Herr Sagawe, Abwasser als Ressource? Wir reden wirklich über „das, was bei großen Industrieanlagen hinten rauskommt“?

Industrielle Abwässer werden immer häufiger als Ressourcenquelle gesehen. Aus organisch hochbelasteten Abwässern kann zum Beispiel heute Biogas gewonnen werden. Durch optimierte Verfahrensprozesse, energieeffiziente Komponenten oder die Rückgewinnung von Wärmeenergie lassen sich große Energieeinsparungen realisieren. Intelligente Automatisierungstechnik, robuste Online-Messtechnik und optimierte Betriebsmittel reduzieren Betriebskosten. Wertstoffe werden immer häufiger aus den Abwässern gewonnen und in die Produktion zurückgeführt - verborgenen Potentiale, die es zu nutzen gilt.

Energie und Wertstoffe aus Industrieabwasser, intelligente Wasserkreisläufe – das hört sich kompliziert und aufwendig an. 

Ist es auch! (lacht) Lohnt sich aber. Als Ingenieur sehe ich die technische Seite von Haus aus als Herausforderung. Kompliziert wird es vor allem – und völlig zu Recht – weil die Anforderungen zur Behandlung von industriellen Abwässern stetig zunehmen. Neben den länderspezifischen Regelwerken bewirkt die gesellschaftliche Sensibilität für nachhaltiges Produzieren bei internationalen Konzernen ein Anheben der firmeninternen Umweltstandards. Kreisläufe für Wasser, Energie und Wertstoffe werden weiter geschlossen und der Bedarf an Betriebsmitteln minimiert. Ein wichtiger Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaften.

Moment. Das sind ja jede Menge Probleme und strenge Auflagen!

Das sind doch keine Probleme, das sind Herausforderungen! Na klar, die mit dieser Entwicklung verbundene weitere Dezentralisierung von Wasseraufbereitungsanlagen und die zunehmende Komplexität der Verfahrenstechnik stellen neue Aufgaben an das Engineering, den Bau von Anlagen und an die Standardisierung von Verfahrensbausteinen – aber das ist doch Teil der Lösung, nicht des Problems. Es kommt allen zugute, wenn insgesamt sauberer und effizienter gewirtschaftet wird; und ist natürlich auch gut für den, der solche Anlagen bauen kann.

Was sind das für Anlagen, wie kann man sich das als Laie vorstellen?

Der Export von Anlagen zur Wasser- und Abwasserbehandlung an viele Einsatzorte weltweit führt zu einem hohen Aufwand bei der vor Ort Montage, an die Logistik und an die Baustellenkoordination. Wir reduzieren diese Komplexität mit unserem Konzept für modulare Anlagensysteme. So können wir effizient und schnell durch die Kombination von einzelnen modularen Verfahrensstufen Anlagen so zusammenstellen, damit die passgenau die Kundenanforderungen erfüllen. Bei uns werden komplette Anlagen am Hauptsitz in Deutschland gefertigt und in einzelne Module zerlegt zum Einsatzort transportiert und wieder zusammengefügt. Die Anlagen sind erweiterbar, umzugsfähig und bei Veränderungen der Produktionsprozesse flexibel anpassbar.