Darauf baut auch unser Verständnis von Nachhaltigkeit auf. Es basiert auf den Prinzipien wirtschaftlicher Erfolg, Fairness, Respekt sowie Verantwortung und umfasst die Dimensionen Gesellschaft, Ökologie und Ökonomie.

Unsere jüngst für den Maschinen- und Anlagenbau veröffentlichten nachhaltigen Leitsätze versuchen, diesem Anspruch gerecht zu werden. Dabei adressieren sie nicht nur strategische Themen, sondern beziehen auch operative und kommunikative Handlungen ein. Das Alleinstellungsmerkmal bilden sicherlich unsere „kulturellen“ Leitsätze. Damit gehen wir auf die Stärken ein, die unsere häufig inhabergeführten Unternehmen – sei es als Arbeitgeber, als regional verankerte Institutionen oder als verlässlicher Partner weltweit – besonders auszeichnen.

Was in der Praxis?

Die Technologien des Maschinen- und Anlagenbaus sind der Schlüssel für CO2-Minderung, Energieeffizienz und Ressourcenschonung. In über 200 Erfolgsgeschichten unserer Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence zeigen wir, wie Maschinenbaufirmen mit gutem Beispiel vorangehen. Sie verfolgen Nachhaltigkeit in zwei Richtungen: Zum einen mit dem Ziel, Nachhaltigkeit stärker in die eigene Organisation einzubinden. Zum anderen mit dem Anspruch, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln und zu vermarkten.

Dazu muss man wissen, dass die Produkte dieser Branche vielfach nicht in Serie hergestellt werden, sondern Einzelanfertigungen sind, die gemeinsam mit und nach den Wünschen des Kunden entstehen. Gerade im außereuropäischen Ausland bedarf es hier teilweise noch Überzeugungsarbeit, um den Kunden zum Kauf einer effizienteren teureren Maschine zu bewegen, die langfristig im Betrieb jedoch Energie, Ressourcen und damit Kosten spart. Hier könnte eine enge Verzahnung von Industrie 4.0 mit Nachhaltigkeitszielen dazu führen, dass der Produktlebenszyklusansatz zur Selbstverständlichkeit bei Kaufentscheidungen wird.

Was muss seitens der Politik getan werden, um die Voraussetzungen zu erfüllen?

Damit nachhaltige Kriterien für Investitionen eine entscheidende Rolle spielen, ist auch ein globales „Level-Playing-Field“ nötig. Die Agenda 2030 mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen weist hier den richtigen Weg. Deutschland muss seine internationalen Beziehungen nutzen, damit diese Ziele und somit verlässliche nachhaltige Mindeststandards auch weltweit umgesetzt werden.

Auch innerhalb Deutschlands sollten staatliche Organe und kommunale Einrichtungen mit gutem Beispiel vorangehen und ihre öffentliche Vergabepraxis sowie die Beschaffungskriterien ausschließlich an nachhaltigen Parametern ausrichten.

Wo steht Deutschland heute?

Deutschland ist sich seiner Aufgaben und Chancen bewusst. Das will ich am Beispiel der Energiepolitik verdeutlichen. Die Energiewende war ein Meilenstein und ein Schritt in die richtige Richtung. Doch es liegt noch viel Arbeit vor uns – sei es der Ausbau der Netzinfrastruktur, die Ankurbelung der Elektromobilität oder das Ausschöpfen der Energieeffizienzpotenziale im Gebäudesektor.

Ich hatte zuvor bereits das Level-Playing-Field genannt, das gilt auch in diesem Sektor. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sollte sich Deutschland auf europäischer und internationaler Ebene ganz konkret für eine allgemeine CO2-Bepreisung einsetzen.

Bitte wagen Sie einen Blick in die Zukunft. Wo könnten wir in zehn Jahren stehen?

Innovative Technologien sind der Schlüssel, um die globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Hunger, Armut und kriegerische Auseinandersetzungen einzudämmen und somit gleichzeitig Fluchtursachen zu bekämpfen.

Eine weitere Voraussetzung dafür bilden verbindliche, global gültige Mindeststandards, die das viel zitierte internationale Level-Playing-Field sicherstellen. Setzt die Politik hier die richtigen Rahmenbedingungen, kommen wir den Zielen der Agenda 2030 ein ganzes Stück näher.