Immer wieder wird in regelmäßigen Abständen von sogenannten Spendenskandalen berichtet. Während im Winter 2007 das Kinderhilfswerk UNICEF wegen mangelnder Transparenz in den Schlagzeilen war,  ist es aktuell das von Karl-Heinz Böhm gegründete Hilfswerk „Menschen für Menschen“. Ein Großspender wirft dem Vorstand öffentlich unter anderem mangelnde Transparenz bei der Spendenverwendung vor.

Mehr Transparenz

Das Vertrauen von Spendern und öffentlichen Geldgebern ist schnell beschädigt, wenn die notwendige Transparenz bei der Mitteleinwerbung und Mittelverwendung nicht vorliegt.

Um den wachsenden Anforderungen an das Transparenzverhalten von Hilfsorganisationen gerecht zu werden, entwickelten die Mitgliedsorganisationen des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) den Verhaltenskodex Transparenz, Organisationsführung und Kontrolle. Mit seiner Verabschiedung auf der Mitgliederversammlung im Dezember 2010 wurde er für alle Mitglieder verbindlich.

„Das Vertrauen von Spendern und öffentlichen Geldgebern ist schnell beschädigt.“

Offene Kommunikation

VENRO-Mitglieder verpflichten sich mit gemeinsam formulierten Prinzipien und Standards, in den Bereichen Organisationsführung, Kommunikation, Betriebsführung und Wirkungskontrolle mehr Transparenz über ihre Arbeit zu schaffen. Dazu gehören unter anderem die strikte Trennung von Aufsicht und Kontrolle vom Leitungsorgan und die offene Darstellung von Gehaltsstrukturen der hauptamtlichen Mitarbeiter.

Die transparente Aufstellung der Spendeneinnahmen sowie weiterer öffentlicher Zuwendungen und die präzise Dokumentation der weitergeleiteten Mittel in den jeweiligen Satzungszweck, wie unter anderem Projekte in den Entwicklungsländern, soll dem Spender aufzeigen, wie seine Zuwendungen konkret eingesetzt werden.

Auch die eindeutige Darstellung der entstandenen Werbe- und Verwaltungskosten ist wichtig. Die Zusage einer 100-prozentigen Mittelweiterleitung in die Projekte – gleichbedeutend mit der Behauptung, keine Werbe- und Verwaltungsaufwendungen zu haben – ist nicht zulässig.

Handelt es sich um eine externe Kostenübernahme oder ehrenamtlich geleistete Arbeit, soll der Hinweis auf diese Ressourcen erfolgen.

Den Spender interessiert neben der Frage nach der Höhe der Verwaltungskosten meist auch, ob seine Spende die von der Hilfsorganisation beworbene Wirkung auch tatsächlich erzielt. Das heißt: Kommt die Spende auch dort an, wo sie hinsoll, und bewirkt sie auch den beworbenen Zweck? Der VENRO-Verhaltenskodex hat diesem Anliegen mit der Verpflichtung der Mitglieder auf eine wirkungsorientierte Arbeitsweise Rechnung getragen.

VENRO-Mitglieder verpflichten sich, Instrumente der Wirkungsbeobachtung zu entwickeln, wobei Nutzen und Kosten in einer angemessenen Relation stehen müssen. Über die Ergebnisse der Wirkungsbeobachtung soll in angemessener Form, sei es im Jahresbericht oder auf der Internetseite,  berichtet werden. So können sich Spender zeitnah über den Erfolg ihrer Spende informieren, auch dann, wenn es Probleme im geförderten Projekt  gibt.

Vertrauen fordert Engagement

Die Umsetzung des Verhaltenskodex hat zu zahlreichen organisatorischen Weiterentwicklungen innerhalb einzelner Mitgliedsorganisationen geführt. Die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Hilfsorganisationen  wissen, dass nur das Vertrauen der Spender und auch der öffentlichen Geldgeber in ihre Arbeit das notwendige Fundament schafft, dieses zivilgesellschaftliche Engagement auch in Zukunft nachhaltig zu leisten.