Der winzige Mund des kleinen Mädchens war durch eine beidseitige Lippenspalte offen und ihre Lippen klafften auseinander. In diesem Moment verwandelte sich Viviabys anfängliche Freude über ihr Neugeborenes in tiefe Traurigkeit. Als ihr Ehemann Haingo sah, lehnte er sie sofort ab und rief: „In unserer Familie gibt es solche Babys nicht!“

Niemand in Viviabys Dorf in Madagaskar hatte jemals von solch einer Entstellung gehört. Viviaby fragte sich: „Ist es vielleicht meine Schuld oder ein Fluch? Ich bin doch eine gläubige Christin und wenn Gott mir dieses Kind mit dieser Behinderung gegeben hat, dann weiß er auch, wie man für sie sorgen kann.“ Wie sich später herausstellte, war die äußerliche Entstellung Haingos geringstes Problem.

Nachdem einige Tage vergangen waren, nahm die ohnehin schon belastende Situation einen dramatischen Verlauf. Haingo konnte nicht mit Muttermilch ernährt werden. Viviaby wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ihr Kind zudem noch an einer Gaumenspalte litt. Mit diesem Loch im Gaumen war es Haingo unmöglich an der Brust ihrer Mutter zu saugen. Vor Hunger schrie sie unaufhörlich. „Sie wird sowieso nicht überleben, also ist es besser, du bringst sie gleich um“, sagte der Vater des Kindes zu Viviaby.

Bring dein Baby zu diesem Hospitalschiff! Dort wird sie kostenlos behandelt.

Aber Viviaby flehte: „Lass sie leben!“ Anfänglich schaffte sie es, den Säugling mit verdünnter Dosenmilch am Leben zu erhalten. Doch dies konnte sie sich auf Dauer nicht leisten, da eine Portion Milch ein ganzes Tagesgehalt kostete. Sie begann gemahlenen Reis mit Zucker aufzukochen und fütterte damit das hungrige Baby. Aber Haingo nahm trotzdem nicht an Gewicht zu. Mit sieben Monaten wog sie nur noch 2,2 Kilo.

„Ich hatte nicht genug Geld, um geeignete Nahrung für sie zu kaufen“, erinnert sich die Mutter. „Sie magerte immer mehr ab und ich hatte schreckliche Angst um sie. Ich betete unaufhörlich.“

Viviaby wurde wegen ihres Babys von allen Seiten mit Aberglauben und grausamen Kommentaren konfrontiert, bis eines Tages einige Frauen in das entlegene Dorf kamen, und von Haingos Schicksal hörten. Sie erzählten Viviaby, dass sie selbst kürzlich kostenlose Operationen von Mercy Ships erhielten und rieten ihr: „Bring dein Baby zu diesem Hospitalschiff! Dort wird sie kostenlos behandelt“.

Also machte sich die zierliche, mutige Viviaby mit ihrem Kind auf den Weg. Sie trug Haingo zwei Tage lang durch die felsigen Landschaften ihrer Region, um sie für ihre Erstuntersuchung zu einer der Aufnahmestationen von Mercy Ships zu bringen. Stationsleiterin Mirjam Plomp untersuchte Haingo und stellte fest, dass ihr Zustand äußerst ernst war. Sie war bereits sieben Monate, glich aber einem zwei Monate alten Baby. „Ich bin erstaunt gewesen, dass sie noch am Leben war. In diesem Zustand konnte sie jedoch unmöglich operiert werden. Wir nahmen sie in unser Säuglingsernährungsprogramm auf, damit sie erst einmal an Gewicht zunehmen konnte.“

Haingo und ihre tapfere Mutter wurden von unserem Team sofort mit einem Missionsflugzeug zur Africa Mercy gebracht. An Bord des Hospitalschiffs versorgten die Kinderkrankenschwestern Haingo unverzüglich und verabreichten ihr rund um die Uhr Notfallnahrung.

Die hingebungsvolle Pflege der Krankenschwestern ermöglichte Viviaby zum ersten Mal seit Haingos Geburt ruhig zu schlafen. „Die Nahrung musste ihr mit einer Spritze verabreicht werden, da sie nicht in der Lage war, an der Flasche zu saugen“, sagte die Mutter.

Nachdem Haingo die erste Operation erfolgreich überstanden hatte, schloss Viviaby ihr Baby überwältigt in ihre Arme und rief: „Sie ist wunderschön!

Haingo nahm an Gewicht zu und wurde immer lebhafter. Als Viviaby mit anderen Müttern auf der Station sprach, deren Kinder das gleiche Schicksal hatten, fand sie Trost und fühlte sich zum ersten Mal verstanden. Nach 10 Tagen war Haingo stabil genug, um ins Hope-Center entlassen zu werden. Durch eine stetige Gewichtskontrolle und einen regelmäßigen Austausch mit der Station des Säuglingsernährungsprogramms (IFP) erhielten wir ein genaues Bild über die Fortschritte unserer Patienten. „Wie schnell unsere Säuglinge an Gewicht zunehmen, stärker werden und ganze Meilensteine in ihrer Entwicklung voranschreiten, fasziniert mich immer wieder“, erklärte Diätassistentin Jillian Davis. „Einen großen Einfluss auf eine positive gesundheitliche Entwicklung der Kinder hat dabei die neu gewonnene Hoffnung der Eltern.“

Zuvor weinte Haingo sehr viel, weil sie immer hungrig war. Nun ist sie satt, fröhlich und ausgeglichen, berichtet Viviaby voller Begeisterung.

Als Haingo älter wurde, begann sie endlich all diese vielen niedlichen Dinge zu tun, die Babys in ihrem Alter machen. Sie war ständig in Bewegung und ihre traurigen Augen hatten jetzt ein Lächeln im Blick. Nun konnte sie mit wohlgenährten Ärmchen winken, die vorher schwach und mager waren. Nach fünf Monaten erreichte Haingo ein Gewicht von 3,5 Kilogramm und somit das statistische Mindestgewicht für ihre Größe. Endlich war sie kräftig genug, um die geplanten Operationen für ihrer Lippen- und Gaumenspalte zu erhalten.

Nachdem Haingo die erste Operation erfolgreich überstanden hatte, schloss Viviaby ihr Baby überwältigt in ihre Arme und rief: „Sie ist wunderschön!

Als Mutter und Kind wieder zurück in ihrem Heimatdorf waren, reagierte Haingos vier Jahre alter Bruder zunächst etwas verstört und klagte die Mutter an: „Das ist nicht meine Schwester, du hast sie ausgetauscht!“ Auch die Dorfbewohner waren äußerst erstaunt über die neue Erscheinung des kleinen Mädchens und Viviaby erzählte allen, wie es zu dieser Veränderung kam.

Als Haingo 13 Monate alt war, erhielt sie ihre zweite kostenlose Operation, bei der das Loch in ihrem Gaumen geschlossen wurde. Erst jetzt konnte sie normal essen und trinken und war in der Lage verständliche Worte zu sprechen.

Viviaby erinnert sich: „Niemand glaubte daran, dass Haingo geholfen werden könnte. Ohne Mercy Ships wäre sie gestorben. Aber mein Baby wurde geheilt!"

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Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.mercyships.de.