Während eines Musikfestivals in der Nähe von Peine stürze ich von einer Brücke. Vorbeifahrende Autofahrer entdecken mich. Ich werde ins Krankenhaus gebracht. Zu diesem Zeitpunkt spüre ich schon meine Beine nicht mehr. Ich ahne, dass etwas Schlimmes passiert ist. Die Diagnose: Querschnittslähmung.

Es folgt eine einjährige Odyssee. Durch Krankenhäuser, Reha und betreutes Wohnen in Hannover, Hamburg, Kiel und Berlin. In dieser schwierigen Zeit muss ich erstmal einiges begreifen. Wegen des Bruchs des Rückenmarks werde ich für den Rest meines Lebens mit einem Rollstuhl leben. Sehr viele Freunde wenden sich von mir ab. Wohl auch, weil einige mit dieser neuen Situation nicht klar kommen. Ich falle in ein dunkles Loch. Aus dem ich allein nicht mehr herauskomme.

Wegen des Bruchs des Rückenmarks werde ich für den Rest meines Lebens mit einem Rollstuhl leben.

Zu dieser Zeit stirbt auch mein Vater. Als wenn alles nicht schon schlimm genug wäre. Meine Mutter verliert ihren Mann an den Krebs. Und ihr Sohn sitzt im Rollstuhl. Aber dennoch ist sie es zusammen mit meinem Bruder, die mir aus dem dunklen Loch heraus hilft. Die Schicksalsschläge schweißen unsere Familie enger zusammen.

Auch ein, zwei Freunde, die in der schlimmsten Phase täglich anrufen, unterstützen mich, wo sie nur können. Sie geben mir Kraft und Hilfe, wo ich einfach nicht mehr weiter weiß. Bilder von gemeinsamen Urlauben mit ihnen in Holland und Frankreich, die ich mir in Erinnerung rufe, sind zudem kurze Glücksmomente.

Von Anfang an ist mir wichtig, dass sich mein Leben eben nicht radikal verändert. Dass ich so gut wie möglich weiter mache wie früher. Es ist ruhiger und etwas langsamer geworden. Inzwischen lebe ich in einer eigenen Wohnung in Braunschweig, die sich nur durch ein befahrbares Bad von anderen unterscheidet Auf eine Party gehe ich nur noch einmal im Monat. Haushalt und Kochen dauern etwas länger. Ich muss drei Mal in der Woche zur Physiotherapie und zum Arzt.

Noch wichtiger als früher ist, dass ich mich bewege. Ich vermeide damit Druckstellen, die entstehen, weil ich lange im Rollstuhl sitze. Dank der Physiotherapie kann ich meine Unterschenkel weiter nach vorne drücken. In Braunschweig gibt es Basketball für Menschen mit Handicap, wo ich künftig noch mehr mitspielen möchte. Am liebsten sind mir jedoch Touren mit meinem Handbike. Es ist ideal, um wie beim Joggen den Herzkreislauf zu trainieren.  

Beruflich bin ich zurzeit Frührentner. Glücklicherweise hatten meine Eltern kurz vor meinem Unfall eine Familienversicherung abgeschlossen. Sie umfasst eine Einmalzahlung und meine Rente. Meinen früheren Beruf als Koch, den ich vor allem gelernt habe, weil ich ihn mit Reisen verbunden habe, möchte ich nicht mehr ausüben.

Denn mein Ziel ist klar: In den kommenden drei Jahren hole ich mein Abitur nach. Danach werde ich Geschichte studieren. Mit den Schwerpunkten Antike und neue deutsche Historie. In ferner Zukunft möchte ich Führungen in Museen für andere Menschen mit Behinderung anbieten.

Privat plane ich irgendwann in zwei Jahren eine längere Reise in die USA. Wegen der vielen Kriegsveteranen ist es übrigens ein Land, das im Umgang mit Menschen im Rollstuhl weltweit am fortschrittlichsten sein soll. Aber das ist nicht der Grund. Denn auch die Solidarität in Deutschland ist überraschend groß.

Ich möchte zwei Monate lang endlich die Ostküste der Vereinigten Staaten erkunden. Auf meinem Handbike. Zusammen mit einem Freund, der dann auf dem Rad neben mir fährt.

Wir werden ziemlich viel Spaß haben.