Sie setzen sich seit Jahren für die Rechte von Kindern auf der ganzen Welt ein. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

In dem sehr von Wohlstand geprägten Deutschland bemerken wir gar nicht, welche unglaublichen Probleme es in anderen Ländern der Welt gibt. Das für mich Allerschlimmste ist die Versklavung von Kindern – hier besteht akuter Handlungsbedarf! Wir können uns gar nicht vorstellen, dass es so etwas noch gibt, doch es ist in Teilen von Afrika, Indien und Nepal trauriger Alltag.

Bitte nennen Sie uns ein Beispiel.

Wenn Sie in Nepal aus der untersten Schicht kommen, werden Sie als Mädchen, im Alter von rund sechs Jahren, an eine andere Familie verkauft und später dann höchstwahrscheinlich nach Indien in ein Bordell verschleppt. Es gibt in unserer Welt Millionen von Sklaven, und deren Kinder werden quasi schon als Sklaven geboren.

Die Grundlage für alles ist Freiheit, und dieser Freiheit sollte man sich auch bewusst sein.

Offiziell ist die Sklaverei seit dem 19. Jahrhundert abgeschafft.

Das schert in den genannten Ländern leider niemanden. Seit ich begonnen habe, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, bekomme ich die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf. Aber wir alle müssen die Augen öffnen und uns bewusst machen, was in anderen Ländern passiert – vor allem mit den Kindern.

Welche Verantwortung können und sollten wir übernehmen?

Hier ist jeder von uns gefragt: Wir müssen an einem Bewusstseinsprozess teilnehmen. Ich vergebe ja jedes Jahr den Ulrich Wickert Preis für Kinderrechte. Hier gibt es auch einen Preis für Medienprojekte, die von Kindern umgesetzt werden. Dadurch wird eine Diskussion um Kinderrechte erzeugt, und das ist mir sehr wichtig. Jedes Kind auf der Welt hat Rechte.

Was können Unternehmen tun, um positive Impulse für Umwelt und Gesellschaft zu setzen?

Es gibt immer wieder den Versuch von Unternehmen, dass sie gewillt sind, etwas zu tun, damit ihre Produkte, die sie in der Dritten Welt produzieren lassen, nicht durch Kinderarbeit entstehen. Das ist sehr lobenswert, reicht meines Erachtens aber nicht aus. Es ist viel wichtiger, dass ein Bewusstsein bei der Bevölkerung der Länder, in denen es Sklaven gibt, geschaffen wird.

Und das erreichen wir am besten durch Bildung. Mädchen sollen auch in die Schule gehen dürfen – und dafür sollten sich auch Unternehmen einsetzen, die vor Ort produzieren lassen. Nur so kann langfristig etwas geändert werden.

Was beispielsweise?

Es ist ja nicht nur der Punkt, dass ein Mädchen in die Schule gehen darf. Es ändert etwas im Denken des Haushalts, aus dem das Mädchen kommt. Genießt ein Mädchen Schulbildung, ändert sich etwas in ihrem Denken, sie wird ihren Eltern anders gegenübertreten – das wird der Vater ertragen müssen. Aber nur so kann die Gesellschaft verändert werden. Bei der Bildung fängt es an.

Bei der Frage nach zukünftigen Herausforderungen wird oft das Wort „Nachhaltigkeit“ in den Raum geworfen. Können wir mit einem nachhaltigen Konsum für bessere Verhältnisse auf der Welt sorgen?

Wir müssen beginnen, uns deutlich zu machen, welchen unglaublichen Schaden wir mit unseren Massentierhaltungsanlagen anrichten. Mal abgesehen von dem schrecklichen Leid der Tiere. Solange wir unsere Tiere ganz billig in Länder wie Afrika importieren, führt unser Massenexport zur Unterdrückung einheimischer Bauern in den jeweiligen Ländern.

Wie gehen Sie persönlich mit der Thematik um? Gibt es bestimmte Dinge, auf die Sie beim Einkaufen achten, um solche Dinge nicht zu unterstützen?

Das fängt damit an, dass ich mit dem Rad fahre. Ich kaufe ausschließlich regional – meine Butter kommt aus Schleswig-Holstein, nicht aus Irland, meine Äpfel kommen nicht aus Australien, sondern dem Alten Land. Ich achte da sehr bewusst drauf und würde mir wünschen, dass es mehr von meiner Sorte gibt. Denn wenn plötzlich Hunderte, Tausende oder Zehntausende so denken, dann bewirkt das auch etwas.

Dieses Umdenken muss in den Köpfen vieler Menschen noch stattfinden.

Und es tut gar nicht weh. Die Butter aus Schleswig-Holstein schmeckt mindestens genauso gut wie die aus Irland. Und diese Plastiktüten. Warum verwenden wir die noch? Das macht mich richtig wütend. Warum können wir diese Plastiktüten nicht auch, wie Frankreich, verbieten? Es könnte so einfach sein, doch hier muss auch die Politik ihren Beitrag leisten.

Zum Schluss noch die Masterfrage: „Wie wollen wir leben?“

Die Grundlage für alles ist Freiheit, und dieser Freiheit sollte man sich auch bewusst sein. Nur auf dieser Basis können wir alle anderen wichtigen Eckpfeiler der Zukunft in Angriff nehmen.