Gentech-Pflanzen wachsen seit 20 Jahren fast nur in Nord- und Südamerika, die EU ist mit Ausnahme von Spanien praktisch gentechnikfrei. In Deutschland wurde 2009 der Anbau des genmanipulierten Mais MON810 verboten, die Gentech-Kartoffel „Amflora“ floppte erst bei Bauern und Industrie und verlor 2013 ihre EU-Zulassung.

Europas Landwirte und Verbraucher wollen keine Gentechnik auf Äckern und Tellern. Denn genmanipulierte Pflanzen führen die Bauern in neue Abhängigkeiten: Für die Gengewächse werden Patentgebühren fällig, außerdem ist der Anbau oft nur in Kombination mit Unkrautvernichtungsmitteln wie Glyphosat sinnvoll.

Einmal freigesetzt, sind Gentech-Organismen nicht mehr rückholbar – und können durch Verunreinigungen Bio-Bauern und andere gentechnikfrei wirtschaftende Akteure massiv belasten.

Langfristige Risiken der Freisetzung von Gentechnik-Pflanzen in die Natur sind kaum erforscht. In Nord- und Südamerika hatten 20 Jahre Gentechnik-Anbau allerdings fatale Folgen: Vor allem der Dauereinsatz von Unkrautvernichtungsmitteln über Gentechnik-Pflanzen führt dort vermehrt zu „Superunkräutern“ und zur Abnahme der Bodenfruchtbarkeit.

Einmal freigesetzt, sind Gentech-Organismen nicht mehr rückholbar – und können durch Verunreinigungen Bio-Bauern und andere gentechnikfrei wirtschaftende Akteure massiv belasten. Allein die Gentech-Reislinie „LL601“ hat weltweit Kontaminationsschäden in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro verursacht.

Gentechnikfrei produzierende Unternehmen müssen ihre Lieferkette deshalb aufwendig vor Gentech-Verunreinigungen schützen. Hier wird das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt: Wer Gentechnik NICHT nutzt, trägt die Kosten. Das ist ungefähr so, als ob Sie dafür zahlen müssten, dass Ihnen jemand hinten in Ihr Auto fährt.

Die EU-Staaten dürfen seit 2015 auf ihrem Territorium den Anbau von Gentech-Pflanzen verbieten. Dieser „Opt-out“ muss aber in Deutschland noch im Gentechnikgesetz verankert werden, damit die hiesigen Äcker gentechnikfrei bleiben. Und im offenen EU-Binnenmarkt kann Gentech-Verunreinigungen sowieso nur durch europaweite Gentechnikfreiheit vorgebeugt werden.

Die Heilsversprechen der Befürworter, mit Gentechnik-„Wunderpflanzen“ werde der Welthunger besiegt oder der Pestizideinsatz überflüssig, wurden jedenfalls nicht erfüllt. Kein Wunder, schließlich sollen Gentech-Pflanzen vor allem das Kerngeschäft der Chemie- und Gentechnik-Multis absichern, also den Verkauf von Pestiziden. Deshalb ist der Großteil der auf dem Markt befindlichen Pflanzen entweder resistent gegen Herbizide, produziert selbst ein Insektengift oder kombiniert beide Eigenschaften.

Diese Pflanzen sind kein Beitrag zur Bekämpfung der Hunger- oder Klimakrise, sondern stärken ein Agrarsystem, das die Probleme noch verschärft. Das gilt übrigens auch für die neuen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR-Cas, von deren „unbegrenzten“ Möglichkeiten derzeit genauso geschwärmt wird wie vor 30 Jahren von der klassischen Gentechnik.