“Das stimmt natürlich nicht, wie man sieht haben wir ja auch noch Müll und es fällt auch hinteren Kulissen Müll bei der Produktion und dem Transport an,” erläutert Shia, “Innerhalb der jetzigen gesellschaftlichen Strukturen ist komplett gar kein Müll noch nicht möglich. Da müsste man schon wirklich Aussteiger sein.” Ihrer Meinung nach wäre “Minimal Waste” deshalb die treffendere Bezeichnung.

Perfektionismus war sowieso nie das Ziel. Ganz im Gegenteil! Das Paar hatte nicht mal vor, “Zero Waste” zu werden. Sie nahmen sich nur vor, ihren Müll etwas konsequenter zu vermeiden. Dass ihr Jahresmüll sich in einem Einmachglas verstauen lässt, darüber staunen sie auch noch nach inzwischen drei Jahren Müllvermeidung.

“Das wirkt natürlich ziemlich krass und konsequent, aber ich kann versichern, dass es eher ein Unfall und keine schwarze Magie ist,” lacht Shia. Es sei nichts weiter ist als die Summe vieler kleiner und meistens lächerlich einfacher Dinge. “Müllvermeidung in unkompliziert und alltagstauglich” ist schließlich das Motto ihres Blogs Wasteland Rebel.

Jeder sollte dort anfangen, wo es für einen selber am einfachsten ist.

“Es muss ja nicht immer alles oder nichts sein,” ergänzt Hanno, “jeder steckt in einer anderen Lebenssituation, hat andere Gewohnheiten und Zugang zu einer anderen Infrastruktur. Wir wollen vor allem ermutigen und zeigen, dass man mit einfachen Mitteln und Änderungen hier und da viel erreichen kann. Es geht um Empowerment.”

Noch vor wenigen Jahren fühlten sich beide klein und eingeschränkt. Sie wollten so gerne nachhaltiger leben, hatten aber das Gefühl, eingeschränkt und abhängig von dem zu sein, was ihnen vorgesetzt wurde. Entweder fehlte das Geld, die Zeit oder die Energie. Da auszubrechen war allem voran eine Kopfsache, erinnert sich Shia: “Viele Wege führen nach Rom, aber man muss irgendwo anfangen. Wenn der Stein einmal ins Rollen kommt, nimmt man automatisch Fahrt auf. Wir hätten nie gedacht, dass wir so weit kommen würden!”

Rom war für die beiden der Wunsch, so wenig wie möglich auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt zu leben. Zero Waste sei dabei streng genommen nur einer von vielen Möglichkeiten. Bevor beide sich der Müllvermeidung zuwandten, hatten sie über Jahre ihren Stromverbrauch auf weniger als einen Drittel eines durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalts heruntergeschraubt, ihr Auto verkauft und sind schleichend, ebenfalls über Jahre, zu Veganern geworden.

“Jeder sollte dort anfangen, wo es für einen selber am einfachsten ist,” betont Hanno, “wobei ich denke, dass gerade Zero Waste sehr hilfreich ist, um im Nebeneffekt Gewohnheiten wie übermäßigen Konsum oder ungesunde Ernährung in den Griff zu bekommen. Zero Waste ist eine Entscheidungshilfe, die schnell eine klare Linie ins Konsumverhalten bringt.”

Zahlreiche Tipps und Rezepte findet man auf Shias Blog Wasteland Rebel (wastelandrebel.de). Da zeigt sie z.B., wie wie man mit gerade mal einer Handvoll Zutaten in nur wenigen Minuten den Haushalts- und Körperpflegebedarf abdeckt. Deo und Allzweckreiniger in nur einer Minute oder Zahnpasta in unter fünf Minuten — alles kein Problem! Als Nachhaltigkeitsexpertin beim öffentlich-rechtlichen Radiosender COSMO beleuchtet Shia zudem aktuelle Nachhaltigkeitsentwicklungen und vergisst auch da nie alltagsnahe Tipps. In ihrem 2016 erschienenem Buch “Zero Waste: Weniger Müll ist das neue Grün” führt sie vor allem Einsteiger an die Materie heran. Ihre schon fast unverschämt einfachen Lösungen sollen dazu beitragen, dass jeder Teile davon in den eigenen Alltag einbauen kann.