Deutschland hat mit der Energiewende einen enormen Transformationsprozess eingeleitet, der nicht nur unsere Strom-, Wärme und Verkehrssysteme grundlegend umgestaltet, sondern der auch in der Wirtschaft eine Vielzahl an Auswirkungen hat.

Diese sind überwiegend positiv: Die augenfälligste Entwicklung ist die Entstehung einer ganz neuen Branche mit allen damit einhergehenden Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekten: So entstanden durch den Ausbau Erneuerbarer Energien über 350.000 Jobs (2014) sowie Wertschöpfungseffekte von über 16 Milliarden Euro (2012).

Der nachhaltige Umgang mit globalen Ressourcen ist für Verbraucher ein immer wichtigeres Thema.

Aber auch Unternehmen außerhalb der regenerativen Energiebranche profitieren von den Erneuerbaren Energien, denn Solarenergie, Windkraft und Co. lassen die Grenzen zwischen Energieproduzenten und -konsumenten verschwimmen und bieten so neue wirtschaftliche Ansätze und innovative Geschäftsmodelle.

Wirtschaftliche Potenziale und Unabhängigkeit der Energieversorgung

Die „energiegewendete“ Versorgung ist deutlich dezentraler und kleinteiliger als das frühere Energiesystem mit seiner Konzentration auf wenige Großkraftwerke. Heute sind kleine, leistungsfähige und gleichzeitig klimafreundliche Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung auf dem Markt, die Unternehmen selbst nutzen können, um sich kostengünstig und in Eigenregie mit Strom und Wärme oder Kälte zu versorgen.

Im Strombereich bieten sich dafür vor allem Solaranlagen an, die zusammen mit einem Energiespeicher in jedem Betrieb mit geeigneten Dachflächen einen Beitrag zum Eigenstrombedarf leisten können. Die Erzeugungskosten von Solarstrom liegen deutlich unter den üblichen Belieferungskosten durch die Stromversorger und können so helfen, die eigenen Stromkosten zu minimieren.

In großen Industriebetrieben können auch Windenergieanlagen zur Direktversorgung genutzt werden, wie es etwa der Autobauer BMW in seinem Leipziger Werk vormacht. Windstrom ist im Vergleich zum Solarstrom noch einmal deutlich günstiger, der Bau und Betrieb der Anlagen sind allerdings auch um einiges aufwändiger. Betrieben, die auf eine regelbare Eigenstromversorgung setzen und/oder die die im Unternehmen benötigte Raum- oder Prozesswärme klimafreundlich selbst erzeugen wollen, stehen eine Vielzahl von ausgereiften Bioenergietechnologien zur Verfügung.

Die verbreitetesten sind Biogasanlagen, Holzpellet- oder Holzhackschnitzel-Blockheizkraftwerke oder auch Altholz-Heiz(kraft)werke, die sowohl direkt auf dem Betriebsgelände als auch über Nahwärmenetze die benötigte Energie bereitstellen können. Die mit diesen Lösungen gewonnene Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen sorgt nicht nur für ein Plus in der Umweltbilanz, sondern auch für Planbarkeit bei den Energiekosten.

Klimaschutz als Motivation und Marketinginstrument

Auch wenn sich der Einsatz Erneuerbarer Energien im Unternehmen oftmals schon heute betriebswirtschaftlich lohnt, ist die Nutzung häufig auch von Klimaschutzmotiven getrieben. Das UN-Klimaschutzabkommen von Paris hat erneut deutlich gemacht, dass ein globales Umsteuern in der Energieversorgung notwendiger und dringlicher ist denn je.

In Deutschland als wirtschaftsstarkem Industrieland haben Höhe und Art des Energieverbrauchs der einheimischen Unternehmen einen sehr starken Einfluss auf die Treibhausgasemissionen. Nicht zuletzt deshalb wurden im Klimaschutzabkommen nicht nur Staaten, sondern auch explizit private Akteure wie Unternehmen als wichtiger Faktor für die Realisierung der Ziele genannt.

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, werden den Unternehmen insbesondere im Gebäudebereich staatlicherseits verschiedene Auflagen gemacht, beispielsweise über die Energieeinsparverordnung (EnEV) oder das Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG). Erneuerbare Energien bieten sich beim Bau neuer Gebäude in den meisten Fällen als sinnvolle Erfüllungsoptionen an, mit denen nicht nur die staatlichen Vorgaben eingehalten werden, sondern auf Dauer sogar bares Geld eingespart werden kann.

Aber auch unabhängig von internationalen und nationalen Zielen oder Vorgaben sehen viele Unternehmen den Klimaschutz zunehmend als Nebenziel der jeweiligen Geschäftstätigkeit an. Dies basiert auf der Erkenntnis, dass mit dem Einsatz Erneuerbarer Energien wirtschaftliches Wachstum und aktiver Klimaschutz produktiv miteinander verbunden werden können.

Die Nutzung Erneuerbarer Energien im Betrieb kann dabei auch einen Mehrwert im Marketing bieten. Denn der nachhaltige Umgang mit den globalen Ressourcen ist auch für die Verbraucher ein wichtiges Thema und somit immer mehr auch ein Entscheidungsfaktor bei Investitionsentscheidungen bzw. beim Konsum. Wirtschaftsakteure, die Erneuerbare Energien einsetzen und dies auch sinnvoll in die eigene Unternehmensdarstellung einfließen lassen, können so die eigene Außenwirkung bzw. das Ansehen der Marke verbessern.

Die Energiewende eröffnet neue Märkte

Last but not least ist mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien ein neues Marktsegment entstanden, das auch Unternehmen der „klassischen“ deutschen Industriebranchen, etwa im Maschinen- und Anlagenbau, neue Absatz- und Betätigungsmöglichkeiten eröffnet. Dies reicht von der Zulieferung spezialisierter Komponenten im schwerindustriellen Bereich über Aufträge für Speditionen oder Werften und neue Tätigkeitsfelder für Handwerk und Gewerbe bis hin zum Bedarf an spezialisierten Dienstleistungen, etwa im Bereich von Versicherung und Finanzierung der dezentralen Energieprojekte.

Die im Rahmen der Energiewende entwickelten und angewendeten neuen Technologien bieten einer Vielzahl an Unternehmen so nicht nur im betriebsinternen Einsatz, sondern auch beim weiteren Wachstum neue Chancen.