Im Januar hat die EU eine neue „Plastikstrategie“ vorgestellt. Ihre Reaktion?

Einen Großteil dieser Themen haben wir in Deutschland schon im Rahmen des deutschen Verpackungsgesetzes diskutiert, das im Juni verabschiedet wurde und zum Januar 2019 in Kraft tritt. Insofern ist das für uns keine neue Diskussion. Aber wenn Sie mich fragen nach unserer Reaktion: wir hoffen darauf, dass das Thema jetzt weiter versachlicht wird. Dass die Emotionen rausgehen. Man hat ja manchmal den Eindruck, dass wir in Müllbergen ersticken, wenn man die veröffentlichte Meinung sieht. Versachlichung heißt auch, mal zu diskutieren, was in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren in Deutschland passiert ist.

Was ist passiert?

Wir vermüllen jedenfalls mit Sicherheit keine Meere. Wir haben in Deutschland einen Großteil unserer Hausaufgaben gemacht. Klar: das Bessere ist der Feind des Guten. Wir können und müssen mehr machen, insofern ist der Vorstoß der EU natürlich zu begrüßen – wie alles, das dazu beiträgt, dass wir uns gemeinsam intensiver um das Thema Recycling kümmern, und die wirklich dementsprechenden Wirtschaftskreisläufe aufgebaut werden. Was ist bei uns passiert? Fünfzehn Jahre nach Einführung des Pfands auf Getränkeverpackungen werden heute 98,5% der Dosen und Flaschen vom Verbraucher zurückgegeben – und von den Flaschen werden 97,9% recycelt.

Also eigentlich alles!

Fast alles. Bei Dosen werden 99% recycelt, wir sind also – mindestens - auf dem richtigen Weg. Wir können sicherlich an einigen Stellen unsere Anstrengungen noch ausweiten. Aber dazu sind Industrie und Handel ja auch bereit.

Es heißt immer, Recycling soll ein „lohnendes Geschäft“ werden. Muss das eigentlich sein? Könnte die Politik nicht auch Regeln vorgeben, die letztendlich alle einsehen?

Nein. Die Erfahrung und viele Studien zeigen das deutlich: ohne den Einklang von Ökonomie und Ökologie erreicht man nichts. Unser Pfandsystem ist ein gutes Beispiel. Ohne das Pfand von 25 Cent wäre der Anreiz für den Verbraucher nicht groß genug, das Gebinde zurückzugeben. Also, mit Appellen ans gute Gewissen kommt man nicht weit, es braucht Anreize und konkrete Handhabung. Das gilt für Industrie und Handel genauso wie für den Verbraucher.

Sehen Sie in absehbarer Zukunft eine wirkliche Trendwende? Wenn die Kommission davon spricht, dass „2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische“, entsteht der Eindruck, hier ist „eh alles zu spät“.

Da kommen wir wieder zum Thema der Versachlichung. Wir müssen einfach damit rechnen - das sagt auch das Umweltbundesamt - dass der Verpackungsverbrauch in unserer Gesellschaft weiter ansteigen wird. Drei wichtige Gründe. Wandel und Anstieg des Verpackungsnutzens: immer mehr Produkte müssen durch gesetzliche Vorgaben immer mehr verpackt werden. Das zweite sind die sozio-ökonomischen Entwicklungen, also Zunahme an Ein-Personen-Haushalten und dadurch größerer Verbrauch von kleineren Verpackungseinheiten. Und der dritte Punkt ist der Anstieg des Versandhandels. Es ist also eine totale Illusion zu glauben, wir könnten in absehbarer Zeit plastikfrei leben. Die Strategie muss sein, bessere Marktbedingungen für Recycling zu schaffen. Es geht immer um den Einklang von Ökologie und Ökonomie.