Früher wurde Abfall größtenteils deponiert, später verbrannt, selten recycelt. In der jüngeren Vergangenheit wandelte sich das Bewusstsein über natürliche Ressourcen und deren Endlichkeit; damit geht ein Wandel der Betrachtung des Abfalls einher.

Heute geht es darum, die zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal auszunutzen. Dazu gehört, bereits in Produkten gebundene und damit verbrauchte Ressourcen zu sammeln, wiederaufzubereiten, zu verwerten und erneut in den Stoffkreislauf zurückzuführen. So verstandenes Ressourcenmanagement gewinnt Wertstoffe aus Abfällen. Allein im Hausmüll vermutet eine kürzlich veröffentlichte Studie bis zu 120.000 Tonnen Elektroaltgeräte, die, stattdessen stofflich verwertet zu werden, in der Müllverbrennung landen.

Elektroschrott ist deshalb als Beispiel gut geeignet, weil er eine der wertstoffreichsten Abfallfraktionen repräsentiert. Im Elektroschrott sind meist hochwertige Metalle gebunden. Diese gilt es, am Ende des Lebenszyklus eines Elektrogerätes wiederzugewinnen und erneut zu verwenden. Besonders Handys und Smartphones beinhalten viele verschiedene Metalle und Werkstoffe.

Derzeit besitzen 90 Prozent aller Deutschen ein Handy, über 103 Millionen alte Handys lagern noch in deutschen Schubladen. Ressourcenmanagement kann an dieser Stelle zweierlei Dinge leisten: Erstens kann es bestehende Potenziale, wie etwa im Hausmüll, einer Nutzung zugänglich machen. Zweitens kann es einen Bewusstseinswandel einleiten, der dazu beiträgt, brachliegende Potenziale, wie etwa in heimischen Schubladen, zu aktivieren.

Die innovativen Unternehmen der privaten Entsorgungs- und Sekundärrohstoffwirtschaft sind schon längst keine reinen Abfallentsorger mehr.

Denn noch leisten wir uns den Luxus, eine Vielzahl werthaltiger Abfallströme einer nachhaltigen Rohstoffverwertung vorzuenthalten. Zu viele Abfälle gelangen nicht zurück in den Rohstoffkreislauf. Ein Ausbau der haushaltsnahen Getrennterfassung, wie sie beispielsweise für Bioabfälle ab dem 1. Januar 2015 vorgesehen ist, hat sich in diesem Zusammenhang grundsätzlich bewährt.

Die private Entsorgungs- und Sekundärrohstoffwirtschaft in Deutschland kann – die richtigen politischen Rahmenbedingungen vorausgesetzt – die erfassten Wertstoffmengen weiter steigern. Notwendig dazu sind ambitionierte Recyclingquoten, die über den Stand des bereits Erreichten hinausgehen.

Ziel muss sein, mehr Wertstoffe zu erfassen und Sekundärrohstoffe für die Industrie daraus zu gewinnen. Allein 2009 konnte die Sekundärrohstoffbranche rund 14 Prozent beziehungsweise jede siebte Tonne des Rohstoffbedarfs der nationalen Industrie bereitstellen.

Die innovativen Unternehmen der privaten Entsorgungs- und Sekundärrohstoffwirtschaft sind schon längst keine reinen Abfallentsorger mehr. Viel mehr sind sie hoch spezialisierte Versorger, Recycler und Abfallverwerter. Ihr effizientes Ressourcenmanagement trägt dazu bei, der Kreislaufwirtschaft einen immer größeren Anteil an Sekundärrohstoffen zuzuführen. Damit werden nicht nur die natürlichen Ressourcen geschont, sondern auch die Umwelt von CO2-Emissionen entlastet.

Effektives Ressourcenmanagement heißt also: in Kreisläufen denken, Abfall als Wertstoff begreifen und entsprechende politische Rahmenbedingungen für das wirkliche Entstehen einer Kreislaufwirtschaft schaffen. Es ist zwingend notwendig, die Ziele der Umweltpolitik auch konsequent umzusetzen, statt sie in der Theorie zu loben und in der Praxis zu konterkarieren.

Wenn es uns mit unseren klima- und umweltpolitischen Zielsetzungen ernst ist, darf sich die Politik nicht auf Sonntagsreden beschränken, sondern muss Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaften schaffen. Nur so kann Deutschland seiner Vorreiterrolle als Recyclingweltmeister weiterhin gerecht werden.