Nicht nur eine grundsätzlich kürzere Nutzungsdauer beschreibt hier das Bild, sondern auch Fehlkäufe oder Teile, die schnell „aus dem Trend“ kommen. Zu den Kleidermüllbergen kommen Unmengen an Stoffresten und Verschnitten, die bei der Textilproduktion anfallen. So ist nicht verwunderlich, dass der ökologische Fußabdruck in Deutschland mit 5,3 gha (globaler Hektar) pro Person weit höher ist als im weltweiten Vergleich.

SLOW FASHION PERSPEKTIVE

Modelle des Tauschens, Teilens und Leihens (Re-use) oder langlebige, umweltverträgliche Produkte (Fair & Eco-Fashion) bieten die Möglichkeit, den persönlichen Fußabdruck zu verkleinern und dem Bekleidungs-Überfluss entgegenzuwirken. Das Konzept der Slow Fashion liefert uns durch ihre vielen Facetten Hilfestellungen, über die gewohnten Grenzen hinaus zu denken und zu handeln.

Ausgangspunkt ist ein achtsamerer Umgang mit dem eigenen Konsum- und Wegwerfverhalten. Neben dem Re-duce oder Re-pair-Gedanken gewinnt der Bereich des Re-design (Umgestalten) aktuell für Produzent_ und Verbraucher_innen stark an Bedeutung. Besonders das Upcycling, bei dem alte Materialien zu neuen, hochwertigen Produkten aufgewertet und veredelt werden, wird nicht nur von Modeschaffenden als ein Modell der Zukunft gesehen, sondern begegnet uns auch vermehrt im Alltag in Form von zahlreichen Tutorials in DIY Magazinen und Blogs.

ERLAUBT IST, WAS GEFÄLLT

Im Fokus stehen Wertschätzung gepaart mit Ressourcenschonung und Müllvermeidung – klingt erstmal langweilig – die upgecycelten Teile sind aber meist vor allem eins: must haves. Ob Smartphone Sleeves aus ausrangierten LKW-Planen, Jeans aus Altpapier, Schuhe aus aus dem Meer gefischten PET Flaschen oder Gürtel aus Feuerwehrschläuchen, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Die handgefertigten, hochwertigen und langlebigen Stücke sind einzigartig, gut kombinierbar und sie hat ganz sicher nicht Jede/r.

SOCIAL DESIGN & GOLD AWARD

Viele Upcycling-Labels engagieren sich in sozialen Projekten: aluc aus Berlin kooperiert im Projekt „The Invincible Shirt“ mit Überlebenden von Rana Plaza und das in Hamburg-Wilhelmsburg beheimatete Social Design Label Bridge & Tunnel schafft neue Arbeitsplätze, indem es Langzeitarbeitslosen die Chance gibt, wieder Fuß zu fassen, das Ergebnis sind großartige Denim Accessoires, die keine Spur von „alt“ sind. Nicht zuletzt machen die kreativen und herausragenden Ideen sie oftmals zu Preisträgern von internationalen Auszeichnungen.

Das Label Zirkeltraining™ ist z.B. Gewinner des German Brand Award 2017 Gold, die höchste Auszeichnung für erfolgreiche Markenführung – und das zu Recht! Bernd Dörr, Turnvater der frühen Stunde und Inhaber der Upcycling-Marke, stellt seit 10 Jahren Taschen, Accessoires und Möbel aus gebrauchtem Sportgeräte-Leder und recycelten Turnmatten her. Die Idee entstand übrigens zufällig durch einen Sperrmüllfund – nachhaltiger geht’s nicht. „Sport frei!“ heißt es im Pressetext des Retrolabels und wach werden Erinnerungen an die eigene Schulsportstunde, an den hellbraunen, abgegriffenen Springbock und die blaue Gummimatte.

Besonders die neue Laptop-Tasche, ein Unikat made in Germany, transportiert vertraute Emotionen in coolem Design mit perfekt abgestimmter Funktionalität. Verschiedene Fächer fürs Handy, Stifte, Kleinkram, das herausnehmbare Laptop-Sleeve und eine schmale Aktenmappe zum Einstecken schaffen Ordnung im Innenleben. Der neue Alltagsbegleiter macht großen Spaß und ist definitiv ein Lieblingsstück, das einen zum Schmunzeln bringt, denn auch der Name ist Kult: „Sportdirektor“.

Information

Das ganze Slow Fashion ABC und vieles mehr rund ums Thema Nachhaltigkeit in Mode und Textil gibt es auf: slowfashionblog.de.