Was ist aber mit Brücken, Straßen, Häusern oder Erdaushub? Im Land des „Recyclingweltmeisters“ wird in der Regel nur das Recycling von Kunststoffen, Glas oder Papier thematisiert. 

Die für den Bürger sehr greifbaren, weil haushaltsnahen Abfälle repräsentieren jedoch nur einen Bruchteil der gesamten Abfallmenge, die jährlich in Deutschland anfällt. Der weitaus größte Mengenstrom im jährlichen Abfallaufkommen ist der Bau- und Abbruchabfall. Jährlich fallen knapp 200 Millionen Tonnen mineralische Abfälle an; dem gegenüber stehen „nur“ knapp 37 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle. 

Die Leistungsfähigkeit der Branche ist angesichts der jährlich anfallenden Mengen enorm: Die Fraktionen Boden und Steine, Bauschutt, Straßenaufbruch oder Baustellenabfälle als Großteil der mineralischen Abfälle in Deutschland werden nahezu vollständig umweltverträglich wiederverwertet.

Mengenmäßig bedeutete dies beispielsweise, dass im Jahr 2010 von 53,1 Millionen Tonnen angefallenem Bauschutt 41,6 Millionen Tonnen recycelt und 9,3 Millionen Tonnen auf Deponien und zur Verfüllung von Abgrabungen verwertet wurden, was einer Verwertungsquote von 95,9 Prozent entspricht.

Beim Straßenaufbruch werden von den rund 14,1 Millionen Tonnen anfallendem Material 95,7 Prozent recycelt und weitere 2,9 Prozent im Deponiebau und im Rahmen der Verfüllung von Abgrabungen verwertet. Auch die Verwertungsquote von Baustellenabfällen ist mit 96,9 Prozent sehr gut. 

Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, was die Branche heute leistet. Sie kann es aber nur weiterhin leisten, wenn es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Boden- und Grundwasserschutz einerseits und der auf Ressourceneffizienz ausgerichteten Kreislaufwirtschaft andererseits gibt.

Die geplante bundeseinheitliche Verordnung für die Verwertung von mineralischen Ersatzbaustoffen und die Verwendung von Boden und bodenähnlichem Material muss dafür Sorge tragen, Engpässen bei Deponiekapazitäten für diese Materialien zu begegnen, die auch wegen der anhaltend guten Baukonjunktur mittelfristig drohen. Zum anderen muss sie die heute erreichten hohen Recyclingquoten auch zukünftig gewährleisten.

So konnten im Jahr 2010 65,2 Millionen Tonnen Recyclingbaustoffe rund 12 Prozent der in Deutschland eingesetzten Primärbaustoffe substituieren und somit zu einer nachhaltigen Rohstoffnutzung beitragen. Um die geschaffenen Stoffkreisläufe und das große Potential der mineralischen Abfälle weiterhin erfolgreich zu nutzen, ist es Aufgabe der Politik, bundeseinheitliche Vorschriften für das Recycling und den Einbau von Ersatzbaustoffen sowie für die Verfüllung von mineralischen Abfällen und Bodenmaterial zu schaffen.

Bisher bestehen durch länderspezifische Anforderungen Rechtsunsicherheiten und Wettbewerbsverzerrungen, die es auszugleichen gilt. Bund und Länder müssen jetzt eine ausgewogene Verordnung schaffen, die es auch in der Zukunft erlaubt, Ersatzbaustoffe einzusetzen.

Mit zu hohen und nicht sachgemäßen Anforderungen beim Boden- und Grundwasserschutz riskieren Bund und Länder aber nicht nur eine deutliche Kostensteigerung, sondern auch eine daraus resultierende vermehrte Deponierung von mineralischen Ersatzbaustoffen und Bodenmaterialien. Dies muss die Politik verhindern, wir brauchen auch bei Baumaterialien hohe Recyclingraten.