem Wohnungsmarkt. Hier bieten Unterflursammelsysteme eine echte Alternative zur herkömmlichen Entsorgung über Umleerbehälter.