Welche Verantwortung haben Ihrer Meinung nach Unternehmen gegenüber Mensch und Umwelt?

Eine große. Viele Unternehmer, die ich kenne, handeln nachhaltig – und es werden zum Glück auch immer mehr. Es entwickelt sich eine komplett neue Generation von Unternehmern, die realisieren, dass sie erfolgreich sein können und gleichzeitig die Fehler der Vergangenheit gutmachen. Green in Gold – das ist das Motto der Unternehmer von morgen.

Doch auch viele kleine Schritte können Großes verändern. Es muss eben nur getan werden. Für das Abwarten ist es längst zu spät

 

Natürlich gibt es da auch immer noch die Urgesteine, die ihr ganzes Unternehmen nicht von heute auf morgen umkrempeln können – da hängen schließlich auch Arbeitsplätze dran. Doch auch viele kleine Schritte können Großes verändern. Es muss eben nur getan werden. Für das Abwarten ist es längst zu spät.

Zu spät für was?

Geduld ist nicht mehr angebracht. Wir sind schon drei Schritte zu weit gegangen. Jetzt wird es Zeit, diese Fehler wieder gutzumachen und die Fehler der Vergangenheit nicht erneut zu machen, sondern es besser zu machen. Da muss jeder einen Beitrag leisten. Warten, bis alles besser wird? Dafür ist es zu spät.

Also liegt die Verantwortung nicht nur bei Unternehmen?

Nein, sie liegt bei jedem Einzelnen von uns. Wir können Unternehmen nicht die Schuld an der Misere geben. Jeder von uns trägt ebenso Schuld, wenn er die Produkte von Unternehmen kauft, die weder nachhaltig noch zukunftsweisend sind und die uns langfristig einfach nicht guttun.

Was macht Sie diesbezüglich wütend?

Die Unwahrheiten. Wenn ich höre, dass schwarze Schafe von Unternehmern kommunizieren, dass beispielsweise das Wasser durch ihre Produktion in Entwicklungsländern nicht verschmutzt wird. Wenn ich dann vor Ort die Chemikalien und Schwermetalle sehe, die darin schwimmen, und die Kinder, die in dem Wasser spielen, davon trinken und schlussendlich sehr krank werden – ja, das macht mich emotional und sehr wütend. Solche CEOs haben in Unternehmen von morgen nichts mehr zu suchen. Die müssen weg. Denn diese Denkweise macht krank, ist schlecht für das Klima und schlussendlich gefährlich für jeden von uns.

Für viele Menschen sind solche Situationen viel zu weit weg…

Sie kommen aber irgendwann bei uns in Europa an – eher früher als später. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass all das Elend, das beispielsweise falscher Konsum anrichtet, an uns vorübergeht. In diesem Zusammenhang fällt mir gerade Tschernobyl ein. Ich war noch ein Kind, als die Katastrophe passiert ist. Und obwohl das so weit weg von meiner Heimat Irland geschehen ist, durften wir die Häuser nicht verlassen. So viel zum Thema Entfernung. Wir müssen anfangen, uns als Weltvolk zu sehen, und gemeinsam das Beste für die Zukunft herausholen.

Welche Kriterien beeinflussen Ihr persönliches Konsumverhalten?

Konsequenz – in allem, was ich tue. Meine Meinung ist: Wer viel Geld hat, sollte viel geben. Wer weniger hat, muss nur wenig geben – Hauptsache, du gibst! Viele kleine Schritte führen am Ende zu einem großen Ganzen.

Bitte erklären Sie das genauer.

Jemand, der viel hat, steht auch in der Verantwortung, beispielsweise den kleinen Bioladen an der Ecke, wo alles teurer ist, zu unterstützen. Ich verdiene im Moment gut, und da ist es für mich selbstverständlich, so zu handeln. Ich war aber auch mal arbeitslos, hatte nur 20 Euro die Woche und dachte: „F**k!“ Doch auch in diesen schlechteren Zeiten habe ich versucht, Dinge zu verändern – eben nur in einem kleineren Rahmen. Ich habe mir dann kein Fleisch beim Discounter gekauft, sondern einmal die Woche im Bioladen. Jeder sollte sich kleine Ziele setzen, wir müssen anfangen – JETZT –, damit unsere Welt morgen noch lebenswert ist. Das ist ein schwerer Kampf, doch ich bin überzeugt, dass wir das schaffen, wenn wir alle die Augen öffnen.

Wie kann man schon im Kleinen Dinge verändern?

Glas- statt Plastikflaschen, Stoffbeutel oder Papiertüte statt Plastiktüte. Wenn alle bereits diese Kleinigkeiten beachten würden, wären die Inseln voller Plastikmüll, die es im Meer bereits gibt, und die von Plastik verseuchten Meerestiere vielleicht irgendwann Vergangenheit. Wir müssen aufhören, immer zu sagen, dass es keine Lösung gibt, denn wir sind die Lösung. Veränderungen fangen immer mit einem selbst an! Ich persönlich versuche, Verschwendung zu vermeiden, ich lebe bescheiden und achte immer auch auf die Menschen um mich herum.

Woher kommt Ihre Einstellung?

Mein Vater hat uns so erzogen. Bei uns gab es keine Verschwendung. Mein Vater hat immer gesagt: „Wenn keiner im Raum ist, braucht der auch kein Licht!“ Wir waren acht Kinder, hatten nicht viel Geld, doch meine Kindheit war das größte Geschenk: Alles, was wir hatten und was wirklich gezählt hat, hatte nichts mit Geld zu tun. Das Miteinandersein, Liebe, Geborgenheit – einfach zusammen, aber auch für andere da sein. Das hat mich sehr geprägt. Denn das ist das Einzige, was am Ende wirklich zählt. Ich bin wirklich kein Heiliger (lacht), aber unterm Strich zählt die soziale Einstellung.

Bitte erzählen Sie von Ihrem Engagement.

Ich setze mich für die Arche und Dunkelziffer e. V. ein. Aber auch meine eigenen Projekte liegen mir sehr am Herzen. Beispielsweise das von mir mitbegründete Projekt „ClearWater Project“. Das „ClearWater Project“ betreibt Aufklärung über die Verschmutzung und die gesundheitlichen Folgeerscheinungen von Ölbohrungen in Ecuador und hat es sich zum Ziel gesetzt, den betroffenen Einwohnern Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Mit meiner Charity-Stiftung „Saving An Angel“ unterstütze ich Kinderhilfsprojekte auf der ganzen Welt.