Herr Fürmann, Sie gehören zu den bekanntesten deutschen Schauspielern, die sich für das Thema Umwelt engagieren. Wie kam es dazu?

Ich bin so erzogen worden. Von Anfang an hat primär mein Vater sehr darauf geachtet, dass ich ein Bewusstsein dafür entwickle, dass wir alle zusammen eine Verantwortung für unseren Planeten haben und dass alles, was wir mehr verbrauchen als das, was wir benötigen, auf Kosten anderer Dinge geht, die unseren Planeten am Laufen halten. Und genau das versuche ich heute auch meiner Tochter zu vermitteln, ihr einfach beizubringen, ein verantwortungsvoller Mensch zu sein.

Wie genau machen Sie das?

Die Klassiker eben, wie Licht ausmachen, die Start-Stopp-Spülung bei der Toilette benutzen und Fahrrad fahren, anstatt immer das Auto zu nehmen.  Auch wenn sie darauf manchmal keine Lust hat, versuche ich ihr dann zu erklären, dass Fahrradfahren gesund ist und gleichzeitig auch die Umwelt schützt. Kleinigkeiten im Alltag eben, die am Ende des Tages jedoch viel bringen, dazu gehört auch die Ernährung.

Ich bin nicht perfekt, erlaube mir auch immer wieder Links- und Rechtskurven auf dem Weg der Nachhaltigkeit, kehre jedoch immer wieder auf die Hauptstraße zurück. Da bin ich dann immer wieder gefordert, als eigenverantwortlicher Mensch und als Vater.

Inwiefern?

Es ist ja nicht unbedingt leicht und macht auch nicht immer Spaß, das richtige zu tun. Die Welt ist transparenter geworden und wir wissen, was wir tun sollten und was nicht. Bei uns ist weniger Fleisch essen immer ein großes Thema, denn das fällt mir alles andere als leicht. Trotzdem versuche ich, so zu leben und nicht nur an mich zu denken, sondern auch an die da draußen – auch die Tiere.

Thema Massentierhaltung?

Genau. Ich habe mich vor einigen Jahren intensiver damit auseinandergesetzt und mir so vor Augen geführt, dass ich das zum Einen schon aus ethischen Gründen nicht unterstützen möchte und es zum Anderen auch gar nicht in meinem Mund haben, weil ich es einfach eklig finde.

Im Vorfeld dieses Interviews habe ich mir den Kurzfilm „Die Rechnung“ angeschaut – er hat mich amüsiert, aber gleichzeitig auch nachdenklich gestimmt. Was war Ihre Intention, bei diesem Film mitzuwirken?

Das Thema natürlich, denn in vielen Bereichen leben wir einfach wie in den 80ern, wir ballern durch die Welt und das Morgen interessiert uns nicht. Auch wenn Deutschland im Umweltfragen ein recht fortschrittliches Land ist: Wir fahren immer noch in Autos herum, die größer sind, als sie unbedingt sein müssen.

Ich finde das verantwortungslos und antiquiert. Musst du immer das Auto nehmen, auch wenn es nur drei Blöcke weiter zum Bäcker geht? Zudem muss auch der ganze Verpackungswahnsinn aufhören: Die „Coffee to go“- Wegwerfmentalität sollten wir langsam mal hinter uns lassen, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß!

Waren Sie nie so, wie Sie es ausdrücken, „80er Jahre“?

Doch klar. Aber mittlerweile denke ich anders und habe Spaß daran, Alternativen, kennenlernen. Aufklärungsarbeit ist hier ganz wichtig, aber auch auf eine humorvolle Art und das ist bei „Die Rechnung“ gelungen. Aus diesem Grund hatte ich auch Lust dabei zu sein.

Kommen wir zum Thema dieser Ausgabe. Was bedeutet für Sie Ressourcenmanagement?

Für mich heißt das die Dinge, die wir haben, möglichst effizient zu nutzen und nach Möglichkeit in der Gänze zu benutzen. Das heißt auch Abfallprodukte so zu nutzen, dass diese die ganze Verwertungskette im Idealfall durchlaufen. Hier tut sich immer mehr und das finde ich toll.

Die klassische Indianerweisheit ist ein Beispiel: Für sie war der Büffel viel mehr als Nahrung. Denken Sie mal darüber nach. In unserer Gesellschaft läuft da viel falsch. Ein Beispiel sind die Hühner. Weil die Deutschen nun mal am liebsten Hühnerbrust essen, werden die Hühner so gezüchtet, dass sie nach vorne überklappen, sich überhaupt nicht mehr auf den Beinen halten können, weil sie so überzüchtet und voll mit Antibiotika gestopft sind.

Die Schenkel wiederum und die Reste werden dann nach Afrika verkauft und machen dort die heimischen Märkte kaputt. Ich habe mal gelesen, Ernährung ist eine größere Umweltbelastung als alle Transportmittel zusammengefasst.

Denn auf der einen Seite wird zum Beispiel dieses tolle argentinische Fleisch zu uns geflogen, auf der anderen Seite werden Futtermittel so gewonnen, dass der Regenwald dafür abgeholzt werden muss, und hinzu kommt noch das Methan. Während die Rechnung bei der Kuh vom heimischen Bio-Bauernhof um die Ecke natürlich eine ganz andere ist. 

Und Energieeffizienz?

Die Frage die mich hier interessiert ist besonders, wie man das im Kleinen leben kann, natürlich auch im Großen. Ich bin aber der Meinung, dass viele kleine Schritte dann zum Großen führen. Ich finde den Spaß an der Sache aber auch wichtig. Niemandem hilft es, wenn wir die ganze Zeit Trübsal blasen und alles ein Gefühl der Beklemmung, das mir einfach nicht gefällt.

Ich mag im Gegenteil die ganzen Innovationen, die Tüfftler, die sich zusammenschließen und die Energieversorgung von ihrem Dorf übernehmen. Das ist für mich die Zukunft. Ich mag Fahrgemeinschaften, die immer mehr entstehen, weil Leute zusammen Bock haben auf Verantwortung, auf Kontakte schließen. So lernen sich Menschen kennen und stimulieren die Geister, die auf eine freudvolle Art und Weise einen modernen Lebensstil weiterentwickeln - das gefällt mir.

Bei denen von Ihnen angesprochenen Dörfern, die sich komplett selbst versorgen, gibt es aber immer auch Leute, die diesen im Weg stehen, die am Ende weichen müssen, weil genau dort flüssige Brennstoffe gefunden werden.

Das war einer der größten Skandale der letzten Zeit, in der Lausitz, wo ich dachte: In welchem Land leben wir eigentlich? Die Energiewende wird angepriesen und komplette Dörfer, die diese Schritte bereits vollzogen haben, komplett autark sich selbst versorgen, werden zwangsevakuiert und das ganze Dorf gibt es nicht mehr.

Ich habe letztens an so einer Braunkohlemiene gedreht, einen zarten Film über eine Viererbeziehung. Aber ich habe mich gefühlt, als würde ich in MadMax mitspielen, das Ausmaß war einfach gigantisch. Es war furchtbar und es wird Jahrzehnte brauchen, bis sich diese Landschaft wieder erholt. Das kann es einfach nicht sein. Das ist Aufgabe der Regierung, daran schleunigst etwas zu ändern.

Die Energiewende wird derzeit bekanntermaßen hauptsächlich von Privathaushalten getragen. Was sagen Sie dazu?

Auch das ist aus meiner Sicht ein Skandal, denn man schreckt die Menschen ab, weil alle denken, es ist nur durch persönliche Mehrkosten und weniger Effizienz verbunden. Anstatt die Industrie auch zur Verantwortung zu bitten, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Umso mehr achte ich Firmen, die von sich aus diese Schritte einleiten und Energieeffizienz in ihren Betrieben umsetzen, die sich selbstverständlich an der Gesundung der Welt beteiligen.

Auch wenn das etwas pathetisch klingt, aber wir stricken jeden Tag an unserer Welt von morgen und die Frage ist, ob das, was wir tun genug ist und diese Frage sollte sich jeder regelmäßig beim Blick in den Spiegel selber beantworten. Ich könnte sicherlich auch viel, viel mehr tun und will mich da gar nicht rausnehmen, aber es fängt mit dem Geist an – und muss Spaß machen!

Ich persönlich finde es eine lustvolle Angelegenheit sich zu erkundigen, hinter die Kulissen zu schauen und Sachen zu unterstützen, die das Gute mehren anstatt das Schlechte zu vergrößern.

Kommen wir zum Thema CO2. 

Ich bewege mein Auto in der Regel zweimal pro Woche, wenn ich fliege, zahle ich meinen Emissionsbeitrag über atmosfair und esse weniger Fleisch als früher, denn der ganze Ernährungskreislauf ist auch bei diesem Thema unglaublich relevant.

Was muss sich in Deutschland ändern, damit mit Ressourcen besser umgegangen wird?

Es muss weniger Schlupflöcher für die Industrie geben, sich an der Energiewende finanziell zu beteiligen. Dadurch gibt es eine größere Entlastung der Privathaushalte. Ich finde in der Automobilindustrie müssen mehr Anreize gegeben werden, umweltfreundlicher zu produzieren, um den Endverbrauchern wiederum größere Anreize zu schaffen umweltfreundlich zu fahren.

Massentierhaltung ist ein Energiedesaster, sollten nicht noch bezuschusst werden, sondern müsste schlichtweg illegal sein. Auch aus ethischen Gründen. Es ist einfach so abartig, dass wir es als Menschen geschafft haben, Tiere immer noch schlechter zu behandeln, über die Jahrzehnte. Wenn du denkst, jetzt haben wir das Schlimmste erreicht, was wirklich die Hölle für ein Tier ist, schaffen wir das noch zu verschlimmern.

Ich glaube ein Schwein hat mittlerweile 65 Quadratzentimeter Lebensraum, obwohl es Lebewesen sind und zudem noch bewiesen ist, dass diese Tiere sehr intelligent und nervlich feinsinnig sind. Das heißt sie bekommen so viel mit, von dem, was wir ihnen antun, dass dies nicht zu tolerieren ist, was wir Schweinen, aber auch allen anderen Tieren antun.

Auch wenn das nicht direkt in unser Thema gehört, spielt es auch mit. All das sind Hauptbausteine, die mir spontan einfallen.

Bitte geben Sie unseren Lesern Tipps, um ressourceneffizienter zu sein.

Der erste Schritt heißt lokal ist immer besser als international, besonders beim Einkauf. Das fängt beim Apfel an. Zur Effizient gehören auch Energiesparlampen dazu, auch wenn ich zugeben muss, dass ich in meiner Leseecke noch die Glühbirne verwende, weil diese einfach ein schöneres Licht ausstrahlt. In allen anderen Bereich, wie Küche, Bad und so weiter verwende ich natürlich Energiesparlampen.

Dennoch bin ich gespannt, wohin die Entwicklung in den nächsten Jahren geht, so dass Energielampen auch Licht produzieren, was gemütlich ist. Derzeit retten wir in diesem Bereich den Planeten auf Kosten der Sinnlichkeit (lacht). Und das ist ja auch nicht Sinn und Zweck der Sache. Natürlich sollte man aber das Licht ausmachen, wenn man den Raum verlässt und die Heizung herunter drehen.

Im Winter ist es für uns mittlerweile normal geworden uns im T-Shirt zuhause zu bewegen, aber ich finde, dass man auch einfach einen dünnen Pullover drüber ziehen kann und die Heizung nicht auf vollste Stufe stellen muss. Keiner braucht 365 Tage im Jahr Barbados in den eigenen vier Wänden und wenn, das bitte mit grünem Strom produziert. Man sollte alles verwenden, was den Kreislauf unterstützt.

Die einfachste Sache ist recyceltes Papier. Ein großer Punkt ist auch das Auto. Das sollte man so oft es geht stehenlassen und sich bewegen, weil wir den Planeten schonen und es gleichzeitig auch etwas für unsere Seele tut, dadurch, dass man einfach draußen an der Luft ist. Auch Elektroautos sind eine Alternative, wenn der Antrieb aus grünem Strom gewonnen wird. Aber auch das Konsumverhalten ist ganz wichtig.

Also woher kommt ein Produkt, wie wurde es hergestellt. Hier hilft oft nur nachfragen, aber auch nur dadurch halten wir die Hersteller dazu an, umweltbewusst zu produzieren. Denn unsere Einkaufsentscheidungen bestimmen maßgeblich den Markt. Ich empfehle auch jedem Lektüre, wie von Greenpeace „Tu was“ zu lesen oder sich auf Foren zu informieren, wo einfach Anregungen für den Alltag drin stehen.

Letztendlich kann das alles Spaß machen – man lernt dazu, erweitert den Horizont, tauscht sich aus, lernt vielleicht sogar noch interessante Leute kennen und tut etwas fürs Morgen.

Herr Fürmann, vielen Dank für das lehrreiche und interessante Gespräch.


Wir danken auch Anja Limmbrunner für die tollen Bilder. Mehr Informationen über die Fotodesignerin und Ihre Arbeit finden Sie unter: www.die-thematisierung.de