Sie waren 29 Jahre alt, als Sie einen Arbeitsunfall hatten. Bitte erzählen Sie uns von Ihrem Leben vor dem Unfall.

Wir wohnten zu viert in einer Dreiraumwohnung in der zweiten Etage. Ich war als Gas-Wasser-Installateur bei einer kleinen Firma beschäftigt. Meine Lebensgefährtin war noch im Erziehungsurlaub mit unserem fast einjährigen Sohn. Um sie zu diesem Zeitpunkt etwas zu entlasten, verbrachte ich nach der Arbeit viel Zeit mit unserer knapp fünfjährigen Tochter. In meiner Freizeit fuhr ich in unseren Kanuverein, um zu trainieren und gute Freunde zu treffen.

Was ist genau passiert? Wie haben Sie den Tag des Unfalls in Erinnerung?

Es war ein heißer Sommertag im Juli 1999. Meine Kollegen und ich waren damit beschäftigt, einen Altbau zu sanieren. Als ich im dritten Obergeschoss von der Leiter stieg, brach unter meinen Füßen das Brett und ich fiel, da keine Fußböden vorhanden waren, bis ins Erdgeschoss. Mein Kollege rief sofort den Rettungsdienst und kümmerte sich um mich. Da ich große Rückenschmerzen verspürte, bat ich ihn darum, mich einfach liegen zu lassen.

Die Rettungssanitäter kamen auch recht bald und versorgten mich mit schmerzstillenden Medikamenten. Nachdem ich transportsicher gelagert wurde, brachte man mich zum Hubschrauber und wir flogen zum Benjamin Franklin Krankenhaus nach Steglitz.

Wie haben Sie und Ihr Umfeld die Diagnose verkraftet?

Die ersten Tage waren schon sehr anstrengend. Mehrere Operationen, künstliches Koma und einige Tage an der Beatmungsmaschine. Nach vier Wochen wurde ich ins UKB Marzahn verlegt und man teilte meiner Familie und mir die voraussichtliche Diagnose mit. Wurde mir vorher immer noch Mut gemacht nach dem Motto, es wird schon werden, war es bitter zu erfahren, dass ich durch den Bruch des fünften Halswirbels von der Brust abwärts gelähmt sein werde.

Es war für mich und meine Familie schwer zu ertragen, dass ich durch die komplette Tetraplegie keine Möglichkeit habe, mich selbst zu versorgen, und immer auf fremde Hilfe angewiesen sein werde. Die Hände und die Finger nicht mehr bewegen zu können, war für mich einfach unvorstellbar.

Von heute auf morgen hat sich Ihr Leben um 180 Grad gedreht. Bitte nennen Sie uns einige Beispiele.

Auf der Suche nach einer geeinigten Wohnung zeigte es sich, dass durch den Gebrauch von mehreren Hilfsmitteln der Platzbedarf einfach größer ist und zu diesem Zeitpunkt keine passende Wohnung in dem von uns gesuchten Einzugsbereich zu finden war. Da wir unter einem gewissen Zeitdruck standen (der Krankenhausaufenthalt war ja zeitlich begrenzt) und das familiäre Umfeld nicht verlassen wollten, entschieden wir uns, ein Haus zu bauen.

Das Haus wurde rollstuhlgerecht ebenerdig gebaut und bekam einen Aufzug, damit ich auch die obere Etage benutzen kann. Nach meiner stationären Entlassung übernahm meine Frau die komplette Pflege, die sie auch weiterhin ausführt. Im Falle, dass auch mal andere Hilfe gebraucht wird, springt meine Mutter oder mein Sohn ein. Auf unsere Freunde können wir uns auch verlassen. Sie unterstützen uns, wenn es darauf ankommt.

Kommen wir zum Thema Barrierefreiheit. Wie nehmen Sie diese in Ihrem Umfeld/in Deutschland wahr?

Ich muss zugeben, dass ich nicht so viel unterwegs bin. Wenn doch, dann mit unserem Auto, sodass ich nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen bin. Selbst mit Begleitung ist die Benutzung von U- und S-Bahn zum Teil kompliziert – teilweise keine Aufzüge oder außer Betrieb.

Bei Bus und Straßenbahn muss  immer der Fahrer wegen der Rampe aussteigen. Oft erkundige ich mich vorher über die örtlichen Begebenheiten, ob man mit dem Rollstuhl ungehindert vorankommt. Da ich nie alleine unterwegs sein kann, können kleine Hindernisse mithilfe der begleitenden Person überwunden werden.

Wie sieht heute Ihr Alltag aus?

Ich fahre dreimal in der Woche zur ambulanten Reha ins UKB Marzahn. Dort nutze ich die Sporträume und die Krankengymnastik. Ich fahre auch öfters mit meinem Freund zum Basketball, um meinen Lieblingsverein ALBA Berlin anzufeuern. Und wenn das Wetter es zulässt, mache ich mal einen Ausflug oder fahre mit der  Familie zum Training oder Wettkampf und schaue ihnen beim Paddeln zu.

Da in meiner Freizeitgestaltung das Wetter eine große Rolle spielt, ich mag es lieber warm und trocken, bevorzuge ich eher Indoorveranstaltungen. Außerdem habe ich in meinem Sportverein ein paar Arbeiten übernommen, die ich am PC erledigen kann.