Doch während die Stromerzeugung mit Erneuerbaren Energien vorangetrieben wird, findet ein weiterer Bereich, der entscheidend für die Transformation unseres Energiesystems ist, bisher kaum Beachtung, nämlich unser Wärmesektor und der Energieverbrauch unserer Gebäude.

Bewohner von sanierten Gebäuden profitieren unmittelbar durch ein besseres, gesünderes und behaglicheres Wohn- oder Arbeitsklima

Und das völlig zu Unrecht – schließlich entfallen in Deutschland rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen auf den Gebäudesektor. Gründe liegen in weitverbreiteten Defiziten bei der Gebäudedämmung und den Heizungsanlagen. Drei Viertel des Gebäudebestandes in Deutschland wurden bereits vor der ersten Wärmeschutzverordnung des Jahres 1979 errichtet.

Wenn wir über wirkungsvolle Klimaschutzmaßnahmen und den Ausstieg aus fossilen Energiequellen sprechen, muss der Gebäudesektor mit im Zentrum der Diskussion stehen. Der Gebäudesektor verknüpft zwei Zukunftsthemen miteinander: Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Zum einen muss unsere Wärmeversorgung konsequent aus regenerativen Quellen sichergestellt werden.

Denkbar ist der Einsatz von Wärmepumpen oder Solarthermie. Zum anderen ist der Standard unseres Gebäudebestandes entscheidend für einen nachhaltigen Weg in die Zukunft. Nur wenn Wärmeverluste von Gebäuden eingedämmt werden und die Energieproduktion effizient ausgenutzt wird, können Treibhausgasemissionen in diesem Bereich erfolgreich reduziert werden.

Die energetische Sanierung von Wohngebäuden stellt unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten eine lohnende Investition dar. Langfristig kann eine Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen und nicht regenerativen Energiequellen erreicht werden. Auch der Wert der Immobilie steigt mit einer Sanierung dauerhaft.

Der ökologische Nutzen liegt vor allen Dingen in einer deutlichen Verminderung der CO2-Emissionen. Der soziokulturelle Aspekt sollte ebenfalls nicht vergessen werden: Bewohner von sanierten Gebäuden profitieren unmittelbar durch ein besseres, gesünderes und behaglicheres Wohn- oder Arbeitsklima von der Investition. Die energetische Sanierung setzt den Gedanken der Nachhaltigkeit in der Praxis um.

Wenn Deutschland im 21. Jahrhundert beim Klimaschutz erfolgreich sein will, wird es seine Ressourcen anders, insbesondere effizienter einsetzen müssen als bisher. Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Wärme müssen zu einem umfassenden Funktionsprinzip moderner Gesellschaften werden.

Der Wärmebedarf des Gebäudebestandes muss und kann mittel- und langfristig erheblich gesenkt werden. Bis 2050 will die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreichen. Das heißt, der Primärenergiebedarf von Gebäuden soll stufenweise und langfristig um 80 Prozent verringert werden.

Dafür muss aber die Sanierungsrate von Bestandsgebäuden auf mindestens zwei Prozent pro Jahr ansteigen. Aktuell liegt sie bei weniger als der Hälfte, mit zum Teil weiter sinkender Tendenz. Solange das Thema Energieeffizienz in Gebäuden keine politische Priorität hat und ausreichende Ressourcen für die Umsetzung von verpflichtenden Maßnahmen nicht bereitgestellt werden, verschenkt die Bundesregierung massive Potenziale für wirtschaftliche, gesundheitliche und ökologische Fortschritte.