Die Trennung und Rücknahme der Rohstoffe im Baubereich ist komplizierter aber viel notwendiger. 40 Prozent des weltweiten Ressourcenverbrauchs und 54 Prozent des Abfallaufkommen in Deutschland werden durch den Bausektor verursacht.

Um Materialien hochqualitativ wiederverwerten zu können, muss daher schon beim Produktdesign an der Zerlegbarkeit des Produktes gearbeitet werden.

Für viele Betriebe der Baustoffindustrie ist die Beschaffung von Rohstoffen mittlerweile drängender als das Jahrhundertthema Energie.

Wenn Gebäude als Materialbanken verstanden werden, bieten sie eine große Chance, die gespeicherten Rohstoffe wie Eisen, Stahl, Kupfer, Aluminium, Holz und Beton effektiv zu nutzen. Allerdings bestehen Baustoffe, wie Stahl häufig aus Gemischen mit Kupfer, Molybdän, Nickel, Chrom und Vanadium.

Da diese Metalle kaum voneinander zu trennen sind, um sie sortenrein zurückzugewinnen, findet statt des Recyclings oft das Downcycling des Baustahls statt. Um Materialien hochqualitativ wiederverwerten zu können, muss daher schon beim Produktdesign an der Zerlegbarkeit des Produktes und der Materialreinheit der Produktteile, also an deren Qualität, gearbeitet werden.

Cradle to Cradle (C2C) ist ein Designkonzept für die Gestaltung von öko-effektiven und gesunden Produkten, deren Materialien in unendlichen, geschlossenen Kreisläufen zirkulieren und den Abfallbegriff somit überflüssig machen.

cradle to cradle Hause

Cradle to Cradle (C2C)- Haus - Foto: Bionorica

 

Im Bausektor bietet sich der Einsatz des Designkonzepts besonders an. Nach diesem Konzept zertifizierte Baumaterialien ermöglichen die Nutzung von Gebäuden als temporäre Material- oder Rohstofflager: Ein Zwischenlager für Nährstoffe. Fenster, Fassaden, Solaranlagen, Bodenbeläge und Metalle werden somit zu Dienstleistungen.

Die Cradle to Cradle-Ausstellung auf der diesjährigen Architektur-Biennale in Venedig mit dem Thema „Celebrating our Human Footprint: A Building like a Tree – A City like a Forest“ zeigt, dass Bauwerke wie Bäume gestaltet werden können. Statt weniger schlecht zu werden oder unseren menschlichen Fußabdruck zu reduzieren, ist es möglich, Gebäude zu kreieren, die nützlich für den Menschen und die Natur sind.

Ein C2C-Gebäude bietet Mehrwert für alle Beteiligten. Für Bewohner werden gesunde und lebenswerte Wohnräume mit hervorragender Innenraumluftqualität geschaffen. Bauherren investieren nicht mehr nur in Büro- oder Wohnraum, sondern auch in Rohstoffe. Das Investitionsrisiko sinkt und der Wert der Immobilie wird durch die zusätzliche Nutzung als Materiallager erhöht.

Gebäude fördern aktiv lokale Biodiversität und erhöhen die Lebensqualität mit viel Sonnenlicht, Frischluft und Grünflächen. So können wir unseren positiven menschlichen Fußabdruck wirklich feiern.