Außerdem müssen wir mit dem Umstand umgehen, dass aus asiatischen Ländern Kunststoffprodukte mit einer schlechten Materialqualität in einem Volumen von etlichen Millionen Tonnen weltweit exportiert werden, in den Zielländern aber zum Teil ambitionierte Wiederverwertungsquoten erreicht werden sollen, ohne dass beim Design der Produkte auf die Recyclingfähigkeit geachtet wird.

Die Entsorgungswirtschaft in Deutschland hat, getrieben von der Innovationskraft zahlreicher mittelständischer Unternehmen und basierend auf einigen guten gesetzlichen Rahmenbedingungen, Strukturen aufgebaut, die weltweit als vorbildlich gelten. Dazu gehören die umfassende Getrenntsammlung und Anlagen zur Aufbereitung und zur Verwertung, aber auch die Produzentenverantwortung. Kreislaufwirtschaft ist das Fundament für Klimaschutz und Energiewende.

Rund 10.800 Unternehmen mit insgesamt 300.000 Beschäftigten erwirtschaften einen Jahresumsatz von circa 76 Milliarden Euro. Unsere Branche beliefert die Industrie in Deutschland mit Rohstoffen und hat durch die Beendigung der Deponierung von Hausmüll einen der größten Branchenbeiträge zur Reduzierung von Methangasemissionen geleistet. Kreislaufwirtschaft ist kein Thema aus der Umweltnische, sondern ein besonders überzeugendes Beispiel für die ökologische Modernisierung unserer Wirtschaft. Die großen globalen Herausforderungen der Menschheit – Klimawandel, Energiewende und Ressourcenschonung – werden nur zu lösen sein, wenn wir auf mehr Kreislaufwirtschaft setzen. Es muss gelingen, so zu produzieren und zu konsumieren, dass wir Ressourcen ge- und nicht verbrauchen, dass wir statt linearer Entsorgung Kreisläufe wirklich schließen.

Die Zahlen sprechen für sich: Allein die dualen Systeme in Deutschland – sie organisieren die Entsorgung unter anderem von Verpackungsmaterialien – sparen jährlich rund 3,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente hauptsächlich durch gesammelte und zu Recyclingrohstoffen aufbereitete Kunststoffe ein. Mit dem seit Jahresbeginn in Kraft getretenen Verpackungsgesetz gelten noch höhere Recyclingquoten. So müssen aktuell 58,5 Prozent der gesammelten Kunststoffabfälle recycelt werden. Ab 2022 liegt die Quote bei 63 Prozent. Altpapier und Altglas erreichen bei ihren Verwertungsquoten Spitzenwerte von mehr als 90 Prozent.

Ist mit höheren Quoten alles getan? Nicht ganz, denn Rezyklate müssen auch tatsächlich in der Industrie zum Einsatz kommen. Dafür muss ein Markt entstehen. Ein Schritt in die richtige Richtung kann der europäische Vorschlag einer Minimal-Content-Regelung sein. Mit der Festlegung eines Mindestsatzes an Rezyklaten in bestimmten neuen Produkten wird Nachfrage und damit mehr Markt für Rezyklate geschaffen.

Die öffentliche Hand ist aber nicht nur in der Regelungsgestaltung gefordert, wenn es um Kreislaufwirtschaft geht. Sie kann beim Materialeinkauf in Bund, Ländern und Gemeinden schon jetzt die geltenden Regelungen des Green-Public-Procurement, der umweltfreundlichen Beschaffung, in die Tat umsetzen. Deutschland kauft jährlich Material für 400 Milliarden Euro ein. Hier müssen ökologische Kriterien stärker zum Tragen kommen. Und auch international muss die Kreislaufwirtschaft eine größere Rolle spielen. Dafür muss die Politik die internationale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet ausbauen. Voraussetzung für weltweit hochwertiges Recycling ist die sinnvolle und saubere Trennung der Stoffe, zu der zwingend auch der Aufbau und Betrieb einer soliden Sammelinfrastruktur weltweit gehört. Die Kreislaufwirtschaft in Deutschland kann dazu das Know-how und die Technologie liefern.

Es ist auch in unserem Interesse, Kreislaufwirtschaft weltweit zu etablieren. Denn die Beschädigungen der Umwelt durch fehlende oder unzureichende Entsorgungsstrukturen sind ein globales Thema. Man schätzt, dass 90 Prozent der Plastikabfälle in den Meeren aus zehn Flüssen stammen – acht dieser Flüsse liegen in Asien, zwei sind in Afrika. Wenn wir dort gezielt beim Aufbau von Strukturen helfen, nutzen wir den Menschen vor Ort und schützen unsere gemeinsamen natürlichen Grundlagen.