Wie kam es dazu, dass Sie sich so umfangreich für den Umwelt- und Tierschutz engagieren?

Umweltverschmutzung kennt keine Landesgrenzen – wir atmen alle dieselbe Luft und trinken dasselbe Wasser.

Schon als ich 16 war, habe ich das erste Mal reflektiert, wie Tiere gehalten werden und dass sie sterben müssen, wenn wir Fleisch essen wollen. Für mich habe ich dann beschlossen, dass ich nicht möchte, dass Tiere für mich sterben müssen – so kam es, dass ich aufgehört habe Fleisch zu essen.

Das war damals eine individuelle Entscheidung und hatte noch nichts mit der ganzen Welt zu tun. Darüber habe ich mir kurze Zeit später auch angefangen Gedanken zu machen. Wir sind nicht getrennt von dieser Welt, wir alle leben in dieser Welt. Umweltverschmutzung kennt keine Landesgrenzen – wir atmen alle dieselbe Luft und trinken dasselbe Wasser.

Somit war es eine naheliegende Erkenntnis, dass es auch uns nur gut geht, wenn es unser Mutter Erde gut geht, wir uns also alle auch um diese Welt kümmern müssen. Mich privat dafür einzusetzen ist da nur naheliegend, da ich meinen Beruf dazu nutzen kann, Aufmerksamkeit zu generieren.

Worum geht es in Ihrem Lied „Gebet an den Planet“?

Es ist eine Entschuldigung, an den Menschen, die Tiere und die Natur. Da wir es schaffen alle drei zu zerstören.

Bitte erklären Sie das genauer.

Die Natur tut mir leid, die Tiere tun mir leid und selbst der Mensch tut mir leid, da er zwar verantwortlich ist für all die Zerstörung, doch selbst nicht merkt, dass er sich langfristig selbst zerstört.

Woran liegt das?

Niemand kann sich vor der Welt drücken und jede Handlung hat einen Effekt auf alle, auch ein Nichtrecycling schlägt Wellen.

Weil er blind und kurzfristig denkt. Es sind nicht wir und die anderen, sondern es ist immer ein wir. Hier kommt die Entwicklung des Bewusstseins zum Tragen: Am Anfang ist es immer das Ich, also das Erkennen der eigenen Individualität. Gefolgt vom kleinen Wir, das ist dann ich und meine Kumpels beziehungsweise ich und meine Familie.

Wenn die Entwicklung dann weitergeht, wird realisiert, dass es ein großes Wir gibt, was uns alle beinhaltet. Viele sind über das Ich-Stadium leider nicht hinausgekommen und machen sich deshalb auch keine Gedanken über Natur oder Tier, denn sie sehen nur sich selbst und erkennen nicht, dass sie auch sich selbst langfristig zerstören.

Recycling ist ein Begriff, welcher in vielfältiger Weise umgesetzt wird. Wie verstehen Sie das Konzept und welche Chancen sehen Sie darin?

Recycling verstehe ich als Wiederverwenden von Dingen, die bereits produziert wurden, um unsere Ressourcen und Rohstoffe zu schonen. Neben Papier und Plastik sehe ich Recycling aber auch als sinnvolles Wiederbenutzen von Dingen.

Bitte nennen Sie uns ein Beispiel.

Es gibt die Möglichkeit alte Computer zu verschenken, und diese werden dann an Menschen verteilt, die sich keinen eigenen Computer leisten könnten – beispielsweise Schulen in der dritten Welt. Das nenne ich intelligentes Recycling.

Was entgegnen Sie Menschen, die genervt von solchen Themen sind und ihr Leben einfach nur genießen wollen? 

Genuss ist eine schöne Sache, doch auf Kosten anderer, bekommt das schnell einen bitteren Beigeschmack. Ich versuche allen Menschen offen zu begegnen, würde ihnen jedoch klarmachen, dass sie auch die Verantwortung für ihr Handeln tragen müssen – nicht nur für sie, sondern für die ganze Welt. Niemand kann sich vor der Welt drücken und jede Handlung hat einen Effekt auf alle, auch ein Nichtrecycling schlägt Wellen. Leider verheerende.

Wie leben Sie Ihre Überzeugungen im Alltag?

Es fängt im Kleinen an. Ich hebe beispielsweise den Müll auf, der bei uns auf der Straße liegt. Darüber könnte ich mich stundenlang aufregen: Wer schmeißt seinen Müll in die Natur? Was hat er sich dabei gedacht? Wahrscheinlich hat er gar nicht gedacht, denn wer so etwas absichtlich macht, dem ist nicht mehr zu helfen.

Zu sehen, wie sehr sich diese Menschen für das Wohl unserer Welt ersetzen, wie sie jeden Tag dafür kämpfen – im Kleinen und im Großen – ist einfach wunderbar.

Auf unserem Hof heize ich mit Pellets, habe Solarzellen auf dem Dach und versuche so ökologisch zu leben. Strom und Wasser sparen, wo es geht und recyceln sind selbstverständlich.

Ich lebe vegetarisch, meistens sogar vegan.

Gibt es auch bei Ihnen noch Potential, den Umweltschutzgedanken fester zu verankern?

Verbesserungspotenzial gibt es überall und ich bin auch kein Heiliger und nicht frei von Sünde.

Sie wurden bei den diesjährigen GreenTec Awards, Europas größtem Umweltpreis, mit dem Sonderpreis "Music" ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Natürlich freue ich mich, wenn ich einen Preis bekomme. Doch ich engagiere mich nicht, um Preise zu bekommen. Meine Intention ist das Nutzen meiner Popularität, um Leute wachzurütteln.

Thomas D, GreenTec Awards Thomas D - Gewinner des Sonderpreis "Music" der diesjährigen GreenTec Awards

 

Wie haben Sie die GreenTec Awards erlebt?

Ich war überwältigt von den tollen Erfindungen.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

„Paul“ hat mich beispielsweise sehr beeindruckt. Paul ist ein Wasserrucksack, also eine tragbare Wasserfiltereinheit, der in Not- und Katastrophensituationen zum Einsatz kommt. Dort kann er aus Wasser, welches ja häufig kontaminiert ist, sauberes Wasser machen und zum Überleben von Menschenleben beitragen. Das hat mich sehr begeistert.

Zudem haben mich die Menschen, die ich bei der Veranstaltung kennengelernt habe, sehr berührt.

Inwiefern?

Zu sehen, wie sehr sich diese Menschen für das Wohl unserer Welt ersetzen, wie sie jeden Tag dafür kämpfen – im Kleinen und im Großen – ist einfach wunderbar. Ich sehe mich als Sprachrohr für all diejenigen, die sich tagtäglich für ein besseres Morgen, also für unser aller Zukunft, einsetzen.