Deutschlands Vorstände und Aufsichtsräte sind noch immer fest in Männerhand. Der Gesetzgeber hat bereits reagiert: Der Bundesrat hatte im März das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ verabschiedet.

Was bedeutet das für die betroffenen Unternehmen in Deutschland?

Um das herauszufinden, hat KPMG Interviews und Onlinebefragungen mit Aufsichtsräten und Vorständen der Dax30-Unternehmen durchgeführt.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass die meisten Befragten die gesetzliche Quote ablehnen“, sagt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorständin bei KPMG. Die Entscheider empfinden die Quote als zusätzlichen regulativen Eingriff in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit der Anteilseigner. Diese Sichtweise wirft die Frage auf, ob sich die Geschlechterverteilung aufseiten der Investoren auch in den Gremien widerspiegelt.

„Im Bereich von Banken und Asset Managern kann ich mir gut vorstellen, dass Investoren in Zukunft öfter nach den Diversity-Zielen und deren Erreichung fragen“, so Huber-Straßer. „Auch Kunden, insbesondere die Öffentliche Hand, werden in Zukunft darauf achten und sie bei Ausschreibungen sogar als Entscheidungskriterium heranziehen.“

Als offiziellen Grund geben die Befragten an: Es mangelt an qualifizierten Kandidatinnen. „Das trifft so nicht zu“, erklärt die Bereichsvorständin. Die meisten der Befragten wollen Frauen vorab in Projekten oder Arbeitskreisen erleben. „Sie suchen nicht die Beste sondern die Richtige“, sagte einer der Befragten. „Tatsächlich fehlt es den hochqualifizierten Bewerberinnen an diesen Netzwerken und an Sichtbarkeit. Sie werden zu leicht übersehen.“

Um das Dilemma zu lösen, sollen interne Entwicklungsprogramme in den Unternehmen ausgebaut werden. Ob das allerdings sofort hilft, bezweifelt Huber-Straßer: „Im Vorstand werden wir kurzfristig keinen signifikanten Anstieg des Frauenanteils erleben“. Denn hierfür sind in der Regel 15 bis 20 Jahre Berufserfahrung notwendig und die Talent Pools unterm Vorstand sind klein.

Weibliche Führungskräfte mit der nötigen Qualifikation werden außerdem von anderen Unternehmen aus In- und Ausland abgeworben. Oft bleiben diese Frauen nicht lange im Unternehmen, „sie werden vom Organismus des Unternehmens wie ein Fremdkörper abgestoßen“, beobachtet Huber-Straßer. „Dasselbe gilt für die Männer, aber sie verschwinden in der Masse.“

Dennoch sind sich die Befragten durchaus bewusst, dass sie umdenken müssten und eine geschlechterübergreifende „Diversity of Minds“ nötig sei. Sie wird zum unabdingbaren Erfolgsfaktor der „neuen“ Arbeitswelt.

Ein erstes Diskussionspapier zum Thema finden Sie hier: www.kpmg.de/Frauenquote/