Erzählen Sie kurz von sich- wie sind Sie zu Sea Shepherd gekommen?

Ich habe Sea Shepherd 1994 über Stern TV im Zuge der "Whales Forever"-Kampagne kennengelernt und war einerseit total begeistert über das Engagement der Freiwilligen an Bord. Andererseits war ich erschrocken, wie brutal gegen diese Organisation durch die Norwegische Marine vorgegangen wurde. In mir wurde eine kleines Feuer entfacht, das seit dem nicht mehr erloschen ist. 1997 bin ich dann als Freiwilliger für seche Monate auf der Sea Shepherd 3 mitgefahren. Von meinem Job (Altenpflege) habe ich mich freistellen lassen und auf gings...

2010 haben wir dann mit mehreren Leuten Sea Shepherd Deutschland e.V. gegründet.

Bei der Vorstellung der neuen EU Plastikstrategie hat die Kommission gewarnt, „2050 könnte in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische“. Was halten Sie von solchen Bildern? Ist das angemessen? Panikmache?

Ich halte das für absolut angemessen und es ist richtig, die Menschen wachzurütteln. Experten zufolge werden nur 15% des Mülls angeschwemmt, 15% treiben auf der Wasseroberfläche und 70% sinken ab...damit ist alles gesagt. Wir müssen unser Handeln dringend ändern!

Wie sieht die Arbeit bei Sea Sheperd aus – wie viel ist Schreibtisch, wie viel Hochseeabenteuer?

Auf den Schiffen sind 98% harte Arbeit und lediglich 2% Abentuer, wenn man das so nennen will. Für mich gilt, das ich beinahe zu 100% in administrative Arbeiten eingebunden bin.

Was war Ihr bisher größtes Abenteuer?

Die sechs Monate auf See mit der Sea Shepherd 3. Wir fuhren im September 1997 von Bremerhaven aus los Richtung Mittelmeer. Dort gingen wir gegen die Treibnetzfischerei vor und statten dem Fürstentum Monaco auf Einladung von Fürst Rainier einen Besuch ab. Anlaß war die Tagung der Internationalen Walfangkommission dort.

Italien stellte damals die Treibnetzfishcerei ein.

Später überquerten wir den Atlantik Richtung Key West, Florida, USA. Dort wurde das Schiff für die Anti-Robben-Jagd Kampagne 1998 an der Ostküste Kanadas vorbereitet.

Sea Sheperd engagiert sich seit 1977 – wie sieht ihr Zwischenfazit aus? Haben Sie viel bewegen können? Ist das alles nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“?

Wir haben sicher eine Menge bewegt, siehe z.B. japanischer Walfang in der Antarktis. Die Quote wurde von knapp 1000 Tieren auf 330 reduziert.

2017 haben wir 25 Kampagnen weltweit durchgeführt, arbeiten mit Behörden verschiedenster Länder zusammen, haben einen ständigen Zulauf von Freiwilligen und der öffentliche Zuspruch ist ungebrochen, im Gegenteil, er steigt stetig.

Die Menschen erkennen einfach mehr und mehr, das wir unsere Lebensweise anpassen und rücksichtsvoller mit der Umwelt umgehen müssen.

Sie wissen besser als die meisten Menschen, wie die Industriefischerei weltweit funktioniert – wissen Sie auch, wie man sie nachhaltig gestalten könnte?

Nachhaltigkeit in der Fischerei gibt es unserer Meinung nach im Moment nicht. Nur 100% Verzicht ist absoluter Meeresschutz!

Vielen Dank!