Über aktuelle Entwicklungen sprechen wir mit Recyclingexperte Daniel Eisele, der die großen Branchenmessen SCHÜTTGUT und RECYCLING-TECHNIK organisiert.  

Herr Eisele, Recycling liegt nach wie vor im Trend. Was sind die aktuellen Entwicklungen in der Recyclingbranche?

Wir sehen uns einer wachsenden Rohstoffnachfrage ausgesetzt, Primärrohstoffe werden immer knapper und teurer. Rohstoffe stellen im produzierenden Gewerbe einen der größten Kostenfaktoren dar. Der effiziente Einsatz von Rohstoffen (Ressourceneffizienz) sowie die Gewinnung von Sekundärrohstoffe spielen heute schon eine wichtige Rolle.

Fast überall gibt es nun schon die Wertstofftonne. Wie kommt sie an? 

Die Wertstofftonne ist ein wichtiger Baustein hin zu effizienter Ressourcen-Wiederaufbereitung. Es bedarf meiner Einschätzung nach noch etwas Zeit, bis sich die Tonne im Bewusstsein der Bürger als wichtiger Bestandteil zur Optimierung von Recyclingprozessen verankert hat.

Wo sehen Sie die Vorteile der Privatisierung der Verpackungsentsorgung?

In der Beseitigung hoher Kosten und Intransparenz. Momentan entstehen durch die zehn verschiedenen Systembetreiber für den Verbraucher Verwaltungskosten von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr – die Entsorgungskosten von circa 800 Millionen Euro sowie die Lizenzen der Betreiber von circa 900 Millionen Euro nicht berücksichtigt. Meiner Meinung nach gibt es bei der derzeitig geltenden Verpackungsverordnung eine Vielzahl an Mängeln.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Vorteile des Wertstoffgesetzes?

Die Chance eines neuen Wertstoffgesetzes sehe ich insbesondere in der Beseitigung der Mängel der Verpackungsverordnung. Beispielsweise würde eine Beseitigung der bestehenden Systemvielfalt zur deutlichen Reduzierung der Verwaltungskosten beitragen und in einer verbesserten und effizienteren Koordination einer zentralen Stelle münden.

Was sind die Nachteile?

Die kommunalen Unterschiede können bei einer Zentralverwaltung nicht berücksichtigt werden. Zudem stellt sich die Frage nach der bürokratischen Notwendigkeit eines neuen Gesetzes oder ob es nicht auch ohne geht. Reichen nicht Wertstofftonne und Wertstoffhöfe aus?

Was kritisieren Sie?

Meiner Meinung nach gibt es bei der derzeitig geltenden Verpackungsverordnung eine Vielzahl an Mängeln und Schwachstellen. Zuerst müssen diese kritisch erörtert und dann im Gesetzgebungsprozess beseitigt werden, um nicht Gefahr zu laufen, mit einem mangelhaften Gesetz eine mangelhafte Verordnung zu ersetzen. Dann erst gewinnt ein Wertstoffgesetz an Sinnhaftigkeit.

Wie sieht Ihrer Meinung nach eine nachhaltige Wertstofferfassung im Sinne der Bürger aus?

Die Wertstofferfassung muss zum einen systematisch optimiert werden (Wertstofftonne, Kunststoffe, Elektroschrott, Wertstoffhöfe, Batterie- und Abfallentsorgung et cetera). Zum anderen müssen die Bürger besser aufgeklärt, beraten und somit noch stärker beim Thema Recycling miteinbezogen werden. Für das Vertrauen beim Bürger ist Transparenz, eine klare Definition von Recycling-Zielen sowie die unmissverständliche Regelung der Zuständigkeiten meiner Auffassung nach ausschlaggebend.

Bitte wagen Sie einen Blick in die Zukunft der Recyclingbranche.

Die Recyclingbranche wird auch in Zukunft eine der Wachstumsbranchen in den Industrienationen darstellen. Die zunehmende Ressourcenknappheit, das Versiegen von Primärrohstoffen in den kommenden Jahrzehnten sowie horrende Preise für verfügbare Rohstoffe führen zwangsläufig zu einem Umdenken im Umgang mit den Ressourcen.

Die nachhaltige Wiederaufbereitung wird für Unternehmen des produzierenden Gewerbes ein enormes Kosteneinsparungspotenzial bieten dadurch zum wesentlichen Erfolg beitragen.