Das, was wir produzieren, kann man in verrottbare Produkte und technische Nährstoffe einteilen. Die Dinge, die sich in der Anwendung verschleißen, müssen so konzipiert sein, dass sie die Biosphäre unterstützen: Schuhsohlen, Bremsbeläge, Waschmittel usw. Im besten Fall werden sie zu Stoffwechselprodukten für die Biosphäre. Materialien hingegen, die lediglich genutzt werden, müssen Nährstoff für die Technosphäre sein.

In einer digitalisierten Welt müssen alle Gegenstände und Inhaltsstoffe positiv definiert sein sowie deren Nutzungszeiten benannt werden. Damit hebt sich der Abfallbegriff auf. Denn wenn Materialien positiv definiert sind, werden sie Nährstoffe für die Techno- und Biosphäre. Dadurch können auch Innovationen viel früher den Markt erreichen. Eine Waschmaschine, die 40 Jahre betrieben wird, ist wirtschaftlich und ökologisch völliger Unsinn, weil dadurch Innovationen sehr verspätet auf den Markt kommen.

Es geht also darum, eher 3.000 Waschgänge zu verkaufen anstatt einer Waschmaschine. Solche Dienstleistungskonzepte für die Technosphäre stehen erst am Anfang, obwohl erste Projekte unseres Instituts bereits 1991 mit chemischem Leasing („Rent a solvent“) begannen. Damals war Eigentum jedoch Religion. Darum fand eine Weiterverbreitung zunächst nur langsam statt.

Wo die klassische Kreislaufwirtschaft versagt, setzt das Cradle to Cradle-Konzept an.

Trotzdem wäre die Zielsetzung „Null Abfall – Zero Waste“ beziehungsweise  abfallfrei zu sein, immer noch eine negative Zielsetzung. Selbst der Begriff „Null Abfall“ geht noch vom Konzept des Abfalls aus. Dies führt zu dem gleichen Ergebnis, wie wenn man jemandem sagt, er möge auf gar keinen Fall an ein rosarotes Krokodil denken. Natürlich denkt er nun automatisch nur an ein rosarotes Krokodil.

Effizienzsteigerungen im bestehenden System optimieren somit nur die falschen Ansätze. So führen beispielsweise Autoreifen mit längerer Haltbarkeit zu einem viel gefährlicheren Reifenabrieb, der viel intensiver eingeatmet wird. Statt einer solchen Effizienzstrategie ist eine Effektivitätsstrategie erforderlich.

Und genau hier, wo die klassische Kreislaufwirtschaft versagt, setzt das Cradle to Cradle-Konzept an und bietet eine echte Lösung der Abfallproblematik. Natürlich ergeben sich viele Aufgaben und vor allem im Übergang sind große Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehören zum Beispiel Abfallsupermärkte, also echte De-Shoppingcenter.

Es müssen Geschäftsmodelle entstehen, in denen die Dienstleistung der Komponentennutzung entwickelt wird. Nur wenn wir die Bio- und Technosphäre als Nährstoffe sehen, diese ausscheiden und sinnvoll wiederverwerten, wenn wir die Menschen als Chance begreifen und sie positiv motivieren, Teil einer umfassend schönen Welt zu werden, können wir zum Nutzen aller Menschen und der anderen Lebewesen beitragen.