Justine, kein Fleisch zu essen, ist das eine – in jeder Hinsicht auf tierische Produkte zu verzichten, noch einmal was anderes. Empfindest du deinen Lebensstil selbst als „extrem“?

Also ehrlich gesagt überhaupt nicht! Im Gegenteil, für mich ist es das Normalste der Welt, mich rein pflanzlich zu ernähren. Das tut mir gut und fühlt sich großartig an. Für mich fühlt es sich eher wie ein Extrem an, Fleisch zu essen. Es kommt mir mittlerweile ganz absurd vor, dass ich auch mal nicht vegan war!

Wie kamst du zu der Entscheidung, sich nur noch vegan zu ernähren?

Das hat viele Gründe. Erst einmal wurde ich durch den Film Earthlings darauf aufmerksam, wie sehr die Tiere in der Massentierhaltung leiden müssen. Und da geht’s nicht nur um Fleischproduktion. Auch „Milchkühe“ und Legehennen fristen ein ganz furchtbares Dasein. Ich hatte den Film gar nicht ganz zu Ende geschaut und bereits entschieden: Ich möchte kein Teil dieser grausamen Industrie sein. Und so wurde aus mir – damals bereits Vegetarierin – eine leidenschaftliche Pflanzenfresserin.

War die Umstellung schwer? Was „fehlt“ dir eventuell am meisten?

Die Umstellung war die ersten zwei Wochen ungewohnt, aber seitdem läuft alles wie am Schnürchen. Die vegane Küche ist so vielseitig und deshalb fehlt mir gar nichts!

Man liest viel über gute Ernährung, Bio-Lebensmittel, Vegetarismus – insgesamt macht diese Bewegung aber immer noch nur einen kleinen Bruchteil unseres tatsächlichen Konsums aus. Die allermeisten Menschen essen nach wie vor viel Fleisch. Kann ein echter, massenhafter Wandel überhaupt stattfinden?

Es geht hier meiner Meinung nach gar nicht ums Können. Echter, massenhafter Wandel muss ganz einfach stattfinden, wenn wir wollen, dass unsere Nachfahren noch irgendetwas von diesem Planeten haben. Bei der Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch werden etwa 21-mal mehr Treibhausgase ausgestoßen als bei der Herstellung von einem Kilo Gemüse. Durch die Fleisch- und Milchproduktion werden weltweit mehr Treibhausgase ausgestoßen als durch den gesamten Verkehr (Autos, Flugzeuge, Schiffe). Abgesehen davon bemerke ich auf jeden Fall einen positiven Wandel. Immer mehr Menschen interessieren sich für die vegane Ernährung und essen öfter mal etwas Veganes oder Vegetarisches. Man muss ja nicht gleich ganz vegan werden. Wenn Menschen ihren Konsum an tierischen Produkten halbieren, hat sich schon sehr viel getan!

Viele Naturprodukte sind an sich wunderbar und werden erst durch die Umstände ihrer Produktion zum „Problem“ – kannst du uns kurz anhand des Beispiels „Palmöl“ erklären, wie man verlässlich herausfindet, ob das Produkt bedenkenlos zu nutzen ist oder nicht?

Palmöl ist ein großes Thema. Die meisten Palmölproduzenten ernten so oft wie möglich, daher ist die Palmölherstellung dann sehr ressourcenintensiv. Des Weiteren herrschen auf den Feldern horrende Arbeitsbedingungen, und durch die große Nachfrage (Palmöl ist wahnsinnig vielseitig einsetzbar und hat tolle Eigenschaften) und den hohen Preisdruck werden immer mehr Wälder für Palmöl gerodet. Wenn das Palmöl nicht bio angebaut wird und so oft geerntet wird wie möglich (Stichwort Monokulturen), zerstört das die Böden und das Tierleben (Flora und Fauna) im jeweiligen Gebiet. Daher hat Palmöl einen sehr schlechten Ruf. 

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