Mit dem Anspruch faire und ästhetische Mode zu gestalten, gründete die Designerin bereits 1994 ihr erstes Unternehmen THC – The Hanf Company – und schaffte damit einen Durchbruch. Mit viel Pioniergeist und modischem Verständnis brachte sie eine reine Hanfkollektion erfolgreich auf den Markt. LANIUS steht seit 20 Jahren für Fair & Organic Fashion, die mehr kann als gut aussehen: Ökologische Materialien in Einklang bringen mit fairen Arbeitsbedingungen, femininen Silhouetten und einer perfekten Passform – daran arbeitet Claudia Lanius mit ihrem 20-köpfigen Team in der Kölner Südstadt jeden Tag. In den vergangenen zwanzig Jahren ist im Bereich Nachhaltigkeit in der Modeindustrie viel passiert. Lesen Sie im Interview mit Claudia Lanius was sich seit den Anfängen des Labels Ende der 90er bis heute alles verändert hat.

Heute sprießen neue nachhaltige Labels immer häufiger hervor. Vor zwanzig Jahren war das sicher anders. Was war für Sie in der Anfangszeit von LANIUS besonders wichtig?

Claudia Lanius: Ja, das war 1999 wirklich anders. Es gab damals nicht viele nachhaltige Modelabels und ich kannte meine Mitstreiter ganz gut. Mit LANIUS wollte ich meine Vision realisieren eine Kollektion zu kreieren, die die ganze Bandbreite nachhaltiger Materialien und Stoffe ausschöpft. Tatsächlich habe ich damals nur sehr zaghaft mit dem Schlagwort „nachhaltige Mode“ gearbeitet, da man damit schnell belächelt wurde. Mein Ziel war es, über einen hohen Modegrad und eine gute Passform meine Kundinnen zu erreichen – die Nachhaltigkeit gab es quasi on top mit dazu.

Aber dafür musste ich zunächst einmal gute und ehrliche Lieferanten finden. Rückblickend bezeichne ich die ersten 10 Jahre mit LANIUS als meine „Reise-Jahre“. Ich war wochenlang in Fabriken in Europa, habe in der Türkei monatelang Recherche betrieben und als es dann mit der Globalisierung so richtig losging, war ich in China und Südamerika unterwegs. Da habe ich natürlich Produktionsstätten gesehen, die mich bis heute nicht vergessen lassen, warum eine nachhaltige Produktion für alle Beteiligten die einzige Form von Produktion ist, die sich mit meinen Werten und Moralvorstellungen in Einklang bringen lässt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist sehr komplex und immer wieder hört man vom sogenannten „Siegel-Dschungel“. Wie informieren Sie heute Ihre Kundinnen?

Claudia Lanius: Die Vielzahl an Siegeln und Zertifizierungen macht es natürlich nicht leichter. In unserer Rolle als Fair Fashion Label werden wir uns immer häufiger bewusst, dass wir nicht nur einer Sorgfaltspflicht in Sachen „Transparenz der textilen Wertschöpfungskette“ nachkommen müssen, sondern auch eine Art „Bildungsauftrag“ haben. Denn im Gegensatz zu früher als „Öko-Mode“ es aufgrund ihrer - naja nennen wir es mal „Ökig-keit“ (lacht) - noch schwer hatte, herrscht heute ein großes Interesse an den Hintergründen zu einem bestimmten Material und dem Produktionsland. Als GOTS-zertifiziertes  Label (Global Organic Textile Standard) sind auch viele unserer Kleidungsstücke GOTS-zertifiziert. Somit ist die gesamte textile Lieferkette – vom Anbau bis zur Produktion – in jedem Teilschritt zertifiziert.

Mit dem PETA Approved Vegan Label zeichnen wir die Kleidungsstücke unserer Kollektion aus, die keinerlei tierische Bestandteile aufweisen – dazu zählt beispielsweise auch schon Bienenwachs. Die Abkürzungen kbT und kbA stehen für eine kontrolliert biologische Tierhaltung und den kontrolliert biologischen Anbau. Dann gibt es noch wichtige Standards, wie den SA8000 und den BSCI Code of Conduct, die für die Sicherung der Sozialstandards in den Produktionsbetrieben maßgeblich sind. Man merkt es an dieser kurzen Aufzählung schon, dass wir fast wieder im Siegel-Dschungel angekommen sind. Darum haben wir uns entschieden mit Icons als Leitsystem zu arbeiten, um konkrete Anhaltspunkte zu den Nachhaltigkeitskriterien entlang der textilen Wertschöpfungskette zu geben. In regelmäßigen „Travel Journals“ berichten wir darüber hinaus von unseren Reisen in diese Produktionsländer.

Seit 20 Jahren gilt LANIUS als Pionierlabel im Fair Fashion Bereich. Was bringen die nächsten Jahre?

Claudia Lanius: In den letzten Jahren haben wir unsere Position sehr gut konsolidieren und ausbauen können. Wir haben einen eigenen Onlineshop aufgebaut, viele neue Einzelhandels-Kunden von unserer Kollektion überzeugt und das gesamte LANIUS-Team ist gewachsen. Die Nachhaltigkeit selbst zeigt uns dabei immer wieder, dass sie kein feststehender Status ist, sondern ein fortwährender, andauernder Prozess. Und somit stoße ich auf immer neue Themenbereiche, die unser Mitwirken erforderlich machen. Aktuell ist es das Thema Plastikverpackungen.

Wir leben im Plastik-Zeitalter und die verheerenden Folgen unseres immensen Verbrauchs machen sich in unserer Umwelt unaufhaltsam bemerkbar. Das betrifft auch uns als nachhaltiges Modelabel, denn unsere zertifizierte Kleidung wird in Polybags verschickt: Beuteln aus Polyethylen - in Kunststoff, der zwar recyclingfähig ist, aber aus Erdöl gewonnen wird. Eine nachhaltige Verpackungsalternative muss gefunden, wenn nicht sogar erst noch entwickelt werden und dazu habe ich mich mit 13 anderen nachhaltigen Labels und Unternehmen - wie dem IVN - zur #NOPLASTIC-Initiative zusammengeschlossen.

In regelmäßigen Treffen möchte ich mit der Initiative wirksame Lösungen finden, um mit vereinten Kräften die Reduktion des Plastikverbrauchs aktiv und vollumfänglich voranzutreiben. Als erste Maßnahme haben wir gerade zum Start in die neue Saison einen Testlauf mit Taschen aus Pergaminpapier gestartet, das ausschließlich aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft stammenden Pflanzenfasern und Wasser besteht.