So gibt es in Deutschland schon länger Gruppen wie Artabana, Solidago oder Samarita als Solidargemeinschaften, die die medizinische Versorgung ihrer Mitglieder jenseits von Kassenzulassungen und Diagnoseschlüsseln gewährleisten. Sie verstehen sich als eine Interessengemeinschaft von Menschen, die einen sehr tiefen Einblick in das Gesundheitssystem haben und sich ganz bewusst eine gut funktionierende Alternative aufgebaut haben.

Gemeinschaftliche Entscheidungen

Ähnlich strukturiert wie ein Verein, zahlen Mitglieder einen vergleichsweise geringen Beitrag, oft auch abhängig vom Einkommen. Gemeinsam entscheiden sie dann im Krankheitsfall, welche Leistung des einzelnen Patienten bezahlt wird und welche nicht. Bei höheren Ausgaben zapfen die Gruppen überregionale Fonds der Gemeinschaft an. Denn diese ist dezentral und subsidiär gegliedert. Viele kleine lokale Gemeinschaften schließen sich dafür in Regionen zusammen und bilden den Gesamtverein.
Der Vorteil: Die Mitglieder fühlen sich beteiligt, nicht den großen Versicherungen ausgeliefert und haben mehr Einfluss auf den Leistungskatalog. Die meisten Gemeinschaften haben dabei fast familiären Charakter. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Sie begleiten und unterstützen sich gegenseitig auch durch Rat und Tat. Anders als bei gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungen besteht jedoch kein Rechtsanspruch auf bestimmte, in einem Leistungskatalog definierte Leistungen.

Solidarische Landwirtschaft

Einen ähnlichen Weg, nur in der Ernährung, gehen Menschen, die sich einer solidarischen Landwirtschaft (Solawi) anschließen. Ihr Motto: Wie kann heute angesichts des globalen Super-Marktes eine bäuerliche, vielfältige Landwirtschaft erhalten bleiben, die gesunde, frische Nahrungsmittel erzeugt und die Natur- und Kulturlandschaft pflegt?

Denn Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, haben meist nur die Wahl, entweder die Natur oder sich selbst auszubeuten. Ihre Existenz hängt von Subventionen und Markt- beziehungsweise Weltmarktpreisen ab. Beides sind Faktoren, auf die sie keinen Einfluss haben und die sie häufig zwingen, über ihre persönliche Belastungsgrenze sowie die von Boden und Tieren zu gehen oder ganz aus der Landwirtschaft auszusteigen.
Bei der Solawi werden die Lebensmittel dann nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Teilnehmern mit organisiert und finanziert wird.

Konkret bedeutet das: Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung verpflichtet sich diese Gruppe, jährlich im Voraus einen festgesetzten Betrag an den Hof zu zahlen. Hierdurch wird dem Landwirt ermöglicht, sich unabhängig von Marktzwängen einer guten landwirtschaftlichen Praxis zu widmen, den Boden fruchtbar zu erhalten und bedürfnisorientiert zu wirtschaften. Die Abnehmenden erhalten im Gegenzug die gesamte Ernte sowie weiterverarbeitete Erzeugnisse wie Brot oder Käse. Auch die Region erfährt einen ökonomischen Impuls, da die Wertschöpfung zunehmend vor Ort bleibt.