Worauf legst du beim Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz besonders viel Wert?

Für mich lag der Schwerpunkt bei der Mode. So bin ich reingekommen. Ich habe mir meinen ökologischen Fußabdruck im Bereich Textilien angeschaut. Irgendwann ist dieses Interesse in andere Lebensbereiche übergegangen. Jetzt versuche ich außerdem, Treibhausgase und CO2 zu reduzieren. Aber auch Themen wie Plastik in Konsumgütern beschäftigen mich.

Worauf muss ich achten, wenn ich als Konsument Bekleidung kaufen möchte, die sozial fair und ressourcenschonend produziert ist?

Bei Kleidung gibt es zum Beispiel das GOTS-Zertifikat, das für Global Organic Textile Standard steht. Es sichert qualitativ die gesamte Lieferkette ab, weil jede Produktionsstätte vom biologisch erzeugten Rohstoff wie Baumwolle bis zur Fertigung wie Spinnerei oder Weberei bis hin zu Farben oder Druck eine GOTS-Zertifizierung benötigen.

Sinnvoll ist auch Fairtrade. Hier zahlt man als Konsument einen Aufschlag, der mit einem bestimmten Prozentsatz im Preis enthalten ist. Diese Summen gehen in einen Fair Trade Fund und ihre Teilnehmer entscheiden, für welches Projekt sie verwendet werden, zum Beispiel Solarmodule in einem Dorf des globalen Südens.

Wie finde ich mich als Konsument bei Lebensmitteln zurecht, wenn ich sie fair produziert und umweltfreundlich kaufen will?

Man sollte auf jeden Fall auf diverse Siegel schauen. Wichtig sind hier Bio- oder Fairtrade-Zertifikate. Es ist nicht zwangsläufig besser, regional zu kaufen. Denn die Transportkosten machen in der Regel nur sechs Prozent aus. Wichtig ist eher, welches Lebensmittel ich esse. Hier sind die Werte für CO2 und Treibhausgase entscheidend. Selbst wenn man Fleisch aus einer lokalen Quelle isst, hat es immer noch einen größeren ökologischen Fußabdruck als Gemüse, das aus dem Ausland importiert wird.

Deine Tipps für Anfänger für ein Leben ohne Müll – was kann man im Alltag machen um weniger davon zu produzieren?

Es beginnt mit ganz einfachen Dingen. Statt Einweg- lieber Mehrwegflaschen kaufen oder den Mehrwegbecher mitnehmen. Gemüse und Obst gibt es oft verpackungsfrei, genauso wie auf lokalen Märkten, beim Bauern oder in speziellen Supermärkten. Eine Stofftüte statt Einwegtüten mitnehmen. Irgendwann geht man dann mehr ins Detail. Ich habe immer einen Löffel und eine Stoffserviette bei mir. Zugtickets kann man mobil beziehen und Kataloge und Werbung auf Papier abbestellen.

Du hast vor einiger Zeit Deinen Kleiderschrank von Fast-Fashion befreit und dafür Fair-Fashion den Einzug gewährt. Würdest Du den Leserinnen und Lesern empfehlen, es genauso zu machen?

Das ist eine sehr gute Frage. Es kann einem plötzlich richtig schlecht werden, wenn man Textilien im eigenen Schrank findet, die auf schreckliche Art und Weise hergestellt wurden. Da will man sich von allem entledigen und nur noch faire Mode kaufen und konsumieren. Es ist aber nicht unbedingt sinnvoll, alles wegzugeben, selbst wenn man es spendet. Denn man tauscht nur eine Ressource, die schon im Zyklus ist, gegen eine neuere, für die viele Ressourcen gebraucht wurden.

Besser ist es, ausgewählt und weniger zu kaufen, seine Kleidung lange zu tragen, sie auszubessern und dann beim Kauf auf Second-Hand oder Fair-Fashion zu vertrauen. Ich hätte im Nachhinein auch mehr von meiner Fast-Fashion aufbrauchen sollen, anstatt noch mehr Textilmüll zu produzieren.

Man sollte auch nicht immer alles glauben, was einem Firmen erzählen. Es gibt zum Beispiel einen großen schwedischen Textilhersteller, der mit der Better Cotton Initiative wirbt. Aber die ist an der Nachhaltigkeit nicht so nah dran wie GOTS. Oder bei einer Conscious Collection einer Fast-Fashion-Firma wird Biobaumwolle verwendet. Das ist natürlich toll. Aber man darf nicht denken, dass das der Perfektion eines ethischen, ökologischen Kleidungsstücks entspricht.

Was mache ich denn nun aber mit Bekleidung, die zwar noch top in Schuss ist, die ich aber nicht mehr tragen möchte?

Zuerst denkt man an natürlich an eine Spende. Aber es sind definitiv genug Textilien im Umlauf. Also nicht einfach blind wegbringen. Man sollte vorher immer schauen, welche Sachspenden eine Organisation wirklich braucht. Sonst hat sie womöglich unnötigen Mehraufwand. In Sachen Recycling lohnt ebenfalls ein genauer Blick. Recycling ist sehr komplex. Für Synthetik wird Erdöl verwendet. Dafür ist aber bei Naturfasern viel Wasser im Spiel. Mischfasern, die aus 95 Baumwolle bestehen und zu 5 Prozent aus Elastan, kann man oft nur downcyclen und hat am Ende leider Müll. Aber gibt auch gute Upcyleprojekte, die aus alten Kleider etwas gutes Neues machen.

Viele Leute haben bei Fair-Fashion Vorurteile, dass die Mode altmodisch ist. Inwiefern gehören Fair-Fashion und aktuelle Modetrends für dich zusammen?

Menschen wie ich beweisen, dass man nicht nach Müsli aussehen muss, wenn man eine Ökoschnitte ist. Es gibt so viele Labels und coole Kleidung in jedem Preissegment. Ich würde da raten, auf meinem Instagram vorbeizuschauen.

Das neue Jahr nähert sich in Eiltempo: Welche Nachhaltigkeitsvorsätze hast Du für das neue Jahr?

Ich möchte mein eigenes Label noch nachhaltiger und fairer gestalten. Und ich möchte weniger fliegen. Da habe ich eh schon sehr reduziert, will aber noch mal strenger sein. Das sind meine Goals für 2019.