Du bist seit neun Jahren Fashionbloggerin und hast inzwischen Deinen Fokus auf nachhaltige Mode gesetzt. Warum?

Ausgangspunkt war vor sechs Jahren ein Shopping-Ban, den ich mir selbst auferlegt hatte. Meine Challenge war: Ich kaufe keine Klamotten, auch nicht Second Hand, und keine Kosmetik, außer zur Reinigung wie Zahnpasta oder Seife. Das habe ich konsequent durchgezogen. Ich wollte nicht ständig in den nächsten Konsumwahnsinn getrieben werden und plötzlich weniger Geld auf dem Konto haben. Es macht mich einfach nicht glücklich. Diese sechs Monate waren eine Art Reset-Button für mich. Ich habe mich währenddessen hinterfragt: Welche Kaufentscheidungen treffe ich? Welchen eigenen Stil entwickele ich überhaupt? Welche Mechanismen gibt es in der Bekleidungsindustrie, die unserer Welt nicht gut tun?

Auswirkungen haben diese Mechanismen unter sozialen und ökologischen Aspekten. Welche spielen für Dich eine Rolle?

Beide Komponenten hängen für mich zusammen. Die Industrie produziert mehr, schneller, billiger und wenig nachhaltig. Die Konsumenten kaufen es. Aber irgendjemand muss einen teuren Preis für die billigen Produkte zahlen. Das sind zum Beispiel Mitarbeiter, die unter schlechten Arbeitsbedingungen tätig sind, und die Umwelt. Ich habe mich damit intensiv inhaltlich beschäftigt und mir wurde bewusst, über wieviele Jahre ich mir beim Kaufen keinerlei Gedanken darüber gemacht habe, wo genau etwas her kommt und wie es hergestellt wird. Betroffen gemacht hat mich die Tragödie 2013 in Bangladesch. Über 1.100 Menschen starben bei dem Fabrikeinsturz des Rana Plaza Gebäudes, in dem viele westliche Fast-Fashion-Ketten produzierten, weil Sicherheitsstandards nicht eingehalten wurden und aufgrund illegal errichteter Stockwerke. Über solche Hintergründe möchte ich heute andere aufklären. Aber nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern auf positive Weise.

Worauf achtest Du beim Einkauf für eine nachhaltige Mode?

Ich durchlaufe mehrere Schritte, natürlich nicht immer hintereinander. Zuerst frage ich mich, ob ich überhaupt etwas kaufen soll. In der Regel tragen wir 40 bis 80 Prozent unserer Kleidung im Schrank gar nicht. Sie ist umsonst produziert. Eine weitere Option ist, ein Kleidungsstück Second Hand zu kaufen, für einen speziellen Anlass zu leihen oder zu tauschen. Schuhe lassen sich reparieren. Selbst für ausgelatschte Sneakers gibt es dafür Anbieter hier in Berlin. So abgedroschen es klingt: Ich setze auf Qualität, mit der ich mehr Freude habe, statt Quantität. Ich entscheide mich für nachhaltige Brands und vegane Kleidung, vieles davon kaufe ich online. Wichtig sind mir auch natürliche Produkte aus Biobaumwolle oder Leinen.

Du ernährst Dich auch vegan – wie wichtig ist Dir ein veganes Leben?

Das ist bei mir noch ein Prozess. Ich bin auch nicht zu 100 Prozent Veganerin. Außerdem ist vegane Kleidung nicht automatisch nachhaltig, wenn man sie zum Beispiel zu viel oder in schlechter Qualität kauft. Seit ein paar Jahren verzichte ich auf neues Leder. Es ist ein Mythos, dass es sich automatisch um ein nachhaltiges Naturprodukt handelt. Ich versuche konsequent darauf zu verzichten.

Bekanntlich ist es nicht einfach, mit alten Gewohnheiten zu brechen. Was war in diesem Prozess Deine größte Herausforderung?

Schuhe. Ich kaufe inzwischen weniger, dafür teurer mit mehr Qualität. Ich habe relativ große und schmale Füße. Gerade, wenn ich auch noch auf Leder verzichten möchte und auch auf Second Hand setze, ist die Auswahl nicht groß.

Wie stellst Du Dir unsere Lebenswelt in der Zukunft vor?

Ich wünsche mir, dass wir alle mit Menschen, Natur und Tieren rücksichtsvoller umgehen.

Deine Top-3 für mehr Nachhaltigkeit beim Shoppen?

1. Nichts kaufen und Konsumverhalten hinterfragen

2. Alternativen suchen wie Second Hand oder Kleidertausch

3. Mehr Wertschätzung für Materialien und passende Pflege der Klamotten im eigenen Kleiderschrank

Das ganze Interview könnt ihr euch jetzt auch als Video angucken.