Herr Burchard, mit welchen Herausforderungen sieht sich die Welt in Zukunft konfrontiert?

Eine der größten Herausforderungen stellt die ungleiche Verteilung von Trinkwasser auf der Welt dar. Wasser ist das einzige nicht substituierbare Lebensmittel und bedarf besonderer Beachtung. Während einige Länder über mehr Wasserreserven verfügen, als sie verbrauchen können, herrscht in anderen Ländern akuter Wassermangel. Hinzu kommt das häufig unterschätzte Thema Trinkwasserhygiene.

Denn wie jedes andere Lebensmittel kann Wasser verderben – beispielsweise durch Stagnation. Was viele Menschen nicht wissen: Trinkwasserhygiene ist nicht nur in Entwicklungsländern mit geringen Hygienestandards ein Thema. Auch in Deutschland kann es durch fehlerhafte Installation, falsch prognostiziertes Nutzungsverhalten oder minderwertige Produkte zu Hygieneproblemen kommen.

Was bedeutet dies konkret für unser Nutzerverhalten? Sollten wir in Deutschland Wasser sparen?

Deutschland ist ein sehr wasserreiches Land. Wir verbrauchen nicht einmal 20 Prozent der verfügbaren Wasserreserven. Leider kann „angespartes“ Wasser zum heutigen Stand nicht in wasserärmere Länder umgeleitet werden. Daher bringt übermäßiges Wassersparen keinen Zugewinn, im Gegenteil: Wird zu viel Wasser gespart, bedroht dies die Trinkwasserhygiene.

Denn man benötigt eine gewisse Durchflussrate, um Hygieneproblemen im Trinkwasser vorzubeugen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass wir den ganzen Tag den Wasserhahn laufen lassen sollten. Ein sorgsamer Umgang mit der kostbaren Ressource ohne extreme Sparmaßnahmen ist ein gesunder Mittelweg für Deutschland.

Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang vonseiten der Sanitärbranche und der Politik in Zukunft?

Von der Sanitärbranche wünsche ich mir, dass sie ihre Kunden noch stärker für das Thema Trinkwasserhygiene sensibilisiert. Gerade in öffentlichen Gebäuden mit Nutzungsunterbrechung – beispielsweise Schulen – ist das ein großes Thema.

Hier ist es an Planern, Installateuren und Architekten, intensiv zu beraten und mögliche Risiken aufzuzeigen. Wichtig ist dabei auch die optimale Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Gewerken. Es sollte ganz klar definiert sein, wer die Anforderungen der Trinkwasserhygiene im Auge behält.

Von der deutschen Politik wünschen wir uns ganz klar mehr Rückendeckung. Immer wieder wird auf europäischer Ebene über die Absenkung von Mindesttemperaturen im Warmwasserbereich oder über die Harmonisierung von Hygienestandards diskutiert.

Eine Absenkung von Temperaturen birgt jedoch ebenfalls Gefahren für die Trinkwasserhygiene, da sie beispielsweise das Wachstum von Legionellen im Trinkwasser begünstigt. Bei einer Harmonisierung europäischer Hygienestandards – die wir prinzipiell befürworten – ist zu befürchten, dass das hohe deutsche Niveau nicht für alle Länder realisierbar wäre.

Findet eine Einigung in der Mitte statt, bedeutet das für Deutschland de facto eine Absenkung der herrschenden Standards. Dies wollen wir verhindern. Die gewohnt hohen Standards der deutschen Trinkwasserhygiene müssen aus unserer Sicht erhalten bleiben. Wir stehen dazu bereits in engem Austausch mit der Politik und wünschen uns, dass das Thema Trinkwasserhygiene im Bundestag mehr Beachtung findet.


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