Wo vor wenigen Jahren traditionelle Leuchtmittel kaum wegzudenken waren, ist die LED heute der Standard. Gleichzeitig schreitet die Digitalisierung rasant voran und verändert die Branche aufs Neue. Wie lassen sich die Chancen – insbesondere für eine nachhaltige Entwicklung – nutzen? Darüber sprachen wir mit Dr. Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender OSRAM Licht AG.

Was kann OSRAM zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen?

Licht ist ein effektiver Hebel, um globalen Herausforderungen wie Urbanisierung, Klimawandel und Ressourcenknappheit zu begegnen. OSRAM kann mit seinen Produkten und Lösungen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten und gleichzeitig wirtschaftlichen Mehrwert generieren. Aktuell analysieren wir die Sustainable Development Goals der UN. Diese dienen uns als rahmen, um eine nachhaltige Entwicklung zielgerichtet voranzutreiben und neue Geschäftschancen zu entwickeln. Die neuen Lichttechnologien auf LED-Basis bieten uns dazu großartige Möglichkeiten, insbesondere mit Blick auf die voranschreitende Digitalisierung.

Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten steht das Thema Innovation. Wir haben 2015 die innovations- und Wachstumsinitiative „Diamond“ ins Leben gerufen. Damit wollen wir die Potenziale der LED-technologien noch stärker nutzen, unter anderem für die Entwicklung von Anwendungen in „Smart Home und Smart Cities“, wo wir unsere Kompetenz mit der Beteiligung am niederländischen Software-Spezialisten Tvilight verstärken, oder im Automobilbereich.

Nun ist OSRAM kein Startup, sondern ein fast 100 Jahre altes Unternehmen. Wie passt das mit Technologieführerschaft zusammen?

Tradition und Technologieführerschaft sind kein Widerspruch – im Gegenteil. OSRAM hat auch in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass es sich Veränderungen im Markt erfolgreich angepasst und diese mitgestaltet hat. So waren und sind wir in der Automobilbeleuchtung die klare Nummer 1. Unser neuestes Highlight: ein LED-chip mit über 1.000 einzeln ansteuerbaren Lichtpunkten, der in einem intelligenten Pixelscheinwerfer zum Einsatz kommt.

Ob revolutionäre Technologie, neues Geschäftsfeld oder komplett neuer Marktzugang – die Digitalisierung des Lichtmarkts erfordert neuartige Denk- und Lösungsansätze.

Der Scheinwerfer bringt blendfreies Licht und damit mehr Sicherheit auf die Straße. Auch bei unserem Geschäft mit optischen Halbleitern sind wir in vielen Anwendungsbereichen führend, z. B. beim Iris-Scan, der in vielen Feldern zum Einsatz kommt. Dabei reicht es zur Entsperrung des Smartphones, kurz blinzelfrei auf das Display zu schauen. Damit sind die Eingabe des Pin-codes oder ein Fingerabdruck überflüssig.

Was die Prozesse angeht: Ja, um Innovationen als erster auf den Markt zu bekommen, braucht es eine flexible Struktur, schlanke, schnelle Prozesse und die richtige Kultur – auch hier arbeiten wir daran, uns ständig weiter zu entwickeln.

Und wie sieht Ihr Innovationsrezept aus?

Es gibt kein Einheitsrezept. Ob revolutionäre Technologie, neues Geschäftsfeld oder komplett neuer Marktzugang – die Digitalisierung des Lichtmarkts erfordert neuartige Denk- und Lösungsansätze. Unser neuestes Beispiel ist unser konzerneigener Business Accelerator, die Fluxunit, für die Entwicklung und Umsetzung innovativer Ideen – über das klassische Lichtgeschäft hinaus. Die flexible Einheit außerhalb der etablierten Strukturen dient als Anlauf- und Andockstelle für externe und interne Startups.

Vernetzung spielt wie bereits geschildert bei Smart Cities oder Gebäudemanagement eine wichtige Rolle.

Ebenfalls außerhalb bestehender Geschäftseinheiten, aber innerhalb unserer Strukturen, sind zwei so genannte Innoventures – quasi interne Startups – angesiedelt. Hier verfolgen wir Projekte wie Lichtsteuerung via App oder Indoor-Navigation und bieten damit neben konkreten Lichtlösungen Dienstleistungen an, also einen konkreten Mehrwert für unsere Kunden.

Auch unsere Business Units verfolgen in punkto Innovationsmanagement je nach Thematik verschiedene Ansätze. Beispielsweise über die Identifizierung von Nischen mit großem Wachstumspotenzial. Das heißt, am Anfang steht der potenzielle Markt und nach der Analyse wird nach der entsprechenden technischen Lösung gesucht. Zum Beispiel wurde so das Thema urbane Landwirtschaft – inklusive Indoor Agriculture – bei OSRAM etabliert und gewinnt nun an Bedeutung.

Welche Rolle spielt das Internet der Dinge für OSRAM?

OSRAM ist licht und licht ist digital. Vernetzung spielt wie bereits geschildert bei Smart Cities oder Gebäudemanagement eine wichtige Rolle. Schon heute werden Innovationen in der Lichtbranche häufig mit Unterstützung von Softwarespezialisten entwickelt, künftig wird es ohne sie nicht mehr gehen. Diesen Wandel, der zu einer nachhaltigen Entwicklung führen soll, wollen wir ermutigen, unterstützen und vorantreiben.